Mein schwules Buch

Last Updated:
Jul 29, 2008

Send Message
Instant Message
Email to a Friend
Subscribe

Gender: Male
Status: Swinger
Age: 37
Sign: Leo

State: Hamburg
Country: DE

Signup Date: 08/16/07

Blog Archive
Older     Newer ]


Sunday, July 27, 2008

Urlaub

Hallo Ihr Lieben,
trotzt aller Mühe und Disziplin ist es mir nicht gelungen, dass neue Kapitel zu vollenden.
Juan hat sich aufs Sofa gelegt und eine DVD geguckt, damit ich meine Ruhe zum Schreiben habe, doch die Liebe hat gesiegt.
Ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen.

Es tut mir leid.
Das Final-Kapitel folgt nach der Sommer-Pause Anfang September!
Am besten Ihr abonniert meinen Blog, wenn nicht eh schon getan!

Bis dahin genieße ich die gemeinsame Zeit.
Drei Wochen Urlaub vom Büro-Stress hab ich auch noch.
Wir werden unter anderem nach Riga fliegen.
Bin gespannt, ob es mir da gefällt!

Vergesst mich bitte nicht!
Euch auch einen tollen Sommer!!!!

Lucas




12:30 AM - 4 Comments - 7 Kudos - Add Comment

Sunday, July 20, 2008

Kapitel 46----> ( vom 20.07.08

Kapitel 46


Australien Land der Ferne.
Mit dem fünften Kontinent hatte ich mich in meinem Leben noch nicht groß auseinandergesetzt.
Die meisten Dinge, die ich mit Australien in Verbindung brachte, gefielen mir jedenfalls.
Kylie Minogue ist ein bekannter Export, genauso, wie es in den Achtzigern und Neunzigern INXS waren.
Darren Hayes, Ex-Sänger der Band Savage Garden ist wohl mein liebster Australier.
Wenn der singend über die Bühne läuft und sexy seinen Unterkörper nach vorne schiebt, schreie ich mir die Seele aus dem Leib.
Neben Kängurus gibt es noch geile Surfer und Wellenreiter, die sicherlich auch alle einen
großen Beutel vor sich her tragen.
Australische Männer sind alle sportlich, sexy und willig.
Da war ich mir sicher.
Vor allem, wenn sie bereits im Februar eine Reise nach Deutschland planen und sich in meinem Schlafzimmer von den vielen sportlichen Anstrengungen erholen wollen.

Ich war völlig begeistert, als mir die Kontaktdaten meiner Gäste gemailt wurden.
Zwar wird mir keine genaue Anschrift mitgeteilt, doch konnte ich an der Telefonvorwahl schnell herausfinden, dass die Urlauber aus dem Land der niedlichen Beuteltiere kamen.
Zufrieden dachte ich zurück an die beiden Neuseeländer, die vor einigen Monaten mein Bed und Breakfast Angebot in Anspruch genommen hatten.
Sie waren sehr nett und charmant, wenngleich sie auch keine durchtrainierten Sportskanonen waren.
Sex gab es auch nicht.
Dennoch war es war eine lustige, gemeinsame Zeit, in der wir nicht nur einmal abends zusammen in meinem Wohnzimmer saßen und bei einem leckeren Glas Rotwein einen gemütlichen Plauder-Abend erlebten.

Barry Withers schrieb mir, wenige Stunden nachdem ich die Bestätigungs-Mail im Postfach hatte, eine Nachricht, in der er mir mitteilte, dass er gemeinsam mit einem Freund aus Amsterdam anreisen würde.
Zwei Wellenreiter wären mir zwar lieber gewesen, doch brachte ich auch mit Holländern nichts Negatives in Verbindung.
So wie es sich anhörte, waren die beiden auf einer gemeinsamen Rundreise quer durch Europa.
Sicherlich waren sie kulturell interessiert und besuchten eine Opern-Vorstellung nach der anderen, dachte ich mir.
Als Profi-Sportler würde Europa ihnen natürlich gerade im Sommer viele Events bieten können, bei denen sie ihr Können unter Beweis stellen durften.
Mit Medaillen um den Hals, würden sie in sexy Aussiebum Unterwäsche durch meinen Flur laufen und sich selbstherrlich als Siegertypen präsentieren.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, den Namen Barry Withers in meine Internet-Suchmaschine einzugeben. Als erfolgreicher Athlet, dürften mir diverse Siegerlisten entgegen fliegen. Spannung pur, doch leider war nichts zu finden.
Auch die Bildersuche führte zu keinem Ergebnis.
Hatte ich mich geirrt? Gab es in Australien auch noch etwas anderes, als Popstars und
Profi-Sportler?
Enttäuscht nahm ich nun die letzte Möglichkeit in Angriff, Informationen über den vermeintlichen Sexgott zu bekommen.
Ich kopierte seine E-Mail-Adresse aus meiner Buchungsbestätigung und wunderte mich bei genauerem Hinsehen ein wenig über die doppeldeutige Kontaktanschrift:

red4funAu@hotmail.com

Jedenfalls hörte sich das ja schon einmal recht willig an. Australier für Spaß.
Doch was sollte das Rot am Anfang bedeuten? Vielleicht war es nur ein Hinweis darauf, dass es sich um seine beruflich genutzte Redaktions-Mail-Addy handelte?
Es könnte natürlich auch etwas Sexuelles bedeuten, von dem ich Landei mal wieder keine Ahnung hatte. Vielleicht etwas mit Blut? Nein. Sicherlich nicht.

Zu meiner Überraschung wurde ich tatsächlich fündig.
Eine schwarze Internet-Seite öffnete sich, in der Männer jeden Alters auf Kontaktsuche waren. Wie praktisch, freute ich mich, denn so würde ich mit wenigen Handgriffen gleich Bescheid wissen, ob ich die Vorlieben des Australiers erfüllen würde.
Es gab auf der Seite viele Fotos, die kaum ein Detail verschleierten.
Mit klopfendem Herzen scrollte ich eine Anzeige nach der anderen nach oben.
Die Flut von Inseraten schien kein Ende zu nehmen.
Plötzlich hüpfte mir die gesuchte  E-Mail-Adresse ins Gesicht.
Direkt über der Notiz war ein Schwarzweißfoto eingefügt.
Vor Schreck erstarrt stierte ich auf meinen Monitor.
Was bitte war das? Hatte sich jemand einen Scherz erlaubt?
Ich  blickte auf einen alten, dünnen Mann um die siebzig, der breitbeinig in einer Fickschaukel lag und geistesabwesend in die Kamera blickte.
Als Sahnehäubchen, sah man am unteren Rand des Bildes, eine Faust in seinem weit aufgerissenen Hinterteil stecken.
Mir stockte der Atem. Das musste ein doch wohl ein Irrtum sein.
Mein Magen schnürte sich zusammen.
Ich hatte in meinem Leben ja schon viel gesehen, doch gab es kaum etwas Grausameres, als dieses abgemagerte, alte Huhn, das auf den ersten Blick Opfer eines Organ-Raubes zu sein
schien.
Erschrocken stolperte ich erst einmal in die Küche und füllte mir ein Glas mit Wasser, das ich mit einem Schluck herunterkippte.
Ich tappte ungläubig zurück an den Computer. Noch hoffte ich, dass Barry vielleicht nur die Faust am Rande des Bildes darstellte, doch auch dies, hätte mich nicht wirklich beruhigt.
Weitere Details folgten im nebenstehenden Text:

BODY HAIR: hairy legs, smooth balls, etc.
BEST ASSETS: deep hungry hole, thick base 8" cock
HAND SIZE: medium & opened many a hole
HANDBALL: top 40 / bottom 60

Obwohl hier das Wort Handball vorkam, konnte ich meine Träume von einem attraktiven Sportler wohl nun völlig begraben.
Ich musste den Tatsachen ins Arsch-Auge sehen: Meine Gäste waren Fister!

In den folgenden Monaten träumte ich immer wieder von Barry und seinem Freund.
Es belastete mich richtig, dass solch abartige Gestalten eventuell in meinem bett ausliefen.
Natürlich wunderte ich mich selbst über meine Intoleranz, doch konnte ich einfach mit derartigen Sexpraktiken nicht umgehen.
Obwohl ich kein Kind von Traurigkeit bin, hat Sex für mich noch immer etwas mit Zuneigung und gegenseitiger Anziehung zu tun.
Wahrscheinlich ging es Barry dabei nicht anders, doch konnte und wollte ich mich mit diesem Thema nicht weiter auseinander setzen.
Als ich mich wieder dabei ertappte, voller Unbehagen an die Anreise der beiden zu denken, hielt ich bereits den Telefonhörer in der Hand, um bei der Agentur abzusagen.
Allerdings würde mich die Absage auch um eine Einnahme von 200 Euro bringen, als stellte ich das Mobilteil wieder zurück auf die Station.
Torgan berichtete mir, dass in der besagten Woche schwules Ledertreffen in Hamburg war.
So wie es aussah, würden die Alten in den gesamten acht Wochen ihrer Europareise von einer Loch-Party zur nächsten fisten.

Obwohl ich den Besuch aus Australien am liebsten schon hinter mich gebracht hätte, war der Tag der Anreise viel zu schnell erreicht.

Pünktlich um vier Uhr nachmittags klingelte es mehrmals hintereinander.
Ich betätigte den Summer des Metalltors und sah durch das frisch geputzte Küchenfenster.
Zu meiner Überraschung sprintete ein Mann Anfang vierzig sportlich durch den Innenhof.
Nachdem ich die Haustür geöffnet hatte, sah ich in das Gesicht eines typischen Lederschwulen in enger Jeans. Der kurz rasierte Kopf war mit einer runden Brille und einem dunklen Vollbart garniert.

Der Unbekannt wirkte fast so verstört wie ich, der die letzte Nacht vor Ekel und Aufregung kaum ein Auge zugemacht hatte.
Angewidert gab ich ihm meine Hand, da ich davon ausgehen konnte, dass die seine nur vor ein paar Stunden noch in australischen Tiefen auf Erkundungstour gewesen war.

Der leicht verlodderte Mann atmete tief ein, schnappte nach Luft und fragte mit holländischem Akzent:
„ Wo ischt hier die nächschte Doktor. Barry geht es nischt gut. Er hat einen Lungenentzundung. Isch bin übrigens der Knut „

Im Treppenhaus hörte ich ein leises Wimmern auf uns zukommen.
Der abgemagerte Barry, der in natura noch einmal zwanzig Jahre älter aussah, als auf dem Internet-Foto, klammerte sich mit letzter Kraft ans Geländer am Hauseingang.
Seine Blicke flehten nach Hilfe. Er schaute hilflos in unsere Richtung und sah dabei aus wie ein Vogel, der gerade aus einem Nest gefallen ist.
Der Opa trug eine Lederhose, die so kurz war, dass man sicherlich seine Rosette auf der Rückseite heraushängen sehen konnte.
Die dürren Beinchen konnten ihn kaum noch tragen.
Sein Outfit war abgesehen von seiner Unterkühlung auch optisch nicht gerade von Vorteil.
Mein Alptraum war tatsächlich wahr geworden.
So wie es aussah, würde Barry wohl möglich noch diese Woche das Zeitliche segnen.
Mein Bett war sicherlich genau der Richtige Ort zum Sterben.
Ich musste mich zusammenreißen, um nicht loszuheulen.
Während die beiden sich zu meinem Hausarzt in der Langen Reihe aufmachten,
verkroch ich mich auf mein Luftbett, um Ronald und Torgan anzurufen.
Entsetzt berichtete ich von meinen Horror-Gästen.
„Hey. So schlimm ist das nun auch nicht. Die zahlen dir fast deine halbe Monatsmiete. Nun
sei mal ein bisschen nett zu denen. So schlimm wird es schon nicht sein.
Hat ja auch etwas Gutes, wenn der krank ist: Sie werden die alte Gans sicherlich nicht in deinem Schlafzimmer ausnehmen" versuchte Ronald mich wieder aufzubauen.
Vielleicht hatte er ja Recht.
Ich durfte meinen Optimismus nicht verlieren.
Allein die Tatsache, dass ich mit den beiden Figuren mein Badezimmer teilen musste,
reichte schon, um mich wieder zurück ins Jammertal zu werfen.

