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Wednesday, August 22, 2007
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Fertig, Hass!
Liebe Fertig, Los! Hasserin, wir haben deine Post erhalten! Dass du diesen aus der Mode geratenen Weg der Nachrichtenübermittlung gewählt hast, liegt wohl an der liebevoll zerbrochen CD, die du beigefügt hast. Die Songzitate sind ohne Zweifel nicht minder überzeugend. Ist es dünnes Eis, auf dem du wandelst? Ist es gefährlich, Zitate so willkürlich zu kombinieren? Auch auf dem Korrekturrand meiner Schulaufsätze stand oft: Zitat unpassend! Einen Pluspunkt allerdings für die zerbrochene CD. Ich sehe sie als Sinnbild für die Träume. Gute Idee! (und vielen Dank für ein weiteres verkauftes Fertig, Los!-Album) Schön ist auch die Kombination der beiden Bands, derer Lyrik du dich bedienst. Wir haben eine Gemeinsamkeit: Auch ich besitze die Alben beider Bands. Da wir zu diesen Bands auch persönlichen Kontakt haben, werde ich ihnen mal deine Botschaft zeigen, mit der Bitte, mir zu scheiben, ob sie sich angemessen zitiert finden.
Deine Julia

05:47
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Saturday, August 18, 2007
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So nett ist Hansi Hinterseer:
Ich kenne Hansi leider nicht so gut, wie viele vielleicht jetzt meinen, aber ich hab ihm immerhin schon die Hand gegeben und ein Foto mit ihm gemacht. Ich dachte halt immer, wenn man Schlagerstar ist und von allen geliebt wird, dann liegen die Nerven manchmal blank. Aber nicht beim Hansi, den die ein oder andere Oma (und auch ihr Ehemann) als Din A3 Druck auf der Brust durch den Fernsehgarten trägt. Der Hansi ist so nett, der hat mir auch geduldig zugehört, als ich ihm von unserer kleinen Band erzählt hab und dann hat er uns noch ganz viel Erfolg gewünscht. Seien wir ehrlich; wir tragen alle einen Großdruck von Hansi direkt in unserem Herzen!
05:45
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Friday, August 17, 2007
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Schöne Fernsehgartenwelt
Es gibt wohl kaum eine Sendung im deutschen Fernsehen, in der erst Marianne & Michael und dann die Erdmöbel auftreten. Ein riesiges Gelände, nur aufgebaut um das "Who is Who" der Schlagerszene mit tausenden Schlagerfans - durchaus gehobeneren Alters - kollidieren zu lassen. Da gibt es die Poolbühne mit griechischem Dörfchen außenrum und die Gartenbühne mit einem immensen Stahlgerüst überdacht. Ich - ohnehin Trashaffin - konditioniert durch David Hasselhoff alias Michael Knight fühlte mich gleich ein wenig wie dieser . Ein bisschen Fremd ein bisschen lonely aber doch fasziniert von den Größen des Schlagers umzingelt zu sein. So klatschte ich auch eifrig mit, als Hansi Hinterseer die Treppe hinunterschritt, einen beständig vor sich hin murmelnden Raphael im Ohr - "Ich lächle - aber ich klatsche nicht mit - nein - ich lächle nett, dass reicht aber - ich klatsche NICHT mit" Eine Stunde später standen wir dann selbst - ich: ausgestattet mit 2 Tonnen Make-Up im Gesicht und einem Foto mit meinem Jugendstar "H.P." (ja, auch vom Hansi hab ich ein Foto) - auf der legendären Gartenbühne. Wir "spielten" unsere Single vor, die Zuschauer klatschten im Takt, wir gingen von der Bühne (schnell), quetschten uns durch die Menge, waren enttäuscht über das Ergebnis des Bandwettbewerbs und dann jubelte ich noch Scooter zu während die charismatische Kiwi die Show für beendet erklärte. Langsam spürte ich wie aus David Hasselhoff wieder Philipp wurde und aus H.P. wieder Hans Peter und aus Griechenland wieder Mainz.
