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07/10/06
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Monday, September 29, 2008
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Das Mittagessensproblem
Eigentlich mag ich meine Arbeit ganz gerne. Wenn nur die Mittagspausen nicht wären. Nichts gegen Döner, aber wie oft in der Woche kann man Döner essen? Viermal hab ich letztens geschafft. Am Freitag war ich dann auf Intensiv. Seither trau ich mich nicht mehr als zwei die Woche, und immer einen Tag Pause dazwischen. Dann gibt's noch den Wurst-Basar mit seinen drehenden Hühnern. Das geht maximal einmal die Woche, bleiben zwei Tage. Ein Fertiggericht vom Rewe noch, eh alle Stricke reißen, bleibt ein Tag. Und ich MUSS mittags warm essen, ich bin sosozialisiert, ich kann sonst nicht arbeiten. Heute war wieder Freitag, und ich hatte diese Woche schon alles durch. Vielleicht mal das Tagesessen vomWurst-Basar? Nee, die knausern immer so mit den Portionen, und von der ganzen Aluverpackung wird mir nur schlecht. Gemächlich ging ich die Lister Meile entlang und suchte eineInspiration. Der asiatische Straßenverkauf? Zu teuer, zu fettig und überhaupt. Da war da diese Litfasssäule. Die hatte ich ja noch nie bemerkt. Das einzige Plakat auf der Säule erregte sofort meine Neugier. Ich guckte über den Rand meiner Sonnenbrille und las die beiden Worte:
HUNGER? ESSEN!
Sonst stand da nichts drauf. Ganz schön einsilbig das Ganze. Ich kam nicht drauf, was das sollte. Werbung für Essen? Die Stadt oder was? Irritiert lief ich um die Säule herum und entdeckte auf der anderen Seite eine Luke, die mit etwas Phantasie ein bisschen wie eine Essensausgabe eines kleinen Straßenverkaufs aussah. Vorsichtig steckte ich den Kopf hinein, das interessierte mich nunschon, was das nun wieder war. Vielleicht verkauften die ja wirklich Essen hier, in dieser Säule. Möglicherweise war da eine Küche drunter, und das Essen, das man bestellte, wurde von einer kurzbeinigen Bedienung eine Wendeltreppe nach oben zur Luke gebracht. Obwohl die Vorstellung,dass einer den ganzen Tag diesen Flaschenhals hinauf und hinuntersteigt, schon etwas komisch WAAAAAAH!
Der Autor sieht sich an dieser Stelle genötigt, die Erzählperspektive von der ersten indie dritte Person zu wechseln, da durch das unerwartete Ableben des Erzählers die Fortführung der Ich-Perspektive für den Leser nicht mehr nachvollziehbar wäre. Den Schluss daher in Kürze: Der Protagonist wurde Opfer einer außerirdischen Lebensform, die sich, als Straßeninventargetarnt, die Körper neugieriger Stadtmenschen einverleibt. Die Behördenraten, sich von ungewöhnlichen Dingen, insbesondere Objekten zu Kunst-, Werbe- Streu- und Beleuchtungszwecken fernzuhalten und den Kopf nicht in dunkle Öffnungen zu stecken. Essen Sie lieber fünfmal die Woche Döner, als dass Sie sich auf Experimente einlassen, deren Ausgang Sie nicht absehen können. Damit verabschiede ich mich von heute und ... was ist das denn, haben meine Vermieter in meiner Abwesenheit eine Duschkabine in der Küche eingebaut? Das ist ja nett ...
2:51 PM
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Poolnudeln
Es war der erste Urlaub mit ihr, abgesehen von verlängerten Wochenenden an der Nordsee oder mal Campen oder son Quatsch. Ich hatte mich gar nicht darauf gefreut, weil ich erstens Urlaub sowieso blöd finde. Nichtstun kann ich auch zuhause, das ist billiger, und von dem übrigen Geld kann man ja Bier kaufen oder sich was schönes. Und zweitens, so lange mit meiner Andrea zusammen, drei Wochen hatse gebucht, das hält doch auch keiner aus. Aber ich ließ mir nichts anmerken und lächelte und eigentlich war es so auch gar nicht so schlecht. Wir waren in einem Ferienhaus von Freunden von ihr, das war zwar noch ein bisschen Baustelle, aber wir mussten ja nichts dran machen, nur rumhängen und aufpassen, dass keiner die Steine klaut. Und Urlaub ist Urlaub, hab ich gesagt, wieso soll ich da einen Finger krumm machen? Zum Frühstück machte ich das erste Bier auf, ich war ja schließlich zum Erholen hier und nicht zum Fasten.