Allerdings war diese Angst zum größten Teil unbegründet, da sich Barry und Knut grundsätzlich nicht duschten oder sonst in irgendeiner Art Körperhygiene betrieben.
Schon bei ihrer Rückkehr vom Arzt, zog mir ihr unangenehmer Geruch in die Nase.
Anfangs hoffte ich noch, dass es am feuchten Wetter und den Strapazen der Reise lag, doch entpuppte es sich als ein weiterer, mir unangenehmer Fetisch.
Während Knut sich die ersten beiden Tage allein auf irgendwelchen Partys amüsierte, röchelte Barry im entweihten Kükennest von Juan und mir vor sich hin.
Bei jedem Hustenanfall erstarrte ich vor Angst, dass er soeben seinen letzten Atemstoß von sich gegeben hatte.
Am dritten Tag schien sein Hinterteil wieder offen für eine kräftige Füllung zu sein.
Der Scheintote wandelte begleitet von Knut durch meinen Flur in Richtung Ausgang.
In seiner kurzen, angegilbten Pupshose wurde er nach draußen gestützt.
„Bis später. Wir gehen jetzschtt auf eine kleinen privaten Hochzeitsparty, wo die Männer um meinen starken Hand anhalten" lachte mir Knut euphorisch ins Gesicht, während er seine geballte Faust in die Luft hielt.
„Erspare mir bitte weitere Details" rutschte es mir aus dem Mund, während sich die Haustür schloss.
In den nächsten Tagen sah ich die beiden eigentlich nur noch, wenn sie Barry Asthma-Spray
und Aufputsch-Tabletten verabreichten.
Zwar verzogen sie sich von Zeit zu Zeit auch ins Badezimmer, doch hatte ich eher die Vermutung, sie würden irgendwelche Sexutensilien reinigen, als sich selbst.
Analspülungen würden bei der Lust am Dreck sicherlich keine Rolle spielen.

Bei jedem eigenen Besuch des Badezimmers desinfizierte ich das Waschbecken und die Toilette mit Sagrotan.
Ich ekelte mich so sehr, dass ich mich in meiner eigenen Wohnung nicht mehr wohl fühlte.
Mir war klar, dass ich das Vermieten an schwule Gäste in Zukunft einstellen werde.


Ein positives Ereignis dieser Woche sei noch erwähnt: Barry ist nicht in meinem Bett gestorben.
Am letzten Abend schimpfte er nur noch einmal laut in der Küche über die beschissene Abschlussparty der schwulen Ledertage.
Nur eine einzige Lustschaukel hatten die Veranstalter in der Hamburger Markthalle aufgehängt.
Zu seinem Ärger konnte auch die starke Faust seines Begleiters ihm nicht den Weg frei boxen, um es sich darin gemütlich zu machen.
Dabei wäre es für das abgemagerte Männchen doch sicherlich viel angenehmer gewesen, als den ganzen Abend mit letzter Kraft in der Ecke zu stehen.
Mein Bild von Australien hatte sich in dieser Woche gewandelt.
Es scheint eher das Land der Tiefen zu sein.
Kein Wunder, dass Darren Hayes von Savage Garden schon vor Jahren nach London gezogen war. Sind doch alle pervers auf dem fünften Kontinent.


In den folgenden drei Tagen lüftete ich meine Wohnung Tag und Nacht.
Der Obdachlosengeruch wollte einfach nicht mehr verziehen. Selbst die mit Teppichreiniger behandelte Matratze konnte sich kaum von den Ausdünstungen der beiden trennen.
Es dauerte noch einige Zeit, bis ich mich in meiner eigenen Wohnung wieder wohl fühlte.
Der Bettenagentur kündigte ich bis auf weiteres.
Mein Zimmer stand neuen Interessenten nicht mehr zur Verfügung.
Dennoch hatte ich noch zehn weitere Buchungen im Kalender, zu deren Erfüllung ich vertraglich verpflichtet war.

Ein Lichtblick sollte wenig später folgen.
Laut Internet-Recherche stand als nächstes die Anreise eines Kinderarztes auf dem Plan.
Mir war bewusst, dass dieser wahrscheinlich nicht in erotischer Arbeitskluft bei mir aufschlagen würde, doch sehnte ich seinen Besuch wirklich herbei.
Der noch Unbekannte sollte sozusagen der rettende Anker im Haifischbecken meiner frivolen
Horror-Erlebnisse werden.
Mein Bild vom gewöhnlichen Schwulen war durch die Zimmervermietung gewaltig ins Wanken geraten.

An diesem Nachmittag kontrollierte ich meine Haare gleich mehrmals im Flur-Spiegel.
Auch hatte ich mich erst nachmittags rasiert, um strahlend frisch zu wirken.
Gerade, als ich mir ein drittes Mal die Zähne putzte, klingelte es.
Die Uhr stand auf Viertel vor Fünf.
Obwohl es fünfzehn Minuten zu früh war, fühlte es sich für mich an, als wären der Arzt und sein Begleiter Stunden zu spät.
Am liebsten wäre ich bereits morgens mit Ihnen aufgestanden, und hätte sie dabei beobachtet, wie sie nur mit einem Handtuch bedeckt ins Badezimmer flitzten.


Bei der hohen Erwartung, die ich hatte, konnte der Schuss ja nur nach hinten losgehen.
So, wie es aussah, hatte ich einfach zu viel Zeit zum Träumen.
Vielleicht war der Kinderologe ja auch so ein Fettsack, wie der 160 Kilo Mann, der vor Monaten da war und mir die Klobrille vollgekackt hatte, weil er das Loch nicht orten konnte.
Man ist wie man ist. Meine Vorstellung von einem reinen Mediziner ließ sich nicht vertreiben.
Sekunden später standen zwei Männer mit Koffern in meiner Dreizimmerwohnung.


Vielleicht hatte ich doch eine Vorahnung, denn Herr Doktor Wendler war genau das, was meine Freunde „ das typische Beuteschema des Lucas Timm „ nannten.
Sportliche Figur, die Vierzig überschritten, graues Haar und dazu ein jugendliches Gesicht.
Sein freundliches Lächeln, mit den weißen Zähnen verpasste ihm dazu noch einen dentalen Heiligenschein.
Der liebe Gott hatte tatsächlich noch ein Einsehen mit mir, freute ich mich, während unsere Augen sich suchten.
Sein netter Freund, mit den braunen Rehaugen war auch nicht unattraktiv, doch verblasste er neben seinem Partner.
Eine zweitägige Fortbildung bei einem Hamburger Heilpraktiker hielt die beiden leider davon ab, sich den ganzen Tag mit mir zu beschäftigen, doch hatte ich das Gefühl, dass auch sie die Nähe zu mir suchten.

Wir aßen zusammen Frühstück und redeten miteinander, als würden wir uns schon seit Jahren kennen.
Unsere Unterhaltungen waren weitaus tiefgründiger als die, die ich mit anderen temporären Untermietern geführt hatte.
Von oberflächlichem Blabla waren die Gespräche über seine Kinder und Ex-Ehefrau weit entfernt.

Es knisterte ungemein und mein Verlangen nach einer Berührung des Traum-Gastes ließ mich zeitweise fast wahnsinnig werden.
Warum tun sie denn nichts, fragte ich mich.
Die beiden schienen eine monogame Beziehung zu führen.
Konnten sie bei mir nicht mal eine Ausnahme machen?
Im Grunde konnte ich es nachvollziehen, da ich selbst niemals etwas mit Juan und einem anderen Mann anfangen könnte.
Zwei Tag loderten unsere Blicke. Wir wussten beide, was wir eigentlich wollten, doch ließ der Kopfmensch sich nicht locken.
Seinen Freund hätte ich als Beiwerk auch noch mitgenommen. Hauptsache ich könnte endlich die Hand des Mediziners auf meinem Körper spüren.
Abends lag ich wach auf dem kalten Laminatboden in meinem Arbeitszimmer und lauschte durch einen Türspalt in den dunklen Flur, ob ich nicht vielleicht ein lautes Atmen oder Bettenquietschen hörte, doch schienen die beiden problemlos unbefriedigt einschlafen zu können.

Erst am Morgen der Abreise kam ein wenig Bewegung ins Spiel.
Grauschopf Friedhelm war schon früh munter und stand in seiner sexy Jeans und dem braunweiß gestreiften Hemd im Flur und strahlte mich herzlich an.
„Du hast dich so nett um uns gekümmert. Heute hole ich mal Brötchen"

Klasse Idee, von der nicht nur ich, sondern auch sein Freund Martin angetan war.
„Ich komme mit. Wir können Lucas ja auch mal etwas Gutes tun" grinste er, während er sich seinen dunkelgrünen Anorak anzog.
„Halt! Stopp! Ist doch albern, wenn ihr zu zweit geht. Da kann mir auch ruhig jemand beim Kaffeekochen helfen" versuchte ich die Zusammenklebenden zu trennen.
Ich für meinen Teil hatte mich natürlich schon festgelegt, wer von beiden den Botengang absolvieren sollte. Doch würden die Zwei genauso entscheiden?
Es musste doch möglich sein, den Kinderarzt nur wenige Minuten für mich allein zu haben.
Mein flehender Blick in seine grünen Augen wurde richtig gedeutet.
"Da hat Lucas auch wieder Recht. Außerdem hast du nun schon deine Jacke an"
Noch bevor einer von uns beiden etwas sagen konnte, hatte Martin schon die Tür geöffnet und ließ uns allein, ohne Verdacht zu schöpfen.