Philipp
05:44
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Thursday, August 09, 2007
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Was ist los mit Fertig, Los!?
Die Lokalbevölkerung wundert sich, warum der Mond so unglaublich hell vom Himmel strahlt. Es wird von einem Angriff galaktischer Kräfte ausgegangen. Die Bundesregierung hat einen Krisenstab einberufen, der die Bevölkerung davor warnt, frisch rasierte Körperteile der direkten Mondeinstrahlung auszusetzen. Astronomen der Sternwarte am Galileiplatz, die aus nächster Nähe berichten, behaupten hingegen, dass die erhöhte Einstrahlung durch eine Reflexion von der Erde hervorgerufen werde. Den Ausgangspunkt könne man nicht genau lokalisieren. Auf den völlig überbelichteten Überwachungskameraaufzeichnungen seien aber eindeutig vier junge Menschen, mit ihren weißen Sektengewändern, als Ursache des Naturschauspiels zu erkennen. Das Verhalten dieser Personen ist äußerst befremdlich, da sie wie in Trance zu einer sich unendlich wiederholenden Melodie tanzen. Bereits vor dem Eintreffen der ersten Sonderkommandos flüchtete die Gruppe in die Münchner Innenstadt, wo der Rädelsführer, der sich vor allem durch seine Körpergröße von den anderen abhebt, derzeit unschuldige Passantinnen belästigt. Die Polizei hat die Fahndung aufgenommen. Dass ein terroristisches Motiv vorliegt, kann zum Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Soweit die Meldungen.
05:43
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Tuesday, July 03, 2007
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Der Lobpreis von Radio GALAXY
Liebes Tagebuch, wir gewinnen soeben uneren ersten holden Preis! Den himmlischen "Galaxy" Award. Er wird vom Funkwellenbetreiber Radio "Galaxy" jede Sonnenwend an den holdesten Musikus auf Gottes grüner Erde verliehen. Es traf die Wahl auf die Jünglinge der Gitarrenkapelle "Hurtig, Auf, Auf!" dei zu jenem Zeitpunkt in der Burg zu Nürnberg geladen sind den güldenen Lobpreis für ihre vollbrachten Taten entgegen zu nehmen und auf ihren Schlachtrössern ins herrschaftliche Munnichen zu überführen. Derweil warten die Musikanten auf die Überreichung der Trophäe in einer herrschaftlich eingerichteten Folterkammer und erwärmen ihre Herzen im schimmer der wohligen Torfkerzen bei einem Glas frischgepresstem Honigmet, der ihnen in Rindshörnern zu Munde getragen wurde. Auch die eiserne Jungfrau wurde zu einem entzückenden Obstbuffet umfunktioniert.
