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Julifeuer (Leseprobe "Shirkan verzaubert die Welt - The Magic of Shirkan")
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Julifeuer
Ich blickte hinauf.
Um mich ragten riesige Häuser bis an die Wolken.
Lärm drang aus allen Himmelsrichtungen: Sirenen heulten, Automobile brummten, Motoren lärmten.
Na, sehr viele Katzen werden hier sicherlich nicht wohnen bei diesem Krach! dachte ich.
Ich gelangte in eine der dunklen Seitenstrassen und der Lärm drang nur noch gedämpft an meine Katzenohren.
Mülltonnen und –berge säumten die Strasse.
Es roch äußerst unangenehm.
Aus einem Fenster tönte eine laute Männerstimme.
Ich schaute hinauf und sah ein Mädchen am Fenster sitzen.
„Hallo, Kater! Willst du mit mir spielen?" rief mir das Mädchen zu.
Zu allen Fenstern führte eine Eisentreppe hinauf.
Sehr gerne. antwortete ich und tigerte im Nu die Eisentreppe hinauf, bis ich an ihrem Fenster angelangt war.
Die lautstarke Männerstimme hörte ich nun noch lauter.
Das Mädchen war sehr hübsch mit blonden Locken und blauen Augen. Nur von Fell-Pflege hielt sie anscheinend nicht sehr viel, denn die Locken „umwirbelten" regelrecht ihren Kopf.
Wie ist Dein Name? fragte ich sie.
„Mein Name ist Sheila. Komm.., wir spielen Rugby!" sagte sie und ich staunte, denn sie war einer der wenigen Menschen, die auf Anhieb die Katzensprache verstanden.
Sie nahm einen kleinen Ball und warf ihn mir zu. Darin war ich geübt und fing den Ball mit beiden Vorderpfoten.
Sheila schrie vor Begeisterung auf und lachte.
Auf einmal wurde die Tür aufgerissen und ein Mann mit zerzaustem Fell-Haar und zerfetzten Kleidern schrie Sheila an: „Brüll hier nicht so herum!" Er ging auf sie zu und hob seinen Arm, um sie zu schlagen.
Guten Morgen, Mister! rief ich ihm zu, sprang blitzschnell auf seine Schulter und raunzte in sein Ohr: Was sie hier vorhaben, lassen sie gefälligst!
Der Mann schrie laut auf, drehte sich um und rannte aus dem Zimmer.
„Da ist eine sprechende Katze in Sheilas Zimmer!" schrie er vor Schreck.
Sheila schloss die Tür.
In der Zwischenzeit war ich mit einem Satz auf dem Bett gelandet und Sheila setzte sich neben mich.
„Das war umwerfend, Kater!" sagte sie begeistert.
Mein Name ist Shirkan, und von nun an bin ich dein Freund. Keiner wird dich wieder schlagen. teilte ich ihr mit.
„Weißt du, Shirkan, mit den Menschen kann ich nicht viel anfangen: Mein Vater schlägt mich, meine Mutter ist fast immer betrunken und mein Bruder „vollgenebelt". In der Schule ärgern mich alle, weil ich kaum etwas sage und deshalb keine guten Noten habe. Ich habe keine Freunde! Aber nun habe ich ja dich!" Sie nahm mich in ihre Arme und drückte ihr Gesicht an mein Fell.
Ich schnurrte ihr zu.
Die Tür wurde geöffnet und nun lernte ich Sheilas Mutter kennen.
„Dein Alter ist jetzt völlig auf Haschisch. Will einen sprechenden Kater bei dir gesehen haben."
Ich hatte mich unsichtbar gemacht und spielte mein Spiel mit Sheilas Eltern.
„Bei mir ist kein Kater!" erwiderte Sheila genervt.
„Dann ist’s ja gut. Ein weiteres Mistvieh, was uns das Essen wegfrisst wie der Köter von deinem Bruder können wir nicht gebrauchen! Hast du gehört?" schrie die Mutter in aggresivem Ton und ging wieder.
Ein primitiver Frauen-Mensch. dachte ich. Die arme Sheila!
„Weißt du Shirkan, meine Eltern haben es nicht so leicht. Mein Vater hat gesagt, er hat dieses AIDS-Virus und mein Bruder auch. Nur meine Mutter und ich nicht. Deshalb kann er auch nicht mehr arbeiten und mein Bruder und er „benebeln" sich, damit sie das alles nicht mitkriegen. Ständig schreit Papa herum, wenn er nicht mehr „benebelt" ist und schlägt Mama und mich. Deshalb darf ich nur aus dem Zimmer, wenn ich zur Schule gehe oder wenn Papa sich „Stoff besorgt"." berichtete mir Sheila traurig.