Nun war der Moment gekommen, auf den ich die letzten beiden Tage gewartet hatte.
Mein Herz galoppierte in meiner Brust und das Blut stieg mir in den Schwanz und errötete zeitgleich meinen Kopf.
Unsere Blicke trafen sich.
Es bedurfte keiner Worte. Wir gingen aufeinander zu.
Seine Lippen pressten sich auf meine. Wir küssten uns heftig und leidenschaftlich, wie ich es schon seit Jahren nicht erlebt hatte.
Meine Hände wanderten fordernd über seinen Nacken, streichelten seine durchtrainierte Brust, während unsere Zungen sich vereinten.
Unsere Unterleiber pressten sich gegeneinander. Mir stieg sein männlicher Geruch in die Nase.
Friedhelms Hand griff mir in die braune Jogginghose. Immer heftiger  wurde unser Atem.
Jeden Moment könnte Martin wieder in der Tür erscheinen.
Uns war bewusst, dass wir das, was wir hier so leidenschaftlich begonnen hatten, nicht zu Ende führen konnten.
Ich kniete mich auf den Boden, roch an seiner Jeans und drückte mein Gesicht an seine Hose.
Sekunden später zog er mich zurück an seinen heißen Körper und rutschte mit seinen starken Pranken über meine willigen Pobacken.
Ich kam mir vor, wie in einem leidenschaftlichen Erotik-Thriller.
Durch die Küchentür konnten wir Martin bestgelaunt, pfeifend mit einer Zeitung und seiner gelbweißen Brötchentüte in der Hand sehen. Es bleiben uns nur noch wenige Sekunden.
Unsere Zungen konnten sich nicht trennen, obwohl es sein musste.
Immer stärker saugten wir uns aneinander fest, als würden wir in der Realität ertrinken, wenn wir uns voneinander lösen würden.
Das schmerzende Geräusch des Schlüssels im Türschloss zerstörte den Moment so schnell, wie er gekommen war.
Mit einem Satz sprang Friedhelm zum Frühstückstisch, während ich mich der Kaffeemaschine zuwendete. Hastig klemmte ich meine fast zu platzen drohende Erektion unter den Gummizug meiner Jogginghose und zog das T-Shirt darüber.
„Frühstück ist da" trällerte Martin, um kurz darauf festzustellen, dass der Kaffe noch gar nicht aufgesetzt war.
„Wenn man nicht alles selber macht" grinste er.
Ich verzog mich rasch ins Badezimmer, um meine Erektion mit drei schnellen Handbewegungen zu vertreiben.
Martin, der anscheinend nicht den leisesten Verdacht hatte, was passiert war, schnitt uns ein paar Brötchen auf, während Friedhelm und ich uns weiterhin unter dem Tisch zärtlich mit den Füßen berührten.
Der gehörnte tat mir unwahrscheinlich leid, doch war dies zweitrangig.
Trotz der verschafften Entspannung, beruhigte sich mein Körper erst wieder, als die beiden eine Stunde später meine Wohnung verließen, um zurück nach Coburg zu fahren.
Martin umarmte mich herzlich und überreichte mir einen niedlichen Schlüsselanhänger
in Form einer kleinen Schildkröte.
„Den haben wir dir im Zoo gekauft, weil du doch so auf die grünen Tiere stehst"
lachte nun auch Friedhelm, der mir das erste Mal, seit unserer letzten Berührung wieder in die Augen sah.
Die Zeit schien für einen Moment stehen zu blieben.
Unsere Verabschiedung wirkte sicherlich ein wenig neutral, doch klammerten sich unsere Hände ein letztes Mal mit aller Kraft aneinander fest.
Wir wussten, dass wir uns wahrscheinlich nie wieder sehen würden und genossen die letzte Berührung.
Abends, nachdem ich die neuste Folge der Lindenstraße im Fernsehen gesehen hatte, machte ich es mir auf meinem Sofa gemütlich.
Ich setzte mich bewusst auf den Platz, wo der Kinderarzt mit der umwerfenden Ausstrahlung
gethront hatte.
Meine Handfläche streichelte noch einmal über den Bereich, auf dem seine Weichteile
das grüne Leder erwärmt hatten, während wir bei einem Glas Rotwein in unserer Vergangenheit gewühlt hatten.
Obwohl ich seinen Schwanz nicht zu Gesicht bekommen hatte, war ich mir sicher, dass er wunderschön sein musste. So wie alles an diesem Mann.

Wenn ich es mir so recht überlegte, waren die meisten Gäste doch wirklich nett, dachte ich, während ich die Einträge in meinem grauen Gästebuch ansah.
Selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen, mir so ein Ding hinzulegen, doch nun war ich froh, dass mir mein Freund Stephan aus Solingen dieses Geschenk zu Weihnachten
geschickt hatte.
Einigen Einträgen konnte ich keine Gesichter mehr zuordnen.
Viele riefen mir mit ihren kurzen Reimen und Zeichnungen angenehme Stunden
in Erinnerung.
Langweilig war es jedenfalls in den seltensten Fällen.
Wenn ich da nur an den netten Schauspieler denke, den ich noch heute fast täglich in der Fernseh-Werbung sehe, wird mir ganz anders zu Mute.
Auch die charmanten Franzosen aus Toulouse, mit denen ich mich nicht nur auf Englisch gut verständigte, blieben mir in angenehmer Erinnerung.

Zwei Buchungen standen noch aus. Ein Ende war abzusehen.
Wenn mir mein eigenes Leben zu langweilig werden oder erneut finanzieller Notstand ausbrechen würde, könnte ich ja wieder loslegen.
Bis dahin werde ich meine eigenen vier Wände vollends genießen.

Der typische schwule Übernachtungsgast hieß in der Regel Michael, war vierzig Jahre alt und kam aus Berlin.
So auch der freundliche Mann, der in Begleitung seines russischen Freundes, um dreißig Minuten nach Mitternacht bei mir aufschlugen.
Eigentlich war die Ankunft bereits für siebzehn Uhr angekündigt worden, doch war Samuel mit seinem Kleinlaster auf der Autobahn bei Kassel liegengeblieben.
Diesen musste er zusammen mit seinen Kollegen zurück nach Berlin karren.
Der blonde Maurer mit dem charmanten Akzent entschuldigte sich hundert Mal für die Unannehmlichkeiten, die er mir bereitet hatte, doch konnte ich ihm ohne weiteres verzeihen.
Er war muskulös und trug eine enge Jeans. Mehr brauchte man nicht, um meine Müdigkeit und schlechte Laune zu vertreiben.
Nachdem der Berliner mit dem vollen graubraunen Haar kurz geduscht hatte, machten sich die beiden auf, um Bekannte im Jump, einer nahegelegenen Disco zu treffen.
Da ich bereits vor ihrer Ankunft auf dem Sofa eingeschlafen war, musste ich nur noch in mein Luftbett kriechen und die decke über den Kopf ziehen.

Pünktlich um acht Uhr klingelte mein Wecker.
Zwar war ich erst in zwei Stunden mit meinem Freund Volkmar zum Frühstücken verabredet, doch wollte ich mal wieder ausgiebig duschen und mich dabei an das neueste Album von Patti Smith gewöhnen.
Außerdem mussten noch frische Brötchen vom Bäcker geholt und der Frühstückstisch für die nächtlichen Rumtreiber gedeckt werden.
Leise öffnete ich meine Zimmertür, um in Unterhose ins Badezimmer zu schleichen.
Normalerweise war nachts das Quietschen der Haustür zu hören, wenn meine Untermieter nach Hause kamen, doch schienen die beiden besonders rücksichtsvoll gewesen zu sein.
Auch hatte ich keine Schritte gehört. So lobte ich es mir.
Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen, während ich in Richtung Schlafzimmer lauschte. Alles war ruhig.
Kurz bevor meine Hand die Klinke zum Badezimmer berührt hatte, öffnete sich die
Wohnungstür. Mit einem lauten Knall schlug sie an die Wand.
Mein Körper zuckte erschrocken zusammen.
Vor mir stand Michael aus Berlin. Sein Blick wirkte ein wenig verwirrt.
So, wie es aussah, hatte er ordentlich einen gebechert.
„Guten Morgen! Kommt ihr gerade erst nach Hause?" begrüßte ich den Heimkehrer.
„Wie spät ist es denn? Samuel ist noch draußen und raucht eine"
stotterte er leicht verloren.
„Gerade erst kurz nach acht. Zeit ins Bett zu gehen" lachte ich ihn ein wenig aus.
„ Du bist süß, Lucas. Ich gehe jetzt ins Bett. Kommst du gleich noch mal vorbei und redest ein bisschen mit uns?" bettelte er mit seinem treuen Dackelblick.
„ Wenn du noch nicht eingeschlafen bist?" hielt ich meinen besuch offen
„Versprochen?"
„Versprochen"
Unter der Dusche rechnete ich das für und wieder eines Schlafzimmer-Besuchs gegen.
Nett sah der Michael ja aus. Grundsätzlich mag ich ja keine Männer mit Bierfahne.
Bereits bei der gestrigen Ankunft war der Alkohol-Geruch des Berliners unangenehm aufgefallen.
Niedlich war er irgendwie schon, wie er da eben so in meiner Wohnung stand und anfing, sich die Hose zu öffnen. Ein weiterer Pluspunkt war sein Interesse an meiner Person.
Der Russe war dennoch der Attraktivere der beiden. Immerhin war er ein männlicher Handwerker und nicht so eine huschige Jeans-Trine, wie Michael, doch die Mischung reizte mich.
Nachdem ich meinen  nassen Körper abgetrocknet hatte, stellte ich die Musik aus und machte
mich auf den Weg zurück in mein Reich.

Michael, der laut schnarchend bei offener Tür im Bett lag, hatte sich anscheinend gegen Sex entschieden.
Erst jetzt bemerkte ich Samuel in der Küche. Auch er war mächtig angeshakert.
„Du Lucas. Du bist echt ein hübscher Mann. Ich bin zwar ziemlich besoffen, aber das kann ich schon noch feststellen. Was hältst du davon, wenn wir Michael ausziehen?"
schlug er vor.
„Der schläft schon" verhielt ich mich vorerst neutral.
„Was hältst du davon, wenn wir zwei uns dann ausziehen" baggerte er weiter, während er sich
an der Arbeitsplatte meines Küchenschranks aufstützte.
„Ich weiß nicht. Schlaf doch erst einmal deinen Rausch aus"
„Guck mal. Ich hab schon ne Erektion. Darf ich dich mal ein bisschen blasen?" bot er mir an, während er mit der einen Hand an seine Jeans fasste und die andere in meine Unterhose schob.
Was hatte ich schon zu verlieren, Wahrscheinlich war die Sache schnell gemacht.
Ich zog meinen Slip bis zu den Knien runter und lockte Samuel mit meiner halben Erektion.
„Das ist ja ne geile Eichel" freute er sich, wobei ich das letzte Wort kaum noch verstand, weil er sie bereits zwischen den Lippen hatte.
Besonders doll war es nicht, was er an Zungenfertigkeit an den Tag legte.
„Leider ist mein Penis nicht so groß. Guck mal" bot er mir seinen Schwanz an,
doch wendete ich meinen Blick angewidert ab.
„Sorry. Auf Cock-Ring kann ich gar nicht. Pack mal wieder ein" versuchte ich unsere Session zu beenden.

Es gibt wirklich vieles, was mich beim Sex stört.
In diesem Moment wusste ich noch nicht, dass dies erst das Einläuten eine Verkettung von Dingen war, die mir von einem Moment zum nächsten die Lust vertrieben.

Während Samuel mit aller Kraft versuchte, sich den Metallring über die glattrasierten Hoden zu ziehen, bemerkte ich, dass nicht ein einziges Haar in seinen Genitalien zu sehen war.
Glattrasierte Schwänze erinnern mich an Kleinkinder. Es ist mir unerklärlich, wie Menschen sich komplett von ihrer Intim-Behaarung trennen können.
Zwar rasiere ich mir auch mal die Brust und trimme meine Schwanzhaare, doch lasse ich schon noch so viel stehen, dass man sieht, dass es sich um den Schwanz einen Mannes handelt.
„Bleib noch. Ich habe den Ring gleich ab" flehte mich der Handwerker an, während er mit aller Kraft am harten Metallring herum hantierte.

Die peinliche Stille, die dabei aufkam, wurde überraschend unterbrochen.
„Was macht ihr denn hier?" erschien Michael plötzlich hellwach neben meinem Kühlschrank.
Eigentlich wollte ich gerade die Flucht ergreifen, doch hatte ich die Hoffnung, dass der Neuankömmling vielleicht besser blasen konnte, als der blonde Russe.