Es grüße aus seiner glänzenden Rüstung heraus mit geschwellter Brust, Philipp von Löwenherz
05:41
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Thursday, March 22, 2007
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Das Massaker von Köln-Ostheim
Liebes Tagebuch, heute habe ich geblutet. Für die Musik. Meine Wunde wird heilen, der Hass auf Köln-Ostheim wird bleiben. Alles begann in Bonn. Der Himmel glühte rot. Er kündete Unheil an. Nach dem Zähneputzen trank ich Tee. Er schmeckte bitter. Unheil kündete sich an. Auf dem Weg zum Berthold Brecht Gymnasium stieg ich in einen Haufen Hundescheiße. Das Unheil kündet sich an. Wir haben keinen LKW dabei in Bonn. Schneestürme vereitelten die planmäßige Ankunft. Die Enttäuschung in den Augen unserer Lehrerin ist nicht zu übersehen, doch wir bieten an, ein Akustikset zu spielen. Ich habe ja schon viele Schulen gesehen - allein diese Woche – und das ist eine gute Schule. Voll ausgestattet mit allem, was das Musikantenherz begehrt. Also jetzt natürlich nicht das hochkomplizierte High-End Equipment, mit dem wir auffahren, aber solide allemal! Wir schleppen einen Bassverstärker (+Bass), eine Gitarre und eine Schelle in die immense Aula – ich nenne sie im folgenden Monsteraula. Die Monsteraula füllt sich mit Schülern aller Altersstufen. Während ich noch gar nicht da bin werden wir angekündigt. Flo ruft an, wo bin ich? Alle warten. Raphi, Julia und Flo sind bereits auf der Bühne. Ich bringe das Basskabel, das kein Mensch mehr braucht und wir spielen „Das bleibt hier". Die Atmosphäre ist überwältigend in der Monsteraula. Wir werden sehr warmherzig aufgenommen und wünschen uns, wir wären auch auf so einer Schule gewesen. Zwei Zugaben später sind alle heiser vom „Ein Geheimnis" rufen und wildgewordene 5.-8. Klässler stürmen die Bühne, überrennen unsere Gitarren, drängen uns an die Wand und lassen uns nicht frei, bis wir jedem einzelnen ein Autogramm auf Hand, CD, Mäppchen oder Schreibblock gegeben haben. Wir fahren nach Köln. Das wird das letzte Schulkonzert unserer NRW Tour. Wir sind gespannt. Die Abiturklasse möchte die „Kleinen" mit dem Konzert überraschen und um halb zwölf in den Pausenhof entführen. Die Abiturienten rollen pünktlich um viertel nach elf mit ihren Proll- bis Papaautos im Pausenhof an sie hupen, spritzen mit Wasserpistolen und trinken Bier. Dann hupen sie wieder. Unheil kündet sich an. Nachdem die Abiturienten sich mit Techno eingeheizt haben betreten wir zum letzten Mal unsere schöne Bühne. Das Zitronenmobil steht daneben und lächelt uns von der Seite an, als wolle es sagen: Hallo ich bin das Zitronenmobil! Leo steht da und nickt uns zu. Frank faltet die Hände. Sven schiebt die Regler hoch. Ich schaue zu Julia und Raphi, ich nicke Flo zu. Er zählt ein. Die Musik macht, dass die Abiturienten tanzen. Sie tanzen wild und laut. Die Pferde scheuen und die Vögel fliegen auf. Auch die 5. Klässler treten einen Schritt zurück. Der Jubel ist laut und euphorisch. Aber eine Taube fliegt Richtung Westen. Unheil kündet sich an. Im Refrain des zweiten Liedes werde ich getroffen. Das Arschlochkind ist wieder da. Ich bemerke, dass ich am Hals blute. Eine zerbrochene CD hat sich in mein Kinn gegraben. Ich spiele weiter, als wäre nichts passiert. Aber die Wunde brennt. Ich bitte das Publikum keine CDs mehr auf die Bühne zu werfen, sonst brechen wir ab. Beim letzten Lied fliegt dann ein Ball auf die Bühne. Außerdem fängt das Arschlochkind eine Schlägerei an. Den meisten tut es leid. Sie sind beschämt und entschuldigen sich für ihre Schule. Sie haben allen Grund. Naja und so ein kleiner Kratzer, der ist in einer Woche weg. In drei Stunden kommen wir in München an. Der blauweiße Himmel weist uns den Weg. Das Zitronenauto verschwindet am Horizont und der Horizont verschwindet am Ende auch.
