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Blind Date
Mit gemischten Gefühlen und zittrigen Knien betritt sie die Hotel-Lobby, geht auf den Empfang zu, versucht gelassen und cool zu wirken, so als wäre es das Natürlichste der Welt, sich einen Schlüssel zu einem Zimmer aushändigen zu lassen. Niemand soll ihre Erregung und Aufregung bemerken. Niemand soll wissen, dass sie sich gleich in das Zimmer eines Mannes schleicht, den sie noch nie zuvor gesehen hatte, den sie noch nicht einmal richtig kannte. Zu einem Mann, der sie zwar mit seinen Worten verzauberte, aber ob er sie tatsächlich auch so meint, dass wusste sie nicht. Sie wusste auch nicht, was danach passieren würde, ob sie sich jemals wieder sehen würden, ob er es sie bereuen lässt oder ob es die wunderschönste und aufregendste Erfahrung ihres Lebens wird...
Wie selbstverständlich nimmt sie den Schlüssel mit einem Lächeln entgegen, geht in Richtung Aufzug und fährt bis zu der ihr genannten Etage. Das Herz schlägt ihr bis zum Hals. „Was tue ich hier? Auf was habe ich mich da eingelassen? Ich muss ja vollkommen den Verstand verloren haben!" Was würde sie erwarten? Wer würde sie erwarten? All das schoss ihr durch den Kopf. Scham und moralische Zweifel machten sich breit, denn sie wusste auch nicht, ob er es tatsächlich ist, der da auf sie wartet. Aber auch er wusste ja nicht, ob sie es tatsächlich ist, die zu ihm kommt. Sie hatten sich online kennen gelernt, hatten zwar Fotos ausgetauscht und wunderschöne Mails, hatten auch mal kurz telefoniert, waren sich sehr sympathisch, aber gesehen hatten sie sich noch nie. Beide waren sie sehr abenteuerlustig und risikofreudig und beide hatten genug von langweiligen Kennenlern-Kaffeetrinken-Dates im Einstein oder Starbucks oder beim Bierchen oder Cocktail in irgendwelchen stylischen, coolen Clubs oder Bars. Und so beschlossen sie, sich in einem dunklen Hotelzimmer zu treffen, ohne sich vorher gesehen zu haben.
Für sie hatten Hotelzimmer schon immer etwas Besonderes, etwas Magisches, Mystisches… Schon beim Betreten des Zimmers ist es, als würde man in eine andere Welt abtauchen. Als würde man sich einfach eine neue Identität überstreifen. Es ist aufregend, fremd und anonym und doch so sinnlich. Nichts Vertrautes erinnert an das eigene Leben. Alles scheint möglich. Alles scheint erlaubt...
Das Bett, mit unschuldiger weißer Bettwäsche bezogen, steht es doch so anstößig und provokant, so dominierend und so offensichtlich mitten im Raum. Bei seinem Anblick überkommt sie ein Schleier aus Sünde und Scham. Es erregt sie.
Ein Schreibtisch, scheinbar dafür gemacht, dass man sich auf ihm vergeht.
Der erotischste und intimste Ort: Das Bad. Pur und rein. Und eigentlich sollte es ein Raum sein, in dem man sich von den Gewöhnlichkeiten und den begangenen Sünden des Tages befreit und rein wäscht. Und doch beflügelt er die Fantasie der Menschen, hier Dinge zu tun, die alles andere als rein und pur sind...
Die Fahrt im Fahrstuhl kommt ihr vor, wie eine Ewigkeit und doch auch wieder nicht lange genug. Sie erreicht die Etage, verlässt den Aufzug, ist dankbar für den dicken Teppich im Flur, der ihre Schritte dämpft und jegliches Geräusch verschluckt, das sie in die Realität zurückholen könnte oder sie daran erinnert, dass sie das hier nicht tun sollte.
Dann steht sie vor seinem Zimmer, zögert ein letztes Mal, holt noch mal tief Luft und steckt dann mit zittrigen Fingern die Karte ins Schloss. Das kleine Licht wechselt von rot zu grün und dann öffnet sie ganz leise und vorsichtig die Tür.