Auch er kniete sich sofort auf den Boden, um den Pfusch seines Partners wieder gerade zu biegen. Meine Erektion bäumte sich zwar für kurze Zeit ein wenig auf, doch war auch der Biergeruch nicht gerade Lust fördernd.
„Komm. Wir gehen in unser Bett" lockte Martin mich.
„Wir machen so was ja sonst nie zu dritt, aber du bist ja so ein Süßer" spielte er mir vor.
Schon klar, dachte ich mir und versuchte mich mit meiner Frühstück-Verabredung aus der Nummer herauszuholen.
„Nur für einen kleinen Moment. Samuel kommt auch ganz schnell"
Warum ich mich nun auch noch dazu überreden ließ, ihnen zu folgen, weiß ich bis heute nicht.
Ich legte mich auf das dunkelblau bezogene Bett, während Samuel überraschend anfing, Michael zu beschimpfen, weil er sich nicht genug um ihn kümmern würde.
Ein paar aggressive Worte wurden ausgetauscht, sodass ich eine Chance darin sah, mich zu verkrümeln.
„Am besten ich lass euch mal allein" versuchte ich mich abzuseilen, doch hielt Michael mich fest und zog mich an sich.
Während ich auf ihm lag, leckte Samuel mir den Po, so wie Juan es immer machte.
Was tat ich hier nur in unserem gemeinsamen Bett.
Ich schloss die Augen und versuchte, mir vorzustellen, dass ich mit meinem Freund zu Gange war, doch spätestens, als ich dem Vierzigjährigen unter mir in die Haare fasste, war es vorbei mit dem Selbstbetrug.
Das, was ich für volles Deckhaar hielt, entpuppte sich als ein stumpfes Haarteil,
was auf Michaels Kopf befestigt war.
Erschrocken zog ich die Hände zurück. Ich überlegte für einen Moment, wem von uns beiden die Situation wohl unangenehmer sei.
Erst in diesem Moment bemerkte ich, dass Samuel mir soeben ein Kondom über meine schwindende Erektion gezogen hatte.
"Bums meinen Freund. Der mag das. Los!" feuerte er mich an.
„Ich hab gar keine Lust deinen Freund zu ficken. Kannst du vergessen" wurde ich langsam ein wenig genervt.
„Nimmst du eigentlich auch Poppers? Hier…" hielt mir Michael einen weiteren Lustkiller unter die Nase.
Abgesehen davon, dass dieser schreckliche Geruch Übelkeit bei mir verursachte, hatte ich schon immer ein wenig Angst vor dem Zeug, dass die Durchblutung anregen soll.
Schlimmer konnte es kaum kommen.
Mit einem Ruck ließ ich von Michael ab und richtete mich auf.
Ein stechender Schmerz durchfuhr meinen Körper.
Im ersten Moment dachte ich, man hätte mir ein Messer zwischen die Beine gerammt.
Er Sekunden später realisierte ich, dass eine Flüssigkeit über meinen Po und die Eier lief.
War es Blut?
Ich berührte schockiert die feuchte Stelle.
Laut schreiend krümmte ich mich vor Schmerzen.

„Oh. Mir ist die Poppers-Flasche umgekippt" entschuldigte sich der Russe mit kindlicher Stimme.
In Panik rannte ich ins Badezimmer, um meine Weichteile von der brennenden Soße zu befreien, doch alles half nichts.
Das Leiden war unerträglich. Meine Haut war feuerrot und brannte unbeschreiblich.
Hinzu kam der stechende Geruch, der mir von überall in die Nase zog.

Wenig später trampelte ich entnervt zurück ans Bett, um meine Unterhose zu holen.
Die beiden stritten sich gerade wieder über irgendetwas, als ich das Stück Stoff griff.
„Komm zurück. Wir möchten weiter machen. Nur eine Minute. Ich komme gleich"
gierte der Echthaarträger in meine Richtung.

Anscheinend hatten die beiden noch nicht bemerkt, wie geladen ich war.
Ich ignorierte die affigen Worte und knallte die Tür hinter mir zu.
Bei einem Milchkaffee und leckerem Frühstück im Schanzenviertel konnte ich eine Stunde später fast schon wieder über das erlebte Lachen.
Meine Eier brannten nach wie vor, sodass ich meine Hand vorsichtig zwischen Sack und Stuhl legte, um den Druck beim Sitzen ein wenig abzufangen.
Ich hatte mal wieder selbst Schuld. Wieso hatte ich die Sache nicht gleich in der Küche beendet.
Fast sehnte ich die Zeit zurück, in der ich noch eine zu enge Vorhaut hatte.
Phimose kann auch Leben retten.
Damals machte es mir keinen besonderen  Spaß, geblasen zu werden.
Ich hätte mir die kleinen, rasierten Schwänze der beiden angesehen und sofort die Flucht ergriffen.
„Früher war eben doch alles besser"  beendete ich meine Geschichte, bei der sich mein Freund Volkmar vor Lachen beinahe an seinem Rührei verschluckte.

Michael und Samuel sprachen nach ihrer Abreise noch zweimal auf meinen Anrufbeantworter, um sich für das tolle Wochenende zu bedanken.
„Es war wirklich total nett bei dir. So einen tollen Urlaub hatten wir schon lange nicht.
Du bist echt ein so netter Mensch."
Sie lebten anscheinend in ihrer eigenen Welt.


Angst vor sexueller Belästigung brauchte ich bei meinem letzten Gast sicherlich nicht haben - soviel war klar.
In einem virtuellen Kleinanzeigenblatt fand ich die E-Mail-Adresse des Gastes:


Vater-Sohn-Beziehung

Hallo, bin Lehrer, 54/179/96, passiv und suche einen jungen, aktiven Boy (bis ca. 20) wenn möglich unbehaart, Nationalität egal. Komme aus dem Raum Schwarzwald. Vater- Sohn –Beziehung angestrebt.Bitte keine Faker!

 

Die Buchung war für zwei Personen.

 

-------------------> Fotos in Ordmer Kapitel 46

Currently listening :
Hack [US-Import]
By Information Society
Release date: 1990-10-05

1:12 AM - 8 Comments - 16 Kudos - Add Comment

Sunday, July 13, 2008

Kapitel 45 ----> ( vom 13.07.08 )

Kapitel 45

Ein Blick auf mein Online-Konto vermieste mir mal wieder den Tag.
Die grauen Wolken am Himmel gingen mir schon morgens auf die Nerven und das, was ich jetzt vor mir auf dem Bildschirm sah, war bei weitem schlimmer.
Draußen würde am nächsten Tag sicherlich wieder die Sonne scheinen, doch die nächste Finanzspritze war noch in weiter Ferne.
Es war nicht einfach, sich an den Alltag ohne Juan zu gewöhnen, der vor vier Tagen, pünktlich zur Drei heilige Könige-Feier zurück nach Gran Canaria geflogen war.
Nun fehlte mir neben dem Warmen Körper, an den ich mich so schnell wieder gewöhnt hatte, auch noch das nötige Kleingeld, um mich mit Klamottenkaufen oder indisch Essengehen ein wenig abzulenken.

Mein neues Heim musste mir fürs erste reichen, um glücklich zu sein.
Gerade jetzt, wo ich so einsam war.
Vor der Haustür gab es so unwahrscheinlich viele Möglichkeiten, in Bars und Cafés zu flirten, doch  musste ich mich wirklich zusammenreißen, dem Konsum zu widerstehen.
Von wegen Gürtel enger schnallen. Bei den Weihnachtsgeschenken für meine Familie und Juan hatte ich kein bisschen weniger ausgegeben, als in den vergangenen Jahren. Ich hatte sie doch alle noch genauso lieb, wie in der Vergangenheit. Schenken macht mir halt Spaß.
Zudem hatte ich Urlaub und wollte mit meinem extra angereisten Freund etwas erleben.
Wie um Gottes Willen, sollte man da ans Sparen denken.

Ein großes Opfer hatte ich dennoch schon kurz vor meinem Umzug gebracht.
Der geplante Urlaub mit Juan nach London zum Konzert von The Human League wurde
gestrichen.
Schweren Herzens verkaufte ich meine Eintrittskarten für einen Spottpreis  bei Ebay.
Ich wollte meine Helden schon seit Jahren live erleben.
Wenn ich es mir so recht überlegte, war dies eigentlich schon ein gewaltiges Opfer, das ich da gebracht habe. Dennoch reichte dies bei weitem nicht.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Vielleicht touren die Helden meiner Jugend ja irgendwann doch noch einmal durch Deutschland, versuchte ich optimistisch in die Zukunft zu blicken.

„ Minus achthundert Euro. So ein Umzug ist wirklich teuer. Dabei haben wir doch gerade erst den zwölften Januar" stöhnte ich besorgt auf dem roten Sofa meiner besten Freunde.
„Ich habe echt keine Ahnung, wie ich das die nächsten Monate wuppen soll"

„Hast du denn schon mal darüber nachgedacht, Bed und Breakfast anzubieten?
Hätten wir hier noch ein Zimmer mehr, würden sich die knackigen Männer schon lange die Klinke in die Hand geben. Sankt Georg ist doch total beliebt bei den Schwulen."
Während er den Satz vollendete, drückte er sich mit der Hand in den Schritt, sodass ich laut auflachen musste.

„Ja. Schön und gut, aber wo soll ich dann schlafen. Immerhin habe ich nur ein Bett"
überlegte ich laut.

„Ach komm. Du kannst doch auf dem Sofa schlafen oder legst Dir ne Matratze in Arbeitszimmer. Wenn der Gast dir gefällt, kannst du vielleicht noch mit unter die Decke in dein eigenes Bett kriechen" witzelte Ronald weiter.

So schlecht war die Idee wirklich nicht. Wieso war ich nicht schon lange darauf gekommen.
Mit Juan hatte ich zur Expo in Hannover doch auch schon über die schwule Bettenvermittlung eine günstige Bleibe gefunden. Allerdings war das verrauchte Zimmer ziemlich grauenhaft.
Sogar die Heizung hatte der Gastgeber in der ersten Nacht abgestellt.
Traurig war auch das Frühstück. Es bestand aus Butter, Marmelade und zwei Scheiben Toast
für jeden von uns.
In Kopenhagen hingegen, hatten Ronald, Torgan und ich vor einigen Monaten allerdings die komplette Wohnung einer Lesbe zum Spottpreis angemietet.
Die niedliche Küche hat sogar mich als Küchenschreck dazu verleitet, mir bei Kerzenschein ein paar Nudeln zu kochen.
Na gut. Ich hatte mich heimlich an Öl und Salz der Dänin bedient. Dabei hatte sie ihre Gewürze und andere Lebensmittel extra hinter ein paar Töpfen im Schrank versteckt.
Anscheinend nicht gut genug.
Vorsichtig rückte ich alles wieder so zurecht, als wäre ich nie in den Intim-Bereich der Lesbenküche eingedrungen.
Spaghetti mit Butter waren in einer so angenehmen Atmosphäre auf jeden Fall nicht angebracht gewesen.

Ich stolzierte nach meinem Besuch bei Ronal und Torgan abends durch meine neue Wohnung und überlegte, wie man Räume wohl für knackige Gäste nutzen könnte, ohne sich dabei zu sehr einschränken zu müssen.
Mein Schlafzimmer würde ich wohl tatsächlich räumen müssen, zumal es das ruhigste Zimmer der Wohnung war.
Probleme mit Gästen das Badezimmer zu teilen, würde ich auch nicht haben.
Da in der Langen Reihe, also nur zwei Minuten von mir entfernt, drei Bäcker ihre Filialen
hatten, würden frische Brötchen zum Frühstück neben mir das I-Tüpfelchen für temporäre Untermieter sein.
Ich orderte mir übers Internet eine Informations-Mappe für neue Gastgeber und studierte die Bestimmungen in aller Ruhe.
Der Vertrag mit der Agentur beinhaltete Sieben Paragraphen, die Tätigkeit, Vertragsdauer und Rechte und Pflichten regelten. Ich kam mir fast vor, als würde ich wieder in der Verwaltungsschule sitzen. Ein wenig stutzte ich bei folgendem Abschnitt der Anlage

Sex & ähnliches:
Die Gäste kommen aus vielerlei Gründen in die Stadt. Sie haben fast immer etwas anderes vor, als mit ihrem Gastgeber anzubändeln.
Bitte respektiere das wie ein Gentleman.
Sollten Sie sich jedoch trotzdem so wahnsinnig gut mit dem Gast verstehen, dass Sie zum Beispiel von Ihrem Gast gar kein Geld mehr annehmen möchten, so beachten Sie bitte, dass wir in diesem Falle dennoch auf unsere Vermittlungsgebühr bestehen werden.
Ebenso werden wir unsere Provision bestehen, wenn eine Buchung in eindeutiger Weise deshalb storniert wird, weil der Gastgeber seinen zukünftigen Gästen Sexmails schickt oder ihn nach seinen körperlichen Daten abfragt, ETC!