Philipp
05:39
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Das Arschlochkind Returns
Liebes Tagebuch, unser Hotel ist direkt gegenüber eines Wellenbades! Noch gestern, nach zehntausend Stunden Autofahrt stürmten wir das SaLü und hatten noch eine Stunde Zeit, die Wasserrutsche und die 50 verschiedenen Becken auszuchecken. Zusammen mit dem raffgierigen Raffel Rafffzahn führte mich meine Expedition durch die Tropen, auf der Suche nach dem mysteriösen „Schatz". Wir entdeckten ihn im vollgepissten Kinderbecken, nachdem wir in einem Flugzeugwrack hinter dem Wasserfall die entscheidenden Hinweise fanden. Tags darauf, also heute: Regen. Wo man hinsieht: Regen. Wir befinden uns in Lüneburg. Auf dem Schulhof einer Schule. Dem Schulzentrum Kaltenmoor. Und wir frieren. Dem Kleidungsstil zufolge glauben wir, dass an dieser Schule der Hiphop regiert. Und wir haben auch gar nicht vor ihn vom Thron zu stoßen, denn ich bin selbst großer Fan der Rapmusik und kann u.a. viele Sabrina Setlur Texte immer noch auswendig. Zu meinem Repertoire zähle ich jedoch auch den meiner Meinung nach besten Rap, der jemals gerappt wurde, nämlich den Part von Samy Deluxe auf dem „Absolute Beginner"-Hit „Füchse". „Mein Treibstoff ist Cannabis Sativa denn ich Rap high lieber usw..." Also: wir stehen da. Auf der Bühne. Vor uns ein Menschenmeer und vor mir – ihr erinnert euch an Osnabrück? – schon wieder so ein 9 Jähriges Arschlochkind. Zeigt mir den Mittelfinger, wirft mit CDs als wären wir bei der Frisbeemeisterschaft, schlägert sich mit allen, die ihm nicht zuschauen...Und Arschlochkind: keiner hat dir zugesehen. Ich schon. Aber da waren noch 599 weitere Schüler und ich möchte ja keinem zu nahe treten, aber ihr wart so was von lieb! Also jetzt für die Jungs: Lieb mein ich jetzt so im harten Jungs Style und nicht so schwul lieb, sondern so checkermäßig lieb. Wie ihr bei „Sie ist in mich verliebt" mitgesungen habt. Ihr habt es erkannt FIFA 07! Nicht wahr? Die beiden Plektren die ich geschenkt bekam, werde ich morgen auf den Konzerten benutzen. Was für ein Glück! Meine sind mir soeben ausgegangen. Nach dem Auftritt fahren wir zum Karstadt am Marktplatz, wo wir vom äußerst netten Erich erwartet werden. Ihm gehört der Karstadt. Und für uns brechen paradiesische Zeiten an, denn wir dürfen uns aus dem Restaurant im obersten Stockwerk alles nehmen was wir wollen. Wir langen zu. Das ist das erste Mittagessen seit vier Tagen. Ich hatte: ganz viel. Und zum Nachtisch: noch mehr. Nur dann – wir stehen unten auf dem Platz – lässt uns der allmächtige Bill wieder im Stich. Es geschieht ihm recht, dass sein Album „nur" noch auf Platz vier der Charts steht. Ich wünsche ihm, dass es gar auf den 5. Platz fällt. Nächste Woche. Vom Himmel fällt ein Regen herab, wie er wohl als Vorlage für so manche apokalyptische Bibelstelle diente. Wir warten. Währenddessen gehe ich in die CD Abteilung des Karstadt. Unser Album läuft als Hintergrundbeschallung und die Kassiererin erklärt einem neugiereigen Kunden, dass Fertig, Los! heute sogar auf dem Marktplatz spielen. Ich fühle mich peinlich berührt und kaufe schnell die neue Nelly Furtado CD. Dann gehe ich durch die Lüneburger Altstadt, mit der Nelly im Ohr. Fälschlicherweise habe ich das Rathaus gedisst. Ich habe vor versammelter Lüneburger Schülerschaft angeprangert, dass es ganz komisch aussieht. Dabei bin ich das Opfer wildfremder Informationen. Die Häuser drumherum jedoch, die sehen mal merkwürdig aus. Haben geblähte Bäuche, als müssten sie gleich Furzen. Wir beschließen, im Mai noch mal nach Lüneburg zu kommen und wenn Bill uns kein gutes Wetter macht, dann gibt's aber mal einen Satz heiße Ohren!