Es ist dunkel. Ein herber Männerduft liegt in der Luft, zieht sie magisch in seinen Bann, betört ihre Sinne. Langsam gewöhnen sich ihre Augen an die Dunkelheit, lassen sie Umrisse des Bettes erkennen und eine Silhouette zwischen den gestärkten, weißen Laken, hört nur seinen Atem. Langsam zieht sie sich aus. Berauscht und wie betäubt geht sie zu ihm, kniet sich neben das Bett, schiebt ihre Hand unter die Decke. Sie spürt seine nackte Haut, seinen warmen Körper. Er stöhnt leise auf. Ihre Fingerspitzen gleiten fast schwerelos über seinen Rücken bis zu seinem Nacken. Seine Muskeln reagieren auf ihre Berührungen. Dann lässt sie sie zurück gleiten über seine Schultern, seinen Arm, seiner Hüfte, folgt seinem Bein bis zum Knöchel und wieder zurück. Sie kommt ihm näher. Legt sich zu ihm. Er spürt ihren heißen Atem auf seinem Rücken, ihre warme Zungenspitze, die sich langsam ihren Weg vom Steiß entlang seiner Wirbelsäule bis zum Nacken sucht. Er spürt ihre Brüste, die sich gegen seinen Rücken pressen, ihren Unterleib, der sich gegen seinen Po drückt, ihre Hand, wie sie über seine Hüfte nach vorn zu seinem Bauch gleitet, die ihn sanft an sich zieht. Er zuckt unter ihrer Berührung. Sie fühlt die weichen, kurzen Schamhaare und die Haare auf seinem Bauch und seiner Brust, lässt ihre Finger hindurch gleiten, findet seine Brustwarzen, lässt die flache Hand kaum spürbar darüber schweben, berührt sie nur mit den Fingerspitzen. Sein Atem wird schwerer, er möchte sich zu ihr umdrehen... „Nein – noch nicht!" flüstert sie ihm zu. Ihre Hand gleitet zurück über seinen Bauch, tiefer zu seinen Lenden. Ihr Handrücken streift nur sanft, wie ein Windhauch seine Männlichkeit. Er kann sich kaum noch beherrschen, streckt sich ihrer Hand entgegen, stöhnt... sein ganzer Körper bebt und zittert. Sie presst sich noch näher an ihn, schmiegt sich von hinten an seinen wunderschönen Körper, umschlingt ihn mit ihren Armen und Beinen, zieht ihn noch näher an sich. Auch sie kann es kaum noch aushalten. Ihrer beider Atem wird dominiert von der Lust und dem Verlangen, das in ihnen tobt.
Stunden der Ekstasen folgen, Höhenflüge, ein unglaublicher Rausch, der sie beide in seinen Bann zieht. Eine solche Intensität hatte sie vorher noch nie erlebt. Kein Gedanke mehr an die vorangegangen Zweifel. Plötzlich kam es ihr so banal, so unwichtig vor. Alle Moralvorstellungen hatten ihre Gültigkeit verloren. Das Einzige, was zählt, ist dieser einzigartige Augenblick, den es so nie wieder geben wird…
Sie beugt sich über ihn, lässt ihre Zunge mit seiner Brustwarze spielen, teast sie mit ihren Lippen und ihren Zähnen, lässt ihre Zunge über seinen Bauch tanzen, hält seine Hüfte in ihren Händen und liebkost seine Männlichkeit. Sein Atmen und Stöhnen wird immer tiefer und lauter, er kann es kaum noch aushalten. Er hält ihr Gesicht in seinen Händen, zieht sie vorsichtig zu sich rauf, verschlingt sie mit tiefen, heißen Küssen, dreht sie auf den Rücken. Jetzt schwebt er über ihr. Männlich. Gewaltig. Sein Mund und seine Zunge tanzen auf ihrem Körper, gleiten über ihren Hals, ihren schutzlosen Kehlkopf, den sie ihm willenlos entgegenstreckt, entlang des Brustbeins zu ihren Brüsten, über ihren Bauch, zwischen ihre Beine, teasend, lockend. Sie streckt sich ihm entgegen, will mehr, will alles. Dann lässt er von ihr ab. Halb wahnsinnig und wie von Sinnen bettelt und fleht sie ihn an: „Mach weiter, bitte... Hör nicht auf! Ich will mehr, viel mehr!" Doch er schaut sie nur an, genießt es sie so zu sehen. Schutzlos, machtlos, hilflos, ihm ausgeliefert. Und dann spürt sie wieder seine Zunge zwischen ihren Schenkeln. Er will sie hören, er will sie schmecken und er will sie spüren, ihre Lust, ihre Ekstasen, ihre Leidenschaft... er schenkt ihr, was sie braucht und was sie will, führt sie immer höher und höher... Und sie nimmt es sich und genießt es. Sie hält seinen Kopf zwischen ihren Händen, presst ihn noch fester in ihren Schoß, streckt sich ihm entgegen. Er setzt unglaubliche Kräfte in ihr frei, führt sie zu unendlichen Ekstasen. Dann endlich die Vereinigung. Ihre Körper beben, schreien vor Lust und Verlangen, bäumen sich in einem unglaublichen Rausch der Sinne ein letztes Mal auf... lassen ihre Körper verschmelzen zu einer Einheit... Die Welt versinkt, existiert nicht mehr...Und für einen kurzen Augenblick gibt es nur sie und ihn.
Dann ist es still. Keiner sagt ein Wort. Sie liegen einfach nur da. Eng umschlungen. Erschöpft. Fast regungslos. Keiner von beiden will den Augenblick zerstören. Noch nicht. Denn beide stellen sich dieselbe Frage und haben Angst vor der Antwort...
Nach einer ganzen Weile hört sie ihn mit zittriger Stimme flüstern: „Bist du es?" Und mit einem Lächeln antwortet sie: „Ja, ich bin's".
08:56
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