Na, wenn dass nicht heitere Aussichten waren. Wie blöd wäre ich denn, wenn ich einem Gast kein Geld mehr abnehmen würde, nur weil ich mich auch körperlich für sein wohl einsetzte. Da kann ich die Vermietung ja gleich sein lassen.
Gut. Vertrag ist Vertrag und wichtig. Vor allem schien mir alles sehr seriös zu sein.
Meiner Familie würde ich jedenfalls vorerst nichts von der Untervermietung erzählen.
"Nun holt Lucas sich die Mörder auch noch freiwillig in die Wohnung und lässt sich als Drogenhöhle ausnutzen" hörte ich meine Schwester schon laut aufschreien.
Die Herren der Bettenvermittlungen hatten anscheinend an alles gedacht.
Unterstützung bei der gesamten Planung erhielt ich da eher von meinen tollen Freunden Ronald und Torgan.
Es gab nur noch ein kleines Problem:
Wo würde ich denn schlafen? Darüber hinaus benötigte ich Bettdecken, Kopfkissen, Handtücher und Bezüge.
Mit roten Zahlen auf meinem Konto war dies leider nicht so einfach zu machen.
Da ohne Investition kein Gewinn einzustreichen sein würde, lieh ich mir weitere dreihundert Euro von der Bank.
Zwei Wochen nachdem ich meinen Bewerbungsbogen bei der schwulen Bettenbörse eingereicht hatte, kam der Betreiber persönlich vorbei, um mich persönlich kennenzulernen und die Räumlichkeiten für die Internetseite zu fotografieren.
Wir stimmten meinen Übernachtungspreis noch einmal genau ab und unterzeichneten der Vertrag.
Der Run auf mein Bett war eröffnet.
In den folgenden zehn Tagen klickte ich jede zweite Stunde auf die Wohnungsangebote, um festzustellen, ob es nun endlich losgehen würde. Ich brauchte dringend Geld.
Erst am zehnten Tag, sah ich mein vertrautes Schlafzimmer, das Bad und die Küche
auf dem Wohnungsstrich um Freier buhlen.
Eine Woche später hatte ich die erste Buchung in der Tasche.
Gast Nummer Eins  wollte gleich zwei Nächte bleiben.
Stefan Kramer aus Münster. Telefonnummer und e-Mail-Adresse wurden mir mitgeteilt.
Als erstes begann ich das Internet nach Informationen über den Fremden zu durchforsten.
Ob er wohl selbiges mit meinen Daten tat? Er würde sicher seine Freude haben.
Zu meiner Enttäuschung ergaben meine Nachforschungen nur, dass er anscheinend mal in einem Kegelverein aktiv war, was auf ein Alter ab fünfzig schließen ließ.
Per E-Post stimmten wir die Ankunftszeit und Schlüsselübergabe ab.
Unsere Mails waren kurz und knapp. Keiner fragte nach Penislänge oder sexuellen Vorlieben.
Der große Tag rückte immer näher. Entgegen meiner Überzeugung besorgte ich  Wurst, um ein angemessenes Frühstuck zu servieren und stockte meinen Tee-Bestand auf.
Sogar neues Frühstücksgeschirr legte ich mir zu.
Abschließend bat ich  Ronald, gemeinsam mit mir die Türen von Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer, die ich nach meinem Einzug in den Keller verbannt hatte, wieder einzuhängen.
Mein neues Luftbett, für das ich mein Konto um weitere fünfzig Euro überzog, wurde aufgepustet und der Kleiderschrank im Schlafzimmer leer geräumt. Eine meiner Abstellkammern wurde zum begehbaren Klamottenfundus.
Ich war völlig aufgeregt, als ich morgens zur Arbeit ging.
Die Spannung, wer sich da bei mir einnistete, stieg ins Unermessliche.
Gegen zehn Uhr, genau sechs Stunden vor der Anreise des vermeintlichen Lustobjekts, erhielt ich eine SMS der Wohnungsvermittlung.
Nun geht's aber los mit den Buchungen, freute ich mich.
Mit einem Fingerdruck öffnete ich den Text:

Ihre Buchung vom 5.3.2006 wurde seitens des Gastes storniert.
Bitte checken Deine Mail!

Das fing ja gut an. Ich wurde richtig sauer.
Zu Hause studierte ich erst einmal den Vertrag und klagte einem Mitarbeiter der Agentur mein Leid. Zwar würde der Gast eine Rechnung für die erste Nacht bekommen, doch sei nicht zu erwarten, dass er diese zahlen würde.

Da saß ich nun in meiner frisch geputzten Wohnung und lauschte dem leisen Zischen des Luftbettes, dessen Ventil ich vor wenigen Minuten geöffnet hatte.
Meine Stimmung war bald genauso am Boden, wie das nach neuem Plastik riechende Gummikissen, das traurig am Boden klebte.
Als Dank für den Einsatz der letzten Tage, schenkte ich Ronals und Torgan den ollen Schinken, der meinen Kühlschrank verschandelte.
Auch die Türen hängten wir wieder aus, schoben sie aber erst einmal in die Abstellkammer.
Wer weiß, vielleicht würde der nächste Gast ja zuverlässiger sein.

Zwei Wochen später erschien Franko aus Großhansdorf in der Tür.
Mein erster Gast. Er war tatsächlich gekommen. Fast hatte ich nicht mehr damit gerechnet, da er bereits vor zwanzig Minuten da sein wollte.
Ich führte ihn mit meiner freundlichen, charmanten Art durch die Räume und gab ihn meinen Wohnungsschlüssel und erhielt im Gegenzug 30 Euro.
Er war wirklich nett anzusehen. Vielleicht ein wenig zu kräftig für meinen Geschmack, doch würde ich ihn nicht von der Luftbettkannte stoßen, wenn es ihm zu langweilig im Schlafzimmer werden würde.
Das schwule Straßenfest in der Langen Reihe war der Grund seines Kurztrips.
Draußen tobte bereits das laute Treiben, als ich für einen Moment Vertragsbruch begann.
Nicht, dass ich ihn beim Abschied nach seinen Maßen fragte: Vielmehr verlockte mich, das leine Piercing, das sich durch sein enges, weißes T-Shirt abzeichnete dazu, ihm mit dem Finger über die Brust zu streichen, was ihm sichtlich gefiel.
„Wir sehen uns ja sicherlich auf dem Fest. Spätestens morgen früh, ok?" lachte er erfreut und ging.
Nachdem ich mich mit Freunden auf  der Langen Reihe vergnügt hatte und von einem Glas Rotwein total besoffen auf meiner dicken Luftmatratze hin- und her schaukelte, hörte ich den Untermieter nach Hause kommen.
Gerade riss ich mich erneut zusammen, nicht zu wichsen, damit ich mich für den kommenden Morgen aufsparte. Das rhythmische Wackeln meiner Matratze wäre der ideale Untergrund für Schwanzgymnastik gewesen.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es wenige Minuten vor Mitternacht war.
Ich hielt den Atem an und lauschte, was sich in meiner Wohnung abspielte.
Ein paar Schritte führten den Gast ins Schlafzimmer. Ich vernahm das surren eines Reißverschlusses, welches wahrscheinlich eher von seiner Reisetasche, als von seiner Jeans kam.
Im Anschluss hörte ich undefinierbares Geräusch im Flur.
Die Haustür wurde wieder geöffnet und von außen geschlossen.
Neugierig blickte ich durch die Lamellen meiner weißen Jalousie in den Innenhof und konnte den Großhansdorfer beobachten, wie er mit seiner Reisetasche das Weite suchte.
Entsetzt hüpfte ich von meiner elastischen Matratze, um mich davon zu überzeugen, dass der nette Typ tatsächlich abgereist war.
Auf dem Bett lag der Wohnungsschlüssel. Mit einer Rückkehr war definitiv nicht zu rechnen.
Sauer und enttäuscht warf ich die blöde Bettdecke samt Kopfkissen auf den Boden,
schnappte mir meine Schlafutensilien und zog zurück in mein eigenes Schlafzimmer.
War ich am Ende doch zu aufdringlich, als ich den Gast berührt habe?
Nachdem ich gewichst hatte, schlief ich ein.

Aufklärung erfolgte am nächsten Nachmittag.
Kurz nachdem ich Ronald und Torgan mal wieder mit meiner abgepackten Wurst erfreut hatte, empfing ich eine kurze e-Mail:
Vielen Dank für die nette Gastfreundschaft. Habe noch die letzte Bahn bekommen.
Leider habe ich keinen Zettel und Stift gefunden, um eine Nachricht zu hinterlassen.
Lieben Gruß Marcel

Immerhin hatte ich ja die Kohle, die ich gleich auf mein Konto einzahlte.
Zu den schwulen Stadtmagazinen, Fahrplänen und Touristenbroschüren gesellten sich
ein Block Papier und zwei Kugelschreiber.
Ich war ja lernfähig.
Ehrlich gesagt, hatte ich mir das mit der Vermietung alles ein wenig anders vorgestellt.
Wo waren denn die willigen Männer, die es darauf anlegten, den attraktiven Gastgeber zu vernaschen.