Philipp
05:36
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Wednesday, March 21, 2007
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Schönheit vs. Betrachter
Liebes Tagebuch, der heutige Tag führte uns durch die Ruhrpottmetropolen Bochum und Essen. Erst Bochum dann Essen. Als wir an der Schule am Ostring ankamen wurden wir Opfer eines Deja Vus. Adiletten, Alditüten, prolliges Verhalten. Sind wir in einer Zeitschleife gefangen? Nein, Blödsinn! Die Prolls wurden nicht müde uns zu beteuern, dass das alles nur ein lustiger Scherz sei. Das haben die Dormägen glaubwürdiger hingekriegt. Mittlerweile bauen wir die Bühne mit dem kleinen Finger auf und machen nebenbei noch die Hausaufgaben für die 5. Klässler. In etwa einer halben Stunde steht das Monstrum explosionsbereit auf dem unschuldigen Bochumer Pausenhof. Wir betreten die Bühne und...was soll man sagen? Bla bla bla... Show gerockt... Jubel... Kreischerei... Wahnsinn... tausend Autogramme verteilt... das übliche halt. Und ein bezaubernd hübsches Mädchen im Publikum. Dann sind wir in Essen. Verwirrung herrscht. Die Organisation ist unorganisiert. Der Hausmeister des Gymnasiums glaubt, dass um 13 Uhr aus ist, also spielen wir um 13 Uhr. Um 13:05 Uhr meldet sich der Direktor per Durchsage: Schule wäre ja erst um 13:30 aus, aber jetzt spielt die Band schon...geht in den Pausenhof. So füllen sich die unendlichen weiten des Pausenhofs – man glaubt derweil, Essen bestünde nur aus diesem Hof – spärlich mit Schülern. Viele gehen vorbei, manche bleiben stehen. Naja, wir würden auch vor 5 Leuten spielen, also haben wir wenige Probleme damit, auch in schwierigen Situationen, aktuellen Umständen entsprechend, Zielgerichtet zu agieren. Ich drehe meinen Verstärker auf. Und wir spielen. Und die Leute bleiben stehen. Und die Leute gucken. Und wir spielen. Und die Grüppchen wachsen zusammen. Und die Gruppe klatscht. Und wir sagen: Letztes Lied. Und die Menge sagt: Nein. Und wir spielen weiter. Und wir sagen immer: Letztes Lied und die Masse sagt immer noch: Nein. Am Ende spielen wir eine Stunde und unser heißgeliebtes Essener Publikum singt so laut mit, wie ein Orkan. Julia sagt, das rotblonde Mädchen, das in Essen im Publikum stand, war noch viel hübscher. Aber ich glaube ihr kein Wort.
Philipp
05:34
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Tuesday, March 20, 2007
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Bill und der Regen
Liebes Tagebuch, ich habe schlecht geschlafen. Das Schleppen von Bühnenteilen hat meinem zarten Rücken nicht gut getan und eine schmerzfreie Schlafposition zu finden hat ewig gedauert.
Heute spielen wir zu früher Stunde im St. Anna Gymnasium in Wuppertal. Mies gelaunt nach sechs Stunden Schlaf stehen wir mit unserem gelben Zitronenauto vor den verschlossenen, wolkenverhangenen Toren der Schule. Den LKW mit Bühne haben wir schon Tags zuvor im Schulhof abgestellt.
Es bleibt uns nichts anderes übrig als über den Zaun zu klettern, denn: in einer dreiviertel Stunde ist Pause. Im Hof werden wir jedoch bereits erwartet. Mit Zitronenkuchen, passend zum Bus. Eine zehnte Klasse wurde unserem Oberbefehl unterstellt und wir bauen das Bühnenmonster in Rekordtempo auf.
