Deutsches Rotes Kreuz und Aktion Mensch zeichnen in Berlin die Gewinner des Wettbewerbs "WendePunkte" aus
Jede Gesellschaft lebt auch von Mitmenschlichkeit und Solidarität. Das belegen die Einreichungen zum Schreibwettbewerb "WendePunkte" von Aktion Mensch und Deutschem Roten Kreuz (DRK). Gefragt waren Erfahrungsberichte über Situationen, in denen Hilfe zur Begegnung zwischen zwei Menschen wird. Fast 300 Interessierte aus dem deutschsprachigen Raum beschreiben in ihren Einreichungen, wie sie Menschen helfen oder selbst Hilfe empfangen haben. Egal wie kurz oder nebensächlich diese Momente erscheinen mögen - die Texte veranschaulichen, dass es sich hier um einen Wendepunkt im Leben jedes Einzelnen handelt. In den Beiträgen geht es um Abschiednehmen, die Arbeit im Hospiz, um Mitgefühl, Sucht oder Krankheit, das Leben in einem Heim für Asylbewerber, einen Anruf beim Jugendtelefon, um missionarischen Eifer, Behinderung, Sozialarbeiter oder um den Völkermord in Ruanda. Die Altersspanne der Wettbewerbsteilnehmer - von 15 bis 80 Jahren - zeigt: Hilfsbereitschaft ist keine Frage des Alters.
Im März wählte eine Jury die elf besten Beiträge aus. Maybritt Illner, TV-Moderatorin und Mitglied der Jury, gab bei der Preisverleihung am 27. Juni im "Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart" in Berlin die Gewinner des Wettbewerbs "WendePunkte" bekannt:
Julia Edtbrustner aus 1050 Wien mit "Neuschnee"
Anke Eiben aus 26135 Oldenburg mit "Nachtwachen"
Sabrina Heldmann aus 92245 Kümmersbruck mit "Winterlicht"
Edith Huber aus 83233 Bernau mit "Trunksuche"
Birgit Jennerjahn aus 76137 Karlsruhe mit "Bett 29"
Christine Koch aus 72020 Tübingen mit "Du hast mich besucht" (Gedicht)
Birigt Krick aus 36041 Fulda mit "Verzweiflung"
Christina Lux aus 63067 Offenbach am Main mit "Die behutsame Suche nach dem Wesen der Zufriedenheit"
Ute Stephanie Mansion aus 40627 Düsseldorf mit "Nachtblind"
Reinhard Strüven aus 40476 Düsseldorf mit "Frau Schwarz und der Sozialarbeiter"
Martin Uhl aus 54290 Trier mit "Völkermord 2006"
Der Wettbewerb "WendePunkte" fand im Rahmen der Gesellschafter-Initiative der Aktion Mensch in Kooperation mit dem DRK statt. "In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?" Mit dieser Frage ist dieGesellschafter.de vor zwei Jahren an die Bevölkerung herangetreten. Mittlerweile hat sich die Internetplattform mit rund 2,2 Millionen Besucherinnen und Besuchern und mehr als 175.000 Beiträgen zu einem wichtigen politischen Diskussionsforum in Deutschland entwickelt. Die Aktion Mensch sucht gemeinsam mit 75 Partnerorganisationen auch praktische Antworten: Mehr als 6.000 Förderanträge für neue Initiativen sind bisher eingegangen. Außerdem steht im Internet eine kostenlose Freiwilligen-Datenbank bereit, die den Kontakt zwischen interessierten Ehrenamtlichen und gemeinnützigen Organisationen herstellt. Weitere Informationen zu den Gewinnern und ihren Texten finden Sie im Internet unter http://diegesellschafter.de/wendepunkte
Pressemitteilung zur ersten Lesung der Münchener Anthologie
Die Münchener Anthologie ist eine Textsammlung, die im Wege der Ausschreibung entstanden ist. Sie ist ein neues Literaturprojekt mit Autoren aus dem gesamten bayerischen Raum. Von nun an soll sie zu wechselnden Themen erscheinen, die jedes Jahr wieder neu ausgeschrieben werden. Das Motto der aktuell vorliegenden Ausgabe der Münchener Anthologie ist „Bissfest". Entstanden ist so ein vielseitiges Spektrum verschiedenster Geschichten, das von mörderischen Ehepaaren über Vampire bis hin zu nackten Pädagogen reicht.
Den Herausgebern Leon R. Preuss und Edith Huber war bei diesem Literaturprojekt das Hauptanliegen, Autoren aus München und Umgebung ein neues Forum zur Veröffentlichung und zur Lesung ihrer Texte zu bieten. Jetzt ist es endlich so weit und das kleine, aber feine Buch kann vorgestellt werden.
Am 31.05.08 um 19.00 Uhr findet in der artLounge in der Adalbertstraße 64 (Hinterhaus) in München die erste Lesung statt. Fast alle Autoren dieser Ausgabe werden sich einfinden und ihre Texte zum Besten geben.