Ein junger Mann aus Berlin, ließ mich zwei Wochen später wieder hoffen.
Das Ein- und Aushängen der Türen hatte ich mir in der Zwischenzeit abgewöhnt.
Bereits aus dem Worldwide Web erfuhr ich, dass er bei einer bei einem Pharmaunternehmen arbeitete.
Überraschend jung sah er aus.  Wie ich erfuhr, war er drei Jahre älter als ich und für vier Tage in Hamburg, um Mitarbeiter einer Außenstelle seines Unternehmens zu schulen.
Während wir uns im Flur gegenüberstanden fiel mir auf, das sein Blick sich immer häufiger auf die Knöpfen meiner Jeans konzentrierte, als auf mein Gesicht.
Ich nutzte die Momente, um ihn von oben bis unten zu mustern.
Der hellbraune Anzug ließ keine Wölbung erkennen. So war es mir möglich, mich auch mit dem Rest seines Wesens auseinander zu setzen.
Die blonden Haare waren sehr kurz rasiert, da sie allem Anschein nach nicht mehr besonders kräftig wuchsen.
Sein Gesicht wirkte unschuldig und erinnerte mich an den achtjährigen Sohn einer Kollegin.
Unterstrichen würde das knabenhaft durch seine angenehm helle Stimme.
Bernd und ich unterhielten uns prächtig und alberten noch eine Weile herum, bevor wir ins Bett gingen. Natürlich jeder in das für ihn bestimmte.
Die Kohle hatte ich mir sicherheitshalber gleich geben lassen. Wer weiß, ob ich ihn am nächsten Morgen noch wiedersehen würde.
Da ich am Donnerstag erst später anfange zu arbeiten, verabredeten wir uns für ein gemeinsames Frühstück am Küchentisch.
Um acht Uhr in der früh, saß ich geduscht am Tisch.
Kaffe, Käse, Wurst, Marmelade, Honig und ich warteten darauf, vernascht zu werden.
Während Marcel sich noch im Badezimmer zurecht machte, überlegte ich, wie ich ihn am besten für mich gewinnen konnte.
Ich zog meine Jeans wieder aus und kletterte in eine verbeulte Jogginghose, die mein bestes Stück unauffällig ins rechte  Licht rückte.
„Ich hab richtig toll geschlafen. Nur war ich leider ein wenig allein. Was soll's.
Nun sitzt du ja vor mir" grinste der nette Mann, der seinen wirklich hübschen Körper
in Boxershorts und engem T-Shirt präsentierte. Alles war am richtigen Platz.
„Kaffee?" fragte ich erstmal unschuldig.
„Ja gern" freute er sich über meinen Rundum-Service.
Ich stand auf, nahm die Kanne aus der Maschine und goss uns beiden etwas der warmen Brühe in die Tassen.
„Ein besonders toller Kaffeekocher bin ich eigentlich nicht" log ich.
Schnell huschte ich zurück auf meinen Stuhl, da sich langsam eine Erektion in meiner Jogginghose abzeichnete.
Ich erzählte ein wenig von Juan und meiner Fernbeziehung, da ich mit niemandem ins Bett gehe, ohne das er weiß, das ich glücklich verliebt bin.
Schwule sind in diesem Bereich ja in der Regel recht offen, also hätte es Marcel nicht wirklich überraschen müssen, als ich ihm zwanzig Minuten später beim Abräumen des Tisches auf den Mund küsste.
„Also damit hab ich ja nun überhaupt nicht gerechnet" stotterte er während sein Gesicht knallrot anlief.
„Na wenn Du mir die ganze Zeit so konzentriert auf die Hose guckst, hast du dir den doch verdient"  rechtfertigte ich mich.
Mit einem Mal stand er auf, drückte sich fest an mich und erwiderte meinen Schmatzer.
Plötzlich wurde der jungenhafte Mann wild wie ein Tiger, zog mir die Hose herunter und sog sich an meinem Schwanz fest.
Genau so habe ich mir Bed & Breakfast im Hause Timm eigentlich vorgestellt.
Es dauerte nur weinige Minuten, bis ich zum Höhepunkt kam, da Marcel ein unglaubliches Talent an de Tag legte.
Erfreut bedankte ich mich und  ging ins Bad, um die Reste seiner Spucke wegzuwaschen.
Inzwischen war ich ein wenig spät dran und musste mich beeilen, wenn ich noch pünktlich ins Büro kommen wollte.
Während ich meine Jacke anzog, hatte sich der Tiger erneut angeschlichen und versuchte erneut, sich an meinen Schwanz fest zu lutschen.

Normalerweise reicht mir ein Orgasmus pro Tag, doch schien mein kleiner Freund nach wie vor erfreut aus Berührungen zu reagieren.
„Nun aber schnell. Ich muss los"  feuerte ich den zahlenden Gast ein wenig barsch an.
Dieses Mal kamen wir beide. Der Laminatboden im Flur war völlig verdreckt.
„Nimm einfach ein paar Tücher von der Küchenrolle. Bis nachher" Weg war ich.
Richtig nett war es nicht von mir, aber es war höchste Zeit.
Ich war mir sicher, dass Marcel mich verstehen würde.
In der Mittagspause rief ich gleich bei Ronald im Büro an, um ihm von meinem willigen Untermieter zu berichten. Nur mit allerletzter Kraft konnte ich ihn davon abhalten, abends vorbei zu kommen.
In den folgenden zwei Tagen wurde ich so oft geblasen, wie noch nie zuvor in meinem Leben.
Meine Eichel war knallrot und tat bei jeder Berührung weh, doch ließ Marcel sich einfach nicht vertrösten.
Nachts waren die einzigen Stunden, in denen ich mich erholen konnte.
Zwar lud mich der Untermiete mit der flinken Zunge ein, im Schlafzimmer an seiner Seite zu bleiben, doch war ich wirklich froh, allein zu sein.
Abgesehen davon, ließ mein Gewissen Juan gegenüber auch derartiges nicht zu.
Am letzten gemeinsamen Abend mit Marcel saß ich mal wieder frisch gelutscht mit ihm in meinem Wohnzimmer und guckte die Tagesschau im Fernsehen.
„ So. Nun muss ich auch mal meinen Freund anrufen. Ich hoffe, du kommst auch zwanzig Minuten ohne mich zurecht" lachte ich ihn an, während ich aufstand.
Marcels Reaktion war eine ganz andere, als ich erwartet hatte:
„Was? Du rufst deinen Freund an? „
„Ja. Ich bin aber nachher gern wieder für dich da"
Noch hatte ich den Ernst der Lage nicht gepeilt.
" Wie kannst du nur deinen Freund anrufen? Ich dachte das mit uns sei etwas Besonderes?"
So langsam verstand ich, was da gerade vor sich ging.
Konnte ein Mann, der auf die vierzig zu ging wirklich so weltfremd sein und gleichzeitig so wenig Ahnung vom schwulen Leben  haben?
„ Du hast doch wohl jetzt nicht gedacht, dass ich meine zehnjährige Beziehung für dich beende, oder? „
Seine Miene versteinerte sich. Wut stieg in sein Gesicht.
Ich zog es vor mich zurückzuziehen und meinen gewohnten Kamera-Chat mit Juan abzuhalten.
Ein wenig unangenehm war es mir schon, meinem Freund ins Gesicht zu gucken, als wäre gerade nichts passiert, doch war ich mir andererseits auch keiner Schuld bewusst.
Laut unserem Beziehungsvertrag hatte ich nicht gegen die Regeln verstoßen.
Dennoch fühlte ich mich schuldig, als ich seinen drolligen Blick am Computer sah.
Da ich ihn niemals belügen würde, erzählte ich von einem netten Gast, der allerdings zum Glück am nächsten morgen wieder abfahren würde.

Als ich das Zimmer wieder verließ strafte mich Marcel mit bösen Blicken uns Schweigen.
Erst drei Stundens später saugte er sich ein letztes Mal an mir fest.
Am nächsten Morgen verließen wir gemeinsam das Haus und verabschiedeten uns für immer.
Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört. Ausbeute: Neunzig Euro für mein Konto, zehn Orgasmen und eine wunde Eichel.

Natürlich lief es nicht mit allen Gästen sexuell so einfach, wie mit Marcel.
In der Regel reichte es mir schon, einen Blick durch das Schlüsselloch im Schlafzimmer zu werfen, wenn ich lautes Sexgestöhne von meiner Urlauber-Matratze hörte.
Da das Bett genau gegenüber der Tür steht, konnte man sich schnell ein Bild des Treibens machen, wenn die helle Nachttischlampe dam Zimmer eine erotische Stimme verlieh.
Aber schon allein das Quietschen der Matratze und lustvolle Keuchen der Gäste erfreute mich ungemein.

Es dauerte nicht lange und jedes Wochenende kamen neue Gäste.
Ich kam oftmals kaum mit dem Reinigen der Bettwäsche hinterher und musste meinen Bestand aufstocken.
Immer seltener führte mich der Weg zum Geldautomat, da die Gäste immer bar zahlten.
Mein Girokonto erholte sich überraschend langsam von seinen Strapazen, da es für mich nicht immer einfach war, mein Geld nicht sinnlos zu verprassen.

Vereinzelt gab es auch Buchungen von Frauen, die sich bei mir einmieteten.
Obwohl diese Besuche die entspannendsten überhaupt sind, weil man sich nicht gegenseitig abchecken muss, erschrak ich jedes Mal beim Öffnen der Mail mit den Kontaktdaten einer Lesbe.
Bei dieser Art von Besuch entfällt die ganze Abcheck-Geschichte, die man bei einem Schwulen erstmal abarbeiten muss.
Im Regelfall fragt man sich immer: Will ich etwas vom Untermieter? Will er etwas von mir?
Sind die Gäste ein Paar? Haben sie eine monogame Beziehung?
Wollen die beiden etwa einen Dreier? Passen wir überhaupt nicht zusammen?
Schlaf ich selbst lieber gleich woanders?
Mit Frauen ist es viel einfacher. Die Fronten sind im Vorfeld geklärt.
Vielmehr beschäftigten mich immer wieder andere Gedanken:
Haben die Frauen ein Problem damit, in der Wohnung eines Mannes zu wohnen?
Finden sie es eklig, dass ich im Stehen pinkle?
Sind es Männer-Hasser?
Im Umkehrschluss würde es bedeuten? Muss ich Angst vor Samenraub haben?
Was machen Sie mit ihren Binden und Tampons?
Sollte ich extra für sie einen Badezimmer-Mülleimer kaufen?
Nein. Das würde zu weit gehen. Wer seine Binden in einen Hygieneeimer werfen will, muss sich schon einen eigenen Behälter mitbringen.
Würden die, die ihren Reise-Eimer nicht dabei haben  am Ende meine Toilette mir ihren aufgequollenen Watte-Stopfern verstopfen?
Also so ganz einfach war das alles doch nicht.
Lesbische Gäste waren immer gern gesehen, auch wenn sie mir die Chance nahmen, ein weiteres Mal Männer-Sex zu belauschen.
Sicherheitshalber schlief ich in besagten Nächten mir Oropax. Ich weiß nicht, ob mir Frauenbesuch immer noch so lieb gewesen wäre, wenn ich Dildo-Schmatzen oder Leckgeräusche durch meine Tür gehört hätte.

Immer wieder kam es vor, dass Gäste buchten, die ein Auge auf mich geworfen hatte, ohne dass ich Signale ausgesendet hatte.
So erschien eines Tages ein recht merkwürdiges Männer-Paar aus Berlin an meiner Wohnungstür.
Ein ehemaliger Punk, den ich auf Mitte vierzig schätzte und sein schwuler Kumpel
Friedhelm, den ich auf den ersten Blick für den Direktor von Zirkus Roncalli hielt.
Die langen Haare und das leicht versoffene Gesicht des Frührentners, den ich auf Sechzig schätzte, hatten etwas von einem Clown.
Während ich beide höflich begrüßte, vielen die ersten doppeldeutigen Bemerkungen.
„So, so…das ist also unser Zimmer. Da hat man ja gen mal jemanden drin" röhrte Günther, der jüngere der beiden.
Ich überhörte den Satz des Armyhosen-Trägers einfach und führte sie durch die anderen Zimmer.
„Trinkt ihr Kaffee oder Tee zum Frühstück? „ leierte ich meine Standartfragen herunter, ohne dabei besonders herzlich zu sein.
„Liegst du dann auch auf dem Tisch?" baggerte Günther weiter auf unterstem Niveau.
Ich verdrehte auffällig die Augen, obwohl ich es im selben Moment bereute.
Immerhin war ich hier der Gastgeber und hatte mein Geld noch nicht erhalten.
„Zwei Nächte sind also achtzig Euro" blätterte der Alte in seinem Portemonnaie und drückte mit einen Fünfziger und zwei Zwanziger in die Hand.
„Stimmt so"
Seine Finger berührten meine etwas länger, als mir lieb war.
Schnell verabschiedete ich mich und verkrümelte mich in die Stadt, um mich beim CD-Shoppen und Kaffeetrinken ein wenig abzureagieren.
Als ich gegen Abend die Wohnungstür aufschloss, lauschte ich vorsichtig in meinen Flur.
Es schien niemand zu Hause zu sein.
Ich hing meine Jacke an die Garderobe, als mein Blick ins geöffnete Gästezimmer viel.
Für gewöhnlich freue ich mich, wenn meine Untermieter mir vertrauen und die Tür nicht schließen. Ich selbst tue dies bei Sympathie auch nicht.
Allerdings hätte ich mir den Blick auf den Nachttisch lieber erspart.
Neben drei Porno-Videos, einem kleinen Eimer Gleitcreme und Handschellen standen zwei Dildos, die so groß waren, dass meine fünfundzwanzig Zentimeter hohe Nachttischlampe daneben wie ein Fingerhut aussah.
Für einen Moment überlegte ich, ob ich die Tür einfach selbst schließen sollte, doch würde dadurch ersichtlich sein, dass ich die Sex-Spielzeuge überhaupt bemerkt hatte.