So schaffen wir es dramatikfrei und auf die Minute, unverletzt, coffeiniert und laut die Bühne zu stürmen. Das Publikum scheint bereits von unserem Balanceakt über die wackelige Treppe angetan zu sein. Dann geschieht das Wunder: Ich zitiere die neue Tokiohotel Single (Achtung, fertig, los und lauf...) und als hätte ich den Messias beschworen, bricht in dieser Sekunde der Himmel auf und goldene Sonnenstrahlen fächern sich durch die Wolkendecke. Danke Bill! Wir beenden das Konzert mit einem fulminanten Luftsprung unsererseits, der geschickt von dem lauten Gejubel der Schülerschaft pariert wird, um anschließend noch auf der Bühnenleiter von einer Horde 5. Klässler umgerannt zu werden. Raphael ist völlig hilflos an den LKW gepresst, die Anhängerkupplung bohrt sich in sein Kreuz. Doch es geht ihm gut. Er hat es überlebt.
Wir schreiben Autogramme. Erst schreibe ich: Philipp. Dann: Phil. Am Ende schreibe ich Phi und erreiche den Höhepunkt meiner Schriebgeschwindigkeit kurz vor zehn Uhr. Bei Gelegenheit werde ich die fehlenden Buchstaben hinzufügen.
Den ganzen Tag werden wir von Würfelzucker TV begleitet, sie haben das Konzert gefilmt und fahren soeben mit uns im Bus Richtung Dormagen. Neben viel Interview führen wir auch ausgedehnte Checkergespräche über Gitarrenverstärker und Effektpedale. Am Ende bremst der Bus vor einer Festungsanlage, einem monströsen Komplex, einem Schulzentrum. Die Schüler haben keine Schultaschen, sie tragen ihre Hefte in Alditüten umher. Sie haben auch keine richtigen Schuhe. Sie wurden in Adiletten zur Schule geschickt. Ein stark alkoholisierter Jugendlicher schwankt auf uns zu. Mit seiner Bierfahne lallt er uns ins Gesicht, der Direktor habe ihnen verboten in der Schule zu schlafen. Er tut uns leid. Wir sagen ihm es gibt heute ein Konzert hier. Er sagt, er scheiße auf das Konzert. Er will in der Schule schlafen. Der Junge scheint verzweifelt zu sein. Drei Mädchen erblicken die Kameras. Sie fangen an zu kreischen. Sie glauben, sie kommen auf RTL. Ein weiteres Grüppchen schart sich um das Würfelzucker Team, während zwei Jungs sich die Trainingshose in die Sportsocken stecken. Sie wollen wissen ob wir Hiphop machen, so wie Eko Fresh. Wir bejahen. Jetzt wollen sie Autogramme. Ich überlege ob ich mir auch die Cordhose in die Socken stecken soll. Völkerverständigung.
Just in diesem Moment prallen mehrere Eisgeschosse nur Knapp neben unseren Köpfen ein und hinterlassen einen leeren Schulhof. Es hagelt. Dann Regen. Innerhalb kürzester Zeit steht der Schulhof unter Wasser. Ich bete zu Bill, er soll Sonne schicken. Doch für Dormagen kommt jede Hilfe zu spät. Unser Techniker entscheidet: Wir müssen das Konzert absagen. Bei so einem Wetter mit Starkstrom zu hantieren wäre lebensgefährlich.
Nach einer dreiviertel Stunde legt sich das Unwetter. Es bleiben ein paar Menschen zurück. Unter ihnen bekannte Gesichter. Vier Mädchen aus Grefrath haben sich auf den weiten Weg gemacht um uns hier spielen zu sehen. Wir sind gerührt, wir beschenken sie, wir spielen unplugged im Pausenhof, sie sollen nicht umsonst gekommen sein. Dann steigen wir in unseren Zitronenbus und fahren in den Sonnenuntergang.