Jetzt war Mittag und ich schon leicht angeschickert und saß an so einem Plastiktischchen und unter mir die Abdeckplane vom Swimmingpool (war mir doch egal, ob die da lag) und im Pool sah ich die den Nudeln zu, die Andrea gekocht und die ich, ohne sie probiert zu haben, hineingeschmissen hatte. Alles was die kann sind Nudeln, und ich hatte aber keinen Bock auf Nudeln im Urlaub, aber so sindse nun mal, da wo die herkommt. Und das Bier schmeckte auch nach Pisse. Hätt mir ja auch ne Ossibraut nehmen können, die können Königsworther Klopse oder wie die heißen und Radebrecher Bier, da könnt ich jetzt mehr drauf. Ach, egal, hauptsacheüberhaupt Bier da. Scheiße, schon wieder alle! ANDREA! ANDREAAAAAAAHHH!
Sie brauchte dreizehn Hiebe mit der Schaufel, bis endlich Ruhe war. Groß Reinemachen war nicht nötig, schließlich musste sie ihn nur noch in die Plane einrollen. Und dann ab in die Grube vom Anbau und Beton drüber. Danach fischte sie seelenruhig die Nudeln aus dem Wasser, lächelnd. Der Urlaub hatte begonnen!
2:38 PM
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Neben der Spur
Current mood: ebenso
Wir fuhren mit Maltes aufgemotzten Fickmobil durch die Wüste. Es war geil, wie uns der Sand ins Gesicht prasselte, und ich saß hinten in der Mitte zwischen Vanessa und Molly und Vanessa zerhackte Koks auf einem Buch über Stellungen und die Hälfte rieselte daneben, weil die Karre auf der Straße so holperte und weil ich Vanessa zwischen den Schenkeln kitzelte und sie so geil auf ihre Spur war und Timmy der Hund zu unseren Füßen leckte die Krümel vom Boden auf und ich rief HE DU SCHEISSTÖLE und leckte ihr das weiße Scheißzeug von der Schnauze ab und Molly guckte angewidert weg und der Typ mit der Scheißfrisur auf dem Beifahrersitz drehte sich um und schrie HEY, PASST AUF, IHR ARSCHLÖCHER, DAS WAR TEUER und ich schrie KACK DICH NICHT INS HEMD, YUPPIE und wischte mit einem Quast von ihrer Bluse die Krümel in Vanessas Schoß zusammen und zog sie hoch und sie gackerte dabei irgendwas Zusammenhangloses und es flashte mich alles nicht und meine Hand suchte Krümel unter ihrem Rock und ich dachte SCHEISS ZEUG und irgendwann flashte es mich dann doch und ich dachte, hoffentlich geht uns jetzt nicht das Benzin aus und wir treten dem Teufel gegenüber!
2:28 PM
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Monday, September 01, 2008
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Stadtteilfest
Was machten die Arbeiter beim Bau der Berliner Mauer nach Feierabend?

7:22 PM
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Wednesday, August 27, 2008
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Kleid aus Tüll
Er schenkte ihr ein Kleid aus Tüll Sie warf es lachend in den Müll Er nahm es aus der Tonne dann Und zog es trotzig selber an.
8:16 PM
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Tuesday, August 26, 2008
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Neulich in Plauen
Neulich reiste ich nach Plauen Denn dort gibt's die schönsten Fritten Man sieht sonderbare Tischsitten (das kommt noch vom Kommunismus)
8:49 PM
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Monday, August 25, 2008
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Neulich in Füssen
Neulich reiste ich nach Füssen Um die Edelgard zu kurieren Sie litt mithin am bösen Blick Ich heilte sie mit einem Fieberthermometer.
7:00 PM
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Wednesday, August 20, 2008
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Bigamie
Pärchen werden ist nicht schwer Pärchen bleiben schon viel eher Schnell verliebt man sich erneut Und schon hat sichs ausgetreut
Sie kann Bigamie nicht leiden Daher musst du dich entscheiden Tust du's nicht, dann kontert sie Und macht Gegen-Bigamie
Doch nach kurzem geht der nette Lover deiner Frau zu Bette Mit der neuen, der von dir! Und du kriechst zurück zu ihr
Sie tut so, als hätt sie keine Lust auf deine Pärchenreime Doch am Ende kriegt ihr's hin Du und sie (und ein' im Sinn).