Erschrocken und angeekelt rief ich Undine an, die sich vor Lachen krümmte.
„Amüsier dich mal. Wenn ich Pech habe, werde ich heute Nacht in Handschellen genommen
und wie eine Gans gestopft" schrie ich übertrieben aufgeregt in den Hörer.
Der Gedanke schien mir nicht gerade abwegig zu sein.

Erst gegen ein Uhr nachts kehrten die beiden Gestalten Heim.

Die Prolls  waren nicht gerade rücksichtsvoll und rissen mich aus tiefstem Schlaf.
Türen wurden geknallt und ein „ Komm ins Bett du geiles Stück Scheiße „ war auch nicht zu überhören.

Zum Glück wurde die Zimmer mit einem lauten Ruck ins Schloss geworfen, sodass ich mir
Näheres nicht weiter ausmalen musste.
Die Nacht war viel zu kurz für mich. Ich träumte schlecht und wachte immer wieder auf.
Um sechs Uhr in der Frühe schlich ich mich ins Badezimmer, um mir die Zähne zu putzen.
Endlich Freitag, freute ich mich, als überraschend die Tür geöffnet wurde.
Wieso war ich auch so nachlässig und hatte das Schloss nicht verriegelt.
Der Ex-Punk grinste mich an und kratzte sich verschlafen in den rotbraunen Haaren
Auf seinem Kopf.
„Darf ich? Wir sind doch richtige Männer. Da stört das doch nicht"
Ohne eine Antwort abzuwarten zog es sich die Unterhose herunter und setzte sich auf die Klobrille neben dem Waschbecken.
Wenn der jetzt noch anfängt zu kacken, dann kotz ich ins Waschbecken, ging es mir durch den Kopf.
Von wegen Männer. Der Typ pinkelte im sitzen. Glück gehabt!
Vielleicht tat er es nur so, um mir auf die Schlafanzughose zu gucken, die nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt war.
Während ich mir den Mund am Wasserhahn ausspülte, fühlte ich plötzlich seine Hand an meinem Schwanz. Als ich mich erschrocken wieder aufrichtete, war meine Eichel bereits zwischen seinen Lippen verschwunden.
Im selben Moment hörte ich Schritte auf dem Flur. Alles ging so schnell, dass ich gar nicht wusste, wie mir geschah.
In der Sekunde, wo der Zirkusdirektor die Badezimmertür öffnete, stieß ich den Lutscher von mir und flüchtete entsetzt in mein Zimmer.
Innerhalb von nur einer Minute hatte ich mich komplett angezogen, meine Arbeitstasche geschnappt und die Wohnung verlassen.
Heute gab es keine frischen Brötchen. Das Graubrot müsste reichen.
Um nichts in der Welt hätte ich mich wieder zurück in die Sexfalle getraut.

Nach der Arbeit verabredete ich mich mit Ronald, der mich in meine Wohnung begleitete.
Ich war fest entschlossen, die kommende Nacht trotz des Vorfalls bei mir zu verbringen.
Aus meinen eigenen vier Wänden würden die zwei Idioten mich nicht vertreiben.

Dennoch war ich mir nicht ganz sicher, was mich bei meiner Rückkehr erwarten würde.
Während im Schlafzimmer ein Schwulenporno für frivole Unterhaltung sorgte, stand der Ex-Punk Günther in Unterhose vor der Waschmaschine.
„ Sorry. Uns ist da ein Malheur mit dem Badezimmervorleger passiert. Den haben wir gleich mal in die Wäsche gegeben. Ist ein wenig dreckig geworden „ entschuldigte er sich kleinlaut.

„Ich denke, ich komm im Moment allein zurecht" verabschiedete ich Ronald und verbarrikadierte mich als nächstes ins Badezimmer.
Den Schlüssel drehte ich gleich zweimal um.
Ist das Leben wirklich ein Ralf-König-Comic oder was war hier los?
Auf dem Toilettenkasten stand ein Spülball, der mir klarmachte, dass mein Teppich anscheinend Opfer eines misslungenen Einlaufs geworden ist.
Na immerhin machen sie ihren Dreck selbst weg, versuchte ich mir die Situation positiv zurecht zu rücken.
Ich fühlte mich mit einem Mal total schmutzig und ekelte mich sogar vor der Türklinke und meinem eigenen Handtuch.
Trotz Duftstoff-Allergie drückte ich mir ein Paar Tropfen Seife aus dem Spender und öffnete den Wasserhahn.
Das warme Nass spritze zu meiner Verwunderung in alle Richtungen, sodass mein grünes
Baunwoll-Shirt voller feuchter Flecken war.
Bei genauerem Hingucken bemerkte ich, dass der ringförmige Siebeinsatz des Wasserhahns fehlte.
Entnervt rannte ich in die Küche.
„ Tschuldigung? Was habt ihr denn mit dem Wasserhahn gemacht?"
„Nichts. Was ist denn los? „ spielte Günther den Unschuldigen.
„ Das Sieb fehlt. Ich hoffe, ihr besorgt ein Neues. So kann es jedenfalls nicht bleiben"
Mein Gast guckte etwas belämmert, sagte aber weiter nichts.

Während ich mich für den Rest des Abends in mein Zimmer verkrümelte, liefen die Pornofilme im Nachbarzimmer in Dauerschleife.
Es war nur schwer, die billigen Dialoge und ewigen „ I gotta come „ – Ausrufe mit meiner Madonna-Musik zu übertönen.
Erst gegen zwanzig Uhr verließen die Horror-Gäste die Wohnung. Wahrscheinlich waren sie unterwegs, um ein paar Typen zu vergewaltigen oder weitere Häuser zu beschädigen.
Ich nutzte meine Chance, schloss mich im Badezimmer ein und duschte mich.
Die Luft war feucht vom tropfnassen Frotteevorleger, der über der Heizung hin und ein Überschwemmung auf dem Boden hinterlassen hatte.
Von einem Schleudergang hatten die beiden außerhalb des Bettes wohl noch nichts gehört.

Mit einem Stapel frischer Klamotten und einer Flasche Mineralwasser verkroch ich mich wieder in meinem Arbeitszimmer.
Zuvor hatte ich den beiden noch den Frühstückstisch in der Küche gedeckt und eine kleine Notiz hinterlassen.
„Kommt gut zurück nach Berlin. Den Schlüssel bitte in den Briefkasten werfen. Gruß Lucas"

In dieser Nacht schloss ich meine Zimmertür sicherheitshalber von innen ab. Wer wusste schon, ob die beiden nicht so dreist waren und sich in mein Zimmer schlichen, wenn ich schlief"
Gegen fünf Uhr in der Frühe wurde mein Albtraum wahr.
Die Türklinke wurde erst vorsichtig und dann noch einmal kräftig heruntergedrückt.
Ich war sofort hellwach und konnte vor Anspannung kaum Atmen.
Wie versteinert saß ich aufrecht und verkrampfte meine Finger im Kuschelkissen.
Durch die Ritze am Boden konnte ich Licht im Flur sehen.
„Lucas? Mach doch auf. Lucas" schrie Günther völlig ungeniert.
Ich antworte nicht. Für einen Moment überlegte ich, ob ich aus dem Fenster im ersten Stock springen sollte, um mich zu retten.
Nachdem auch hartnäckiges Klopfen an meiner Zimmertür nichts nützte, schlurfte Günther zurück ins Schlafzimmer und meinte lautstark zu Friedhelm:
„ Die Sau macht nicht auf"
Nur wenige Minuten später durften meine Ohren Zeugen einer lauten Verbal-Sex-Show werden.
Immer wieder knallte eine Hand auf einen Arsch. Lustvolle Schreie hallten sicherlich bis ins Dachgeschoss.
„ Du geiles Stück. Jetzt besorg ich es dir"
„ Jaaa… geil… jaaaaaa"
Erst nach zwanzig Minuten hatte die Lärmbelästigung ein schreiendes Ende gefunden.
Es war unglaublich.

Für mich war die Nacht gelaufen. Um sechs Uhr gab ich die Hoffnung auf, noch einmal einzuschlafen.
Übermüdet zog ich leise mir meine bereitgelegten Klamotten an und schlich mich ungewaschen aus dem Haus.

Zu meiner Erleichterung lag der Wohnungsschlüssel nachmittags in meinem Briefkasten.
Die Hottentotten hatten mein reich verlassen.
Ich riss die Fenster im Gästezimmer auf, stopfte die mit Sperma und Bremsspuren verdreckte Bettwäsche in die Maschine und begann, die Wohnung zu desinfizieren.

Erschöpft sackte ich abends auf mein grünes Ledersofa.
Doch was war das?
Auf dem Beistelltisch stand eine bunte Metalldose mit Roibuschtee.
Danebenlag ein Zettel auf dem mit krakeliger Handschrift eine Notiz hinterlassen wurde:


Lieber Lucas,
vielen Dank für die schönen Tage in Hamburg.
Die Wohnung ist wirklich hübsch gelegen und das Bett hat uns auch glücklich gemacht.
Du bist wirklich ein ganz Netter.
Wenn wir das nächste Mal wieder in Hamburg sind, kommen wir garantiert wieder
zu Dir.
Lass Dir den Tee schmecken!

Liebe Grüße
von
Friedrich und Günther

PS. Wir haben Deinen Wasserhahn noch repariert. Der war kaputt.


Das Geschenk wanderte direkt in den blauen Mülleimer in der Küche.
Ich überlegte ernsthaft, die ganze Bed & Breafast-Geschichte einzustellen.

---> Fotos siehe Ordner Kapitel 45

















Currently listening :
Dare!-Remastered
By the Human League
Release date: 2003-01-30

1:47 AM - 6 Comments - 12 Kudos - Add Comment

Sunday, July 06, 2008

Kapitel 44 ----> ( vom 06.07.08 )

Kapitel 44


Schwer bepackt stand ich vor dem dreistöckigen Wohnhaus in der Stoeckhardtstraße.
Ich hatte mal wieder mehr eingekauft, als ich tragen konnte.
Die Plastiktüten, die ich kurz zuvor im Supermarkt an der Ecke vollgestopft hatte,
hinterließen tiefe Abdrücke in meiner Hand, als ich sie auf den Boden stellte,
um mein Schlüsselbund aus der Seitentasche meiner Jeansjacke zu holen.

Als ich die Tür öffnete, hörte ich lautes Geschrei aus der Erdgeschosswohnung meiner Hausmeisterin.
Seitdem sie ihr Mann wegen einer anderen verlassen hatte, war sie meistens unerträglich.
Vor allem ihre Kinder hatten unter ihren Launen zu leiden.
Eine Etage höher fiel gerade die Haustür des schwedischen Rentners vor meiner Nase ins Schloss.
Sicherlich hatte ich ihn gerade mal wieder dabei überrascht, wie er neugierig ins Treppenhaus gelauscht hatte.