Ich sehe oft dieses Bild von ihm, wie er da stand. Alleine der Anblick des Mannes, so groß, so klein, so aufrecht, so ängstlich! Er lässt mich noch immer erzittern. Und ich sehe es in seinen Augen. Er hat es gewusst. Immer vielleicht. Er schon. Ich nicht. Er wusste, dass ich scheitere, ich habe mir die Augen verbunden, um es nicht sehen zu müssen. Vielleicht. Oder vielleicht brauchen manche Dinge Vollendung. Vielleicht. Schön war ich und weinend vor Glück rannte ich ins Feuer, um mich mit Begeisterung brandzumarken. Tropfen auf den heißen Stein die salzigen Tränen. Und er so ohnmächtig mich begleitend, so hilflos und so ergriffen von Liebe und Schmerz, dass beide ihn fast zerquetschten, obwohl er ein echter Revolvermann ist. Immer wieder sehe ich dieses Bild und dazu brauche ich das Bild nicht auf Papier. Das Bild ist alles, was geblieben ist aus dieser Zeit.
K: Na gut. Darf ich dir den Zettel gleich bringen?
E: Ja, gern. (noch aufmunternderes Lächeln, Stift bereits gezückt)
K: Aber nur, wenn du jetzt Zeit hast.
E nickt.
K eilt in sein Zimmer, kommt mit Zettel zurück, fehlt nur noch E's Unterschrift. E will gerade ansetzten, da sagt K: Ähm, E, ich hab die Urlaubstage schon drei Mal gezählt, aber würdest du sie vielleicht noch mal überprüfen.
E: Na, wenn du aber doch schon drei Mal gezählt hast, dann sollte es doch passen.
K: Also lieber wäre mir schon, aber nur, wenn dir das jetzt keine größeren Umstände macht, wenn du noch mal zählen würdest!
E: Ähm, klar, mach ich. (E. lächelt immer noch strahlend, beginnt die Urlaubstage des K zu zählen) dann sagt sie: K, du hast dich verzählt, es ist ein Tag weniger.
K: Das kann doch nicht sein, ich hatte drei Mal gezählt.
E: Doooooch, iss so! (langsam kommt E dieses Gegrinse reichlich bescheuert vor, aber sie bleibt freundlich, die Mundwinkel nach oben gezogen.) K zählt nochmals die Urlaubstage. Er kommt auf sein bereits bekanntes und falsches Ergebnis. Daher sagt er: E., ich glaube, du hast dich vielleicht verzählt, denn ich hatte ja drei Mal gezählt und komme immer auf das gleiche Ergebnis. Also ich weiß jetzt auch nicht…
E: Ich hatte ein anderes Ergebnis als du raus.
K hat sofort einen Lösungsvorschlag: Ähm, E, was hältst du denn davon, wenn wir noch mal zusammen zählen würden?
E: Nickt und – richtig – lächelt (zumindest sieht es wie ein Lächeln aus).
K und E zählen. Jeder kommt auf sein altes Ergebnis.
Dies ist der Moment, wo E den lieben K auf den Feiertag in seiner Urlaubszeit hinweist. Hallloooo??? Ostermontag ist immer schon ein Feiertag, das ist nicht neu, das weiß man einfach!!!
K beginnt also, ausgerüstet mit neuem Wissen, begleitet von E's nettem Lächeln, ja, was wohl? Richtig, er zählt seine Urlaubstage noch mal durch – und: taaaatsächlich, es ist einer weniger als gedacht!
Das ist der Moment wo K der lieben, netten, klugen E die Hand reicht (kein Witz!) und sich gar überschwänglich bedankt.
Er sagt: E, herzlichen Dank! Du hast mir einen Urlaubstag geschenkt. Wow, das hätte ich jetzt nicht… also… ähm… danke!
E (mittlerweile ist der Lächelgesichtsausdruck ihr ins Gesicht gemeißelt, es wird sie Tage kosten bis sie wieder so böse kucken kann wie sonst): Klar, gerne. Kann ich jetzt unterschreiben?
K: Nein, erst muss ich die Anzahl der Urlaubstage ausbessern. Das ist schließlich ein Dokument und da ist es wichtig, dass alles stimmt. Sonst müsstest du mich ja einen Tag länger vertreten…. Hättest du eventuell nachher noch mal kurz Zeit? Ich will dann aber nicht stören, echt nicht… ich meine, ich käme dann zu dir ins Büro, aber nur, wenn es dir nichts ausmacht…
Ähm, nein, macht es mir nicht und die Urlaubsvertretung würde auch nicht länger dauern, denn K geht ja deshalb nicht länger in Urlaub, weil ein Tag seines Urlaubs Feiertag ist… aber ok. E tut, was sie am besten kann: lächeln. Ansonsten hält sie jetzt mal lieber den Mund.