2:22 PM
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Tuesday, July 08, 2008
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Neulich in Celle
Neulich: Aufbruch. Haltestelle. Leere. Abgefahren. Celle!
Recken. Strecken. Warten? Gehen! Uhrzeit. Checken. Weitersehen.
Villengegend. Straßenleere. Trägheit. Ungemütlich. Schwere.
Bauchweh. Übelkeit. Entsetzen. Setzen. Gartenzaun. Benetzen.
Hunde? Gärtner? Mann? Mitnichten! Schönheit. Weiblich. Haare? Richten!
Badewanne. Tee. Erholung. Frage: Ledig? Ja! Belohnung.
Plötzlich: Klingeln! Ehegatte! Panik. Fenster. Nacktheit? Latte!
Warten. Dunkelheit. Zuhause! Kopfverletzung. Ruhe. Pause!
1:36 PM
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Monday, July 07, 2008
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Und wenn
Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Und wenn dein Leben anstrengend ist Aber abtörnend Mühselig Aber leer
Wenn dein Leben langweilig ist Aber unentspannt Verzweifelt Aber hohl
Wenn die anderen schöner sind Und angesagter Draufgängerischer Und cooler
Wenn sie zur richtigen Zeit Am richtigen Ort Die Hand aufhalten Gönnerhaft
Während du nur zusiehst Dass du nicht aneckst Keine Fehler machst Überlebst
So haben sie doch kein Recht Auf dir herumzuhacken Mit ihrem Mitleid Ihrer
Emotionalen Selbstbefriedigung Ihrer Verständnisheuchelei Ihrer beleidigenden Selbstgefälligkeit
Denn es ist immer noch dein Leben
Denn es ist immer noch dein Leben Denn es ist immer noch dein Leben Denn es ist immer noch dein Leben Denn es ist immer noch dein Leben Denn es ist immer noch dein Leben Denn es ist immer noch dein Leben Denn es ist immer noch dein Leben
10:47 AM
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Wednesday, June 25, 2008
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Einlass
Ein' lass Ich rein. Zwei lass Ich raus. Wieviel müssen Wieder rein, damit der Fahrstuhl Leer ist?
3:04 PM
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Monday, June 16, 2008
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Anti-Heldinnen
Sie tragen bei jedem Wetter Minirock, wären gern mal miss-gekürt und tragen wie selbstverständlich ihre Körper zu Markte. Man holt sie in dicken Limousinen mit getönten Scheiben ab, damit keiner reingucken kann. Nach einem kurzen Plausch mit irgendwelchen anzugtragenden Vätern durch die Scheibe, in denen sie die gestiegenen Lebensmittelpreise und Heizkosten erörtern, nicken sie noch einmal kurz ihrem Zuhälter-Lover zu, um sich für die bevorstehende allnächtliche Schändung vorweg zu entschuldigen. Erst nach Tagesanbruch eilen sie zurück zu ihrem Plastiksack im Schließfach, schmeißen die stärkste Paracetamol ein und brausen direkt ins Vergessen. Sie sind auf moderne Weise versklavt.
In der Mittagssonne sieht man sie nie. In ihren Träumen erfinden sie manchmal ein Leben ohne Ausbeutung, während sich ihr zerbrochener Körper auf einen Pfeiler stützt. Gedemütigt und missbraucht verabreden sie noch schnell ein Date mit dem Zuhälter-Lover am Wochenende, bei dem die Kinder natürlich integriert werden, denn sie wissen ja sonst nicht, wohin mit ihnen. Nachmittags schlafen die Anti-Heldinnen, während ihre Kinder an halböffentlichen Plätzen herumhängen, wo sie sich mit türkischen Jugendgangs prügeln. Die Kinder der Anti-Heldinnen sind betroffen und militant. Eines Tages wird eine der Anti-Heldinnen ein Kind haben, das seine Mutter nicht verachtet. Es wird mit den türkischen Gangs paktieren und die Adressen der Freier ermitteln, die daraufhin von ihren Putzfrauen im Altpapiercontainer entdeckt werden. Alles im Anzug. Abends radeln die Kinder der Anti-Heldinnen selbstbewußt zur Versammlung ihrer Gang und lassen sich feiern. Sie sind verwahrlost und brutal, aber nicht blöd, und wer Einfluss auf ihr Leben nehmen will, spürt ihre Fingernägel. Die Kinder der Anti-Heldinnen werden immer mehr und sie sind toll, aber manchmal habe ich Angst, dass sie sich erwischen lassen.