Wie .... du darfst nicht zum Spielen rausgehen? fragte ich.
„Eigentlich nicht. Manchmal schleiche ich mich aber davon, um mit den Mülltonnen-Katzen zu spielen. Ich liebe alle Katzen!" antwortete sie.
Dann schrie Sheilas Mutter aus dem Nebenzimmer.
„Sheila! Komm’ rüber! Essen. Der Alte ist weg."
Sheila folgte dem Befehl ihrer Mutter, sagte „Bis gleich!" und schloss die Tür hinter sich.
Ich machte mich unsichtbar und folgte ihr.
Sheila nahm am Esstisch platz, auf dem etliche leere Bierflaschen, volle Aschenbecher und diverse andere Futtermittel für Menschen standen. Ich nahm auf einem Stuhl platz.
Sheilas Mutter hatte eine Kartoffelsuppe aus der Dose erwärmt, wie sie berichtete. Sie redete unentwegt in nun freundlichem Ton, streichelte Sheilas Wange und ein Hauch von einem Lächeln überzog ihr vom Menschenleben gezeichnetes, ungepflegtes Gesicht.
„Schmeckt’s?" fragte sie.
„Mhhh. Ja." antwortete Sheila und löffelte weiter in der Suppe.
„Bis die Beiden wieder zurück sind, darfst du fernsehen gucken." sagte Sheilas Mutter nach dem Essen.
Sheila sprang auf und drückte einen Knopf am Fernsehgerät. Schon erschien ein buntes Bild.
„Toll! Meine Lieblingssendung!" rief sie aus.
Sheilas Mutter zündete sich derweil eine Zigarette nach der anderen an und trank parallel dazu eine Flasche Bier nach der anderen.
Langsam ging mir die Luft aus und ich öffnete über meine Sehkraft die Fenster, um zu lüften.
Sheilas Mutter wurde blass, die Zigarette fiel ihr aus dem Mund und landete auf dem Tisch. Sie schüttelte den Kopf, schloss die Augen und fing an zu lallen.
„Vielleicht sollte ich doch weniger trinken!"
Als es dämmerte wurde die Eingangstür aufgeschlossen und Sheilas Vater und Bruder in Begleitung eines äußerst gefährlich aussehenden Hundes betraten die Wohnung.
Der Hund roch meine Anwesenheit sofort und knurrte.
„Aus!" schrie der Bruder den Hund an.
„Wir haben Stoff allererster Sahne! Auf geht’s. Sheila: Ab in dein Zimmer und schlafen!" befahl Sheilas Vater.
Sheilas Bruder packte ein weißes Päckchen aus der Tasche und warf es auf den Tisch.
Der Vater griff zu einem Messer, schnitt das Päckchen auf und probierte mit einem Finger von dem „Stoff".
Es war dunkel geworden.
Sheilas Mutter stand auf und schwankte zu einem Schrank, nahm eine dicke Kerze heraus und zündete sie an. Dann stellte sie diese auf den Tisch.
Die beiden Männer schnieften inzwischen den „Stoff" und lehnten sich zurück, um die einsetzende Wirkung zu erwarten.
„Wir gehen ‚rüber, da ist es gemütlicher auf dem Sofa. Die Kleine soll noch aufräumen bevor sie einschläft, hier stinkt’s!" murmelte Sheilas Vater plötzlich und ging mit Sheilas Bruder in das Nebenzimmer.
„Sheila, räum’ hier noch auf, wir müssen uns entspannen." lallte die Mutter noch völlig betrunken und folgte den Männern.
Ich machte mich wieder sichtbar.
Sheila kam aus ihrem Zimmer und wollte mit dem Aufräumen beginnen.
„Meine arme, kleine Sheila." flüsterte ich in ihr Ohr. „Pass auf, ich erfülle dir jetzt einen Wunsch."
Ich hatte in ihren Gedanken gelesen, dass sie nicht aufräumen wollte.
„Schließ bitte deine Augen und wünsche dir etwas." sagte ich.
Sheila folgte brav meiner Anweisung.
Zwischenzeitlich ließ ich meinen überkatzennatürlichen Kräften freien Lauf und im Nu war die Küche aufgeräumt und blitzblank.
„Du kannst deine Augen wieder öffnen." befahl ich ihr.
Sie blinzelte und öffnete ganz langsam ihre Augen. Ein breites Lachen zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab und ihre blauen Augen funkelten vor Überraschung.
„Wau, Shirkan! S o schnell hast du aufgeräumt? Das ist ja toll! Kannst du mir das beibringen? Danke schön!" stammelte sie aufgeregt.
„Leider nicht. Aber ich stehe jederzeit zu deiner Verfügung." antwortete ich ihr.