„Selber Guten Tag „ murmelte ich genervt vor mich hin.
Da lobte ich mir doch die Rentnerin, die ebenfalls im zweiten Stock wohnte, wie ich.
Frau Richter. Eigentlich eine bemitleidenswerte Person.
Seit den Sechzigern wohnte sie mit ihrem Ehemann in der kleinen Zweieinhalbzimmerwohnung, die nur wenige Quadratmeter größer war, als meine.
Ein kleiner Stehbalkon zur Straße war allerdings ein Vorteil, um den ich sie heimlich beneidete.
Die beiden passten ganz gut zusammen und waren ein eingespieltes Team.
Ähnlich wie bei meinen eigenen Großeltern, gab es eine recht altmodische Rollenverteilung.
Herr Richter war recht dominant und fällte alle wichtigen Entscheidungen, während seine Frau für den Haushalt zuständig war.
Am Wochenende kamen die Kinder und Enkel zu Besuch und im Herbst fuhren alle gemeinsam für eine Woche nach Dänemark.
So war es all die Jahre.
Vom Leben erfüllt berichtete mir die Hausfrau immer wieder gern, was für Neuigkeiten es in der Nachbarschaft gab.
Da ich von Natur aus am Leben meiner Mitmenschen interessiert bin, besuchte ich sie von Zeit zu Zeit, um mich bei einer Tasse Tee auf ihrem Cordsofa über den neusten Stand der Dinge in Hamburg-Hamm zu informieren.
Während Herr Richter aufs einem alten Sessel saß und kitschige Tiger-Bilder knüpfte,
kritisierte er unterschwellig die Qualität meiner Treppenhausreinigung oder erwähnte die Musik, die ich mal wieder zu laut gedreht hatte.
Nur ein einziges Mal in all den Jahren, knallten bei uns die Türen.
Nachdem ich von einem anstrengenden Arbeitstag vom Büro nach Hause kam, knallte mir im Treppenhaus unerträglicher Essengeruch entgegen.
Das fettige Fleisch, das irgendwo in einer Küche vor sich hin brutzelte, war für mich als Vegetarier nicht auszuhalten..
Ich öffnete das Flurfenster, weil der Gestank sich schon durch die dünnen Ritzen meiner Haustür in mein Reich schlängelte.
Nur zehn Minuten später hörte ich ein lautes Klappen.
Mit angehaltenem Atem blickte ich aus meiner Wohnung. Tatsächlich hatte jemand die Frischluft-Luke wieder geschlossen.
Ich fragte mich, was wohl in den Köpfen meiner Nachbarn vorging, eilte die Stufen auf Strümpfen wieder hinunter, um die von mir gewählte Not-Belüftung wieder herzustellen.
Es vergingen nur zwei Minuten und schon tapste erneut jemand an meiner Fußmatte vorbei.
So nicht, ärgerte ich mich.
Nachdem sich dieses Spielchen in der nächsten Stunde noch dreimal wiederholte, klingelte ich bei den Richters, die ihren Namen wohl ein wenig zu wörtlich genommen haben, um die Sache auszudiskutieren.
„ Wieso wollen Sie hier eigentlich bestimmen, ob wir zum Fenster hinaus heizen oder nicht"
kötterte die Dame in Kochschürze mich ungewohnt barsch an.
Zu meinem Leid bemerkte ich, dass der unerträgliche Bratengeruch auch noch aus der
gerade geöffneten Wohnungstür kam. Nun war eh alles verloren.
Fast musste ich mich übergeben.
„Bei dem Essengeruch, der aus ihrer Küche kommt, ist es leider anders nicht zu ertragen.
Mein Wohnzimmer stinkt schon widerlich nach fett" erwiderte ich noch relativ gelassen.
„ Wir wohnen hier schon seit vierzig Jahren und noch nie hat es jemand gewagt, sich über unsere Kochkünste zu beschweren" schrie der Alte, während er mir rotem Kopf ein paar Schritte im Flur auf mich zu machte.
„Jedenfalls bleibt das Fenster auf" entschied ich und trippelte ein weiteres Mal die Stufen runter und anschließend wieder hoch.
„Sie wollen uns wohl ärgern. Wenn das Fenster in zehn Minuten nicht wieder geschlossen ist, dann können Sie aber etwas erleben „
Herr Richter drückte seine dicke Frau zurück in die Wohnung und knallte die Haustür so laut zu, dass es sicherlich noch auf der anderen Straßenseite zu hören war.
Ich tat es ihm gleich.
Als ich so im Flur stand und mein genervtes Gesicht im großen Spiegel sah, musste ich fast lachen. Nachbarschaftsstreit? Ich? Wegen eines Fensters?
Ich erkannte mich selbst nicht mehr. Blödes Spiesserhaus, ärgerte ich mich.
Um des lieben Frieden Willen verschloss ich das Streitobjekt bereits kurz darauf, sparte aber auch dabei nicht mit Kraft.
Fast wäre die Glasscheibe heraus gebrochen, was sicherlich auch eine Lösung des Problems hätte sein können.
Auf diese Weise entging mir leider die von Herrn Richter angekündigte Überraschung, die ich bei weiterem Aufmucken erlebt hätte.
Stolz auf mich, entschied ich mich, den Rest des Tages im Hammer Park zu verbringen.
Von wegen aus dem Fenster hinausheizen. Es war Mitte Oktober und draußen schien die Sonne.
Zwei Wochen später war die Sache längst wieder vergessen.
Wie jeden Sonntag hatte ich mir frische Brötchen vom Bäcker in der Carl-Petersen-Straße
geholt.
Auf dem Weg dorthin traf ich den fetten Grauhaarigen aus dem gegenüberliegenden Gebäude.
Wie immer trug er seinen graublauen Jogginganzug.
Es gab Tage, an denen er freundlich zu mir herüber winkte, doch wusste ich von einem Kaffeeklatsch nebenan, dass er gern über mich tratschte.
Wie er entsetzt feststellen musste, gehörte ich zum Kreise der Männer, die ..vom anderen Ufer.. sind.
„Das finden wir nicht schön. Sie sind so ein netter Mensch. Herr Hundertmark hat nur lange Weile und schimpft über jeden hier. Manchmal sitzt er sogar mit einem Fernglas hinter der Gardine und lugt in fremde Fenster „  entrüstete sich Frau Richter noch vor ein paar Wochen.
Obwohl ich ein ähnliches Hobby hatte, wie der böse Griesgram, hegte ich keine große Sympathie für den Spanner-Rentner.

"Herr Timm. Ich muss sie mal sprechen. Was Sie da machen, dass geht nicht.
Sie und ihre wechselnden Bekannten laufen splitternackt durch die Wohnung.
Hier wohnen doch Kinder im Haus. Wenn die so etwas sehen."

„Wo wohnen denn hier Kinder in der Straße „ wunderte ich mich ein wenig, denn außer dem kleinen Baby in der Erdgeschosswohnung in der Nummer Sieben und den heranwachsenden Jungen der Hausmeisterin im eigenen Gebäude, hatte ich hier noch keine Kinder bemerkt.

„Ich meine das ja nur nett. Meine Frau hat sich auch schön mächtig aufgeregt"
„Übrigens trage ich immer eine Unterhose, wenn ich mich in meiner Wohnung bewege.
Da müssen Sie wohl in Zukunft noch ein wenig genauer hinsehen „
Verabschiedete ich mich erhobenen Hauptes.
Sollte seine Frau sich doch freuen, wenn sie statt dem verfetteten Rentner auch mal meinen knackigen Körper zu Gesicht bekommt. Aber vielleicht war auch gerade die Begeisterung
Seiner Ehefrau das eigentliche Problem.

Von wegen wechselnde Bekannte. Wahrscheinlich meinte er meinen Hetero-Freund Marco,
der mir vor zwei Tagen meine neue Jalousie anbringen wollte und dann über Nacht geblieben war. Ich hätte ihn zwar gern mal nackt gesehen, hätte dafür aber wahrscheinlich den Feldstecher von gegenüber benutzen müssen.
Verärgert versuchte ich die schlechte Laune mit einem neuen Song meiner Lieblingsband The Ark aus Schweden wieder anzuheben.
Es dauerte nur wenige Takte, denn der androgyne Sexgott und seine Musiker waren ja nicht ohne Grund meine absoluten Favoriten.
Singend hüpfte ich durch die Wohnung und trällerte mit dem Sänger Ola Salo um die wette: „Hopp Hopp Hoppla Op Op Op Op Opera „, während ich den Frühstückstisch deckte
und Milch aufschäumte.
Für einen Moment überlege ich, ob ich mich bis auf die Boxershorts ausziehen sollte.
Mein T-Shirt flog aufs Sofa.
Mit einem Lächeln auf den Lippen bewegte ich mich zum Fenster.

Der Fettsack stand tatsächlich dort und gierte herüber. Allerdings war sein Kopf zur Straße gesenkt. Trotz meiner Show schenkte er mir keinerlei Beachtung.
Ich folgte seinem Blick und erschrak:
Auf dem Plattenweg entdeckte ich zwei unheimliche, dünne Anzugträger, die komplett in Schwarz gekleidet waren und einen hellen Eichensarg neben ihrer Limousine abstellten.
Ihr Weg führe sie direkt in unser Wohnhaus.

Entsetzt drückte ich den Power-Knopf meiner Stereo-Anlage und lauschte ins Treppenhaus.
Stille. Mein Puls raste. Meine Stimmung, die eben noch kaum zu toppen war, erstickte von einem Moment auf den nächsten.
Ein Blick durch den Spion meiner weiß gestrichenen Haustür bestätigte meine Befürchtung: Herr Richter, der seit mehreren Jahren an Leukämie litt, hatte die Nacht nicht überlebt.
Die geisterhaften Herren trugen ihn zwanzig Minuten später laut polternd für immer fort.
Seine Ehefrau ließ er laut schluchzend zurück.
Zwei Stunden später, nachdem ich andächtig noch einmal das Fenster im Treppenhaus geschlossen hatte, klingelte ich mit klopfendem Herzen nebenan.
Man konnte ja nicht so tun, als hätte man nichts bemerkt. Heulend schmiss sich die wuchtige Witwe in meine Arme.
Sie gab mir das Gefühl, das richtige getan zu haben.
Ohne ihren Alfred war sie völlig aufgeschmissen.
Sie wusste nicht, wie man Überweisungen ausfüllt, noch hatte sie sonst den Mumm etwas allein zu entscheiden. Zum Glück kümmerte sich ihre Tochter um sie.

Dieses Leben in Hamburg-Hamm war schon ein ganz spezielles.
Obwohl ich die meiste Zeit gern in diesem Stadtteil gelebt hatte, bemerkte ich, dass dieses Umfeld nicht der Bereich Hamburgs war, in dem ich bleiben wollte, bis auch mich irgendwann von gesichtslosen Gestalten für immer davontragen lassen würde.
Ich wollte nur noch weg.

Wie schon vor Jahren zog mich der Stadtteil Sankt Georg, das neue Szene-Viertel in der Nähe des Hauptbahnhofs, magisch an.
Meine Familie schlug ja  die Hände über dem Kopf zusammen, als ich davon berichtete, dass ich es noch einmal wagen wollte, eine neue Bleibe in der Nähe Langen Reihe zu  suchen.
„ Du hast so eine schöne Wohnung, Lucas. Obendrein ist die so billig. In Sankt Georg wirst du schon sehen, wie grausam das Leben sein kann. Überall Drogen und Prostitution. Da kann man sich ja bei Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße trauen."  hetzte Karin gegen meinen Traum.

„Ach komm. Schön find ich das auch nicht, aber er wird schon wissen, was er macht"
brachte meine Mutter ein wenig mehr Verständnis für mich auf.

Eine kleine Spritztour mit dem Ford Fiesta meiner Schwester, sollte ihr Bild wieder gerade rücken und sie ein wenig umstimmen.
Zu meiner Freude stellte ich fest, dass sie noch nie den hübschen Hansaplatz gesehen hat.
einem märchenhafter Platz, mit einem gossen,  märchenhaften Brunnen in der Mitte.
Viele Bäume und wunderschöne Altbauten rundeten mein