1:38 PM
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Monday, June 09, 2008
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Die Rettung der Eisbären
Die Erde steht vor dem Abgrund. Polkappen schmelzen, Meeresspiegel steigen, Treibhausgase bewölken den Himmel. Die letzten Eisbären ertrinken gluckernd im polaren Sonnenuntergang, während sich die postindustrialisierte Welt mit der Verbrennung ihrer letzten fossilen Rohstoffe beeilt. Der Streit zwischen konservativen Kriegsgewinnlern und alternativen Predigern der sparsamen Verschwendung dominiert immer noch die Tagespresse, während Amerika einen letzten Feldzug in eine vergessene kaukasische Kreiderepublik unternimmt, in der noch für vierzehn Tage Ölvorkommen entdeckt wurden.
Die verbliebenen Menschen entgegnen dem Kurs in den Abgrund mit Lethargie, Verzweiflung, Hedonismus oder Drogenmissbrauch. Einige wenige wollen Widerstand leisten, werden jedoch schon beim Gedanken daran in Gesinnungshaft genommen. Wer sollte der Alien-Verschwörung zur Vernichtung allen individuellen Lebens, angeführt von Chief Commander Lothar Schäuble vom Planeten Evil, noch etwas entgegensetzen? Die Übernahme des Planeten durch die Mächte des Bösen wird nicht vorbereitet, sondern lediglich regelmäßig nachbesprochen. Alle Hoffnung ist verloren! Verzweiflung senkt sich über die blaue Murmel wie ein interstellarer Nebel.
In einer abgelegenen Doppelhaushälfte in einem abgelegenen Stadtteil einer abgelegenen Regionalmetropole schreckt eine bis dahin von der Welt weitgehend unbeachtete Frau auf und ruft: "Halt! So kann es nicht weitergehen! Von nun an will ich nicht mehr die unbeachtete Silke sein! Mein Name sei vielmehr SUPER-SILKE! Oder kurz Susi!" Genau, das hatte Stil, dachte sich Silke alias Susi und setzte sich noch nachts um drei an die Nähmaschine, um sich aus alten Gardinen einen Umhang zu nähen. Als er fertig war, probierte sie ihn sofort vor dem Spiegel an. Er wirkte sehr sexy, und sie wollte ihn unbedingt der nächtlichen Silhouette ihrer Submetropole vorführen. Also packte sie ihre Handtasche, befüllte sie mit einem dicken Backstein und allerhand nützlichen Dingen aus dem Hobbykeller ihres Mannes.
Im Morgengrauen schlich sich Super-Susi aus dem Haus und um die Häuser der Nachbarschaft. Es dauerte nicht lange, da hatte sie einen der Verantwortlichen für die Zerstörung des Planeten ausgemacht. Vor der üppigen Jugendstilvilla parkte ein vierradgetriebener, metallicfarbener Eisbärtöter, den Silke mit einem in den Auspuff geleiteten Spritzer aus der Bauschaumspritze präparierte. Doch was könnte sie noch Gutes tun, im Namen des Planeten und zur Rettung der Eisbären? Sie entdeckte einen Kran, der gerade still herumstand, pausierend zwischen zwei Arbeitstagen, in denen er dazu diente, irgend eine schreckliche Baumaßnahme weiterzuführen, die die Stadt und die Welt noch betonierter und lebloser machen würde. Schnell hatte sie mit ihrem mitgeführten Kuhfuß den Tank geöffnet und ein Kilo Zucker darin entlehrt. Zucker im Tank freut den Tiger im Dschungel! Erschöpft von ihrem Beitrag zur Rettung der Welt schlich sie zurück und kuschelte sich zufrieden neben ihren nichtsahnenden Gatten ins vorgewärmte Bett. Morgen würde sie erst richtig loslegen! Nichts würde mehr sein, wie es war! Die Welt konnte zum ersten Mal seit langem wieder hoffnungsvoll in die nächste Drehung gehen.