05:30
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Monday, March 19, 2007
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The Rise of the Arschlochkind
Liebes Tagebuch, heute war der erste Tag unserer Schultour durch „NRW". Ich setze Nordrheinwestfalen bewusst in Gänsefüßchen, da Osnabrück in Niedersachsen liegt und trotzdem von uns bespielt wurde. Nach einer kurzen Nacht (denn wir spielten am Sonntag auf der CeBit – ich gewann ein Microsoft T-Shirt – Yeah.) standen wir mit unserem Zitronenbus auf dem riesigen Schulhof des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums. Auf unserer Tour begleiten uns: Ein fetter LKW mit Bühne, ein kleines schwarzes Auto und dazu: Unser Mischer Sven, der Busfahrer Leo und der Promoter Frank. Das blöde: erstmal hatte keiner eine Ahnung wie wir diesen Bus aufbauen sollten. War auch das erste Mal, dass wir – die Fertigen – vor diese Aufgabe gestellt wurden. Die Zeit verflog. Wir sollten um 9.20 Uhr spielen. Dann ist Pause und eine Horde Kinder/Jugendlicher/Erwachsener würde den Schulhof belagern. Nun besteht diese Bühne aus tonnenschweren Bauteilen, die erstmal gehoben werden müssen. Wir packen an. So kommt es dass wir Vier, nachdem Frank beinahe von einem Träger erschlagen worden wäre und Flo sich beim retten die linke Hand geprellt hat dann doch sichtlich gestresst, aber irgendwie in uns selbst ruhend, um zwanzig nach neun die Bühne betreten und mit unseren Gitarrenwänden den Platz fegen. Ein kleiner Junge (ca. 5. Klasse) steht direkt vor mir. Er zeigt mir seinen Mittelfinger. Er ist sichtlich unentspannt weil hier kein Westcoast läuft. Er grinst. Ich singe ein Lied, über die Unvereinbarkeit die manche Menschen „teilen". Ich singe nur für den Kleinen. Er zeigt mir seinen Finger. Er guckt zu seinen Freunden, will bemerkt werden. Er wird nicht bemerkt. Nur von mir. Seine Freunde schauen hoch zur Bühne. Ohne Finger. Der kleine Junge will bemerkt werden. Er zieht eine unserer Promo CDs aus der Hülle. Er zerbricht sie. Er zeigt mir die eine Hälfte. Er grinst. Seine Freunde bemerken ihn. Und sie hauen ihm eine rein. Ich bin wieder dabei! Die Finger frieren und werden taub, aber wir tauen alle gemeinsam auf. Die Schule jubelt, wir jubeln zurück. Ich frage, sie sagen. Und nach 20 Minuten verlassen wir sichtlich glücklich unsere LKW Bühne und mischen uns in die Menge. Nach hundert Kilometern fahrt kommen wir in Münster an. Mehrere Schüler stehen bereit um uns beim Bühnenaufbau zu helfen. Wahnsinn, denn: Der erste Aufbau dauerte zweieinhalb Stunden. Jetzt sind wir in einer fertig. Als wir in den Schulhof fahren blicken weißgekleidete engelsgleiche Wesen aus der Cafeteria. Wir glauben in einer schönen neuen Welt angekommen zu sein. Was ist das für ein Ort. Alle in weiß. Zu allem Überfluss fängt es zu schneien an. Wir lassen uns nicht irritieren. Um 13 Uhr stehen wir auf der Bühne. Die Sonne bricht durch und eine schier unüberschaubare Masse an Menschen macht sich auf dem Schulhof breit. Gitarrenwände. Und in der Menge: Die weißen Engel. Sie scheinen erfreut über die Musik. Sie hüpfen. Ob es auf ihrem Planeten auch Musik gibt? Die Menge vermengt sich zunehmend. Es wird gekreischt. Die Engel tanzen und auch die Erdbevölkerung steigt ein. Um zur Völkerverständigung beizutragen singen wir alle zusammen ein Lied. Alle rufen: Ein Geheimnis. „Münster" ist laut! Ich setze Münster ganz bewusst in Gänsefüßchen, da ich nicht sicher bin, ob das Schulzentrum vielleicht doch etwas außerhalb lag...
Philipp
05:27
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