Sie sprang auf mich zu und umarmte mich.
„Danke! Danke! Danke!" rief sie.
„Aber nun ist es Zeit zum Schlafen, kleine Lady!" sagte ich und ging voraus in Sheilas Zimmer, um es mir auf ihrem Bett gemütlich zu machen.
Mit einem Satz war Sheila an meine Seite gesprungen und schmiegte sich an mich.
Schließlich fielen wir gemeinsam in den Schlaf.
Schlagartig wurde ich durch Qualm, der durch die Türritzen drang, geweckt.
Und ich spürte die immense Hitze, die in der Küche herrschte. Es brannte! Und der einzige Zugang zur Wohnung führte durch die Tür zur Küche!
Durch die Tür sah ich, das Sheilas Familie nicht mehr zu helfen war.
Schnell versuchte ich Sheila zu wecken, aber der Qualm war bereits so stark, dass sie unmächtig geworden war.
Wie konnte mir das nur passieren? ärgerte ich mich.
Der einzige Fluchtweg führte nur noch durch das Fenster über die Feuerleiter.
Ich öffnete das Fenster, hörte schreiende Menschen und sah blinkende, rote Lichter.
Blitzschnell sammelte ich meine überkatzennatürlichen Kräfte und hob die ohnmächtige Sheila in die Luft, um sie über meinen Schultern hinauszutragen. Gemeinsam flogen wir durch das Fenster hinaus und landeten auf dem Gelände des Nebenhauses.
Vorsichtig „schwebte" ich mit Sheila auf den Boden und legte sie ab.
Ich hörte die Sirenen der Menschen-Feuerwehr, die anrückte, um den Brand zu löschen und lief lautstark miauend auf die Strasse.
Ein Feuerwehr bemerkte mich, und ich konnte ihn davon überzeugen, mir zu folgen, um Sheila zu helfen. Sofort trug er Sheila zum Rettungswagen, wo sie behandelt wurde.
Eine Frau erkannte Sheila und rief: „Das ist die kleine Sheila von den Grocers, bei denen es brennt! Um Himmels Willen! Ist sie verletzt?"
„Sie hat eine Rauchvergiftung. Dieser riesige, schwarze Kater hat mich zu ihr geführt. " antwortete der Feuerwehrmann.
Ich wich nicht von Sheilas Seite, bis sie wieder zu sich kam.
Es dauerte lange, bis die Feuerwehr den Brand gelöscht und schließlich Sheilas Eltern und ihren Bruder fanden.
„Nun ist das kleine Mädchen ein Waisenkind." stellte der Feuerwehrmann fest und blickte die Frau an, die an Sheilas Seite im Rettungswagen saß.
„Ich habe eine Schwester auf dem Land, die sich schon lange Kinder wünscht und keine bekommen kann. Ich werde mich sofort mit ihr in Verbindung setzen – Sheila wäre bei ihr sehr gut aufgehoben; meine Schwester und ihr Mann haben auf dem Land eine Farm. Alle wussten über die schlimmen Familienverhältnisse der Grocers Bescheid. Die Jugendbehörde war einige Male zu Besuch." sagte die Frau.
Als Sheila die Augen geöffnet hatte, fragte sie sofort nach mir.
„Wo ist mein Shirkan?" – „Du meinst deinen Kater?" fragte der Doktor.
„Ja." antwortete Sheila.
„Er war die ganze Zeit an deiner Seite." fügte der Doktor hinzu. „Leider dürfen Katzen nicht in das Krankenhaus mitkommen. Also verabschiede dich für eine Weile von ihm."
„Ich werde mich um deinen Kater kümmern." sagte die Frau noch zu Sheila und die Tür des Rettungswagens wurde verschlossen.
Ich machte mich unsichtbar und schlich davon.
Amaunet, dieses Mal habe ich versagt! rief ich traurig in den Himmel.
Schon wurde es hell und Amaunet erschien.
Du hast nicht versagt, Shirkan.
Sheilas Eltern haben sich absichtlich dem Feuer ausgesetzt,
um ihren Leiden ein Ende zu bereiten.
In solchen Fällen kann die Kraft des verborgenen Reiches des Guten nicht helfen.
Sheila wird eine fröhliche Kindheit auf dem Land mit ihrer neuen Familie verleben.
Amaunet zeigte mit zum Trost die von saftigen Weiden umgebene Farm und eine fröhliche Sheila, die auf einem Shetland-Pony ritt und sichtlich zufrieden war.
Dann verschwand sie wieder samt dem hellen Licht.
Beruhigt machte mich auf den Weg zu meiner nächsten Mission.
2008 Copyright Evelyn von Warnitz
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7:21 AM
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