3:26 PM
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Xenoturbella
Xenoturbella ist ein wenige Zentimeter langer hirnloser Strudelwurm, der auf marinen Schlammböden beheimatet ist. Da Xenoturbella genau wie die Wirbeltiere in der biologischen Taxonomie zum Überstamm der Neumünder gehört, ist er näher mit dem Menschen verwandt als zum Beispiel mit Muscheln oder Schnecken. Weichtiere wie diese gehören nämlich zum Überstamm der Urmünder, das heißt, sie hatten zunächst einen Mund ausgebildet, der schließlich infolge eines evolutionären Durchbruchsaktes zum After hinausmündete. Ganz im Gegensatz zum Menschen, bei dem der Arsch zuerst da war.
Im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft 2008 wurden nun neue Forschungsergebnisse publik, die ein weit engeres Verwandschaftsverhältnis des Menschen zum hirnlosen Strudelwurm nahelegen als bisher angenommen. Durch eine großangelegte Charakterstudie wurde von einem Biologenteam der Lomonossow-Universität die These aufgestellt und mit bunten Grafiken untermalt, dass das Verhalten von Fans in Stadien mit den gleichen Mechanismen beschreibbar ist wie das des hirnlosen Strudelwurms Xenoturbella. Die Annahme der Existenz eines Hirns bei Fußballfans in früheren Untersuchungen wird von den russischen Experten mit der Verunreinigung von DNA-Proben durch intellektuelle Absonderungen wissenschaftlicher Mitarbeiter in nicht hinreichend bildungssteril gehaltenen Labors erklärt. Ihre Arbeit "Ist der Mensch ein Abfallprodukt der Evolution? Eine vergleichende Untersuchung von Xenoturbella und FC Deutschland-Fans" gilt inzwischen auch in der Soziologe als richtungsweisend, da sie plausible Erklärungen dafür geben kann, warum - ganz egal wo man hingeht - irgend ein Arsch immer schon vorher da war.
11:43 AM
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Monday, May 26, 2008
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Pelzmantel
Susanne hatte in der Heide ihren Pelz vergessen. Das Komische daran ist, dass es ein ziemlich heißer Tag war, und man sich fragte, also insbesondere Herbert, der fragte sich und schließlich auch Susanne, naja, eben nach dem Pelz. Den hatte er ihr damals zum Geburtstag geschenkt. Zu welchem spielte keine Rolle, so lange kannten sie sich nämlich noch nicht. Genaugenommen hatten sie erst einen zusammen gefeiert, und das Alter, das Susanne Herbert genannt hatte, hatte er ihr sowieso nicht abgenommen. Es war auch kein Alter, für das man schon einen Pelzmantel geschenkt bekommt. Eher ein Schlüpferalter, wenn nicht sogar Top. Aber er hatte ihr ja, wie gesagt, sowieso nicht geglaubt. Wahrscheinlich hatte nicht einmal das Datum gestimmt, das sie ihm genannt hatte.
Ich weiß nicht, ob sie ihm übel genommen hatte, dass er ihr einen Pelz geschenkt hatte. Insgeheim vielleicht, aber gefreut hatte sie sich jedenfalls, zumindest vordergründig, und zur Sicherheit hatte er ja auch das Preisschild drangelassen.
Nun war der Pelzmantel also weg. Und Susanne in Erklärungsnot. Herbert stellte sich das so vor: Sie war mit diesem Typen aus dem Fitnessstudio, dem mit dem Augenbrauenpiercing und den Tattoos überall auf seiner Bratapfelhaut, oder vielleicht auch mit Frank von oben oder wer weiß mit welchem ihrer Fans in die Heide oder ins Moos oder ins Moor gefahren, und weil der Blödmann keine Decke mitgenommen hatte, hatten sie es auf dem Pelz miteinander getrieben, und danach sah das gute Stück eben leicht mitgenommen aus, wer weiß womit getränkt, und dann hatte sie ihn eben flugs in die Reinigung gebracht und sich selbst auch, frisch gebadet wie sie roch. Innerlich bebte er, aber außen merkte man ihm nichts an. Nur sein Augenlid zuckte ein wenig. Eine Geste der Verzweiflung. Sie bemerkte immerhin den vorwurfsvollen Unterton seiner Frage: "Du hast deinen Pelz wo vergessen?"
"In der Reinigung, Schatz!" Sie gab ihm einen Luftkuss und lächelte. Er bekam einen Ständer. Das Leben konnet so einfach sein.
"Bist du so nett und holst ihn morgen ab, wenn du von der Arbeit kommst?"
"Natürlich, mein Schatz!" Er zog seine Hose herunter und stieg zu ihr in die Badewanne.
1:12 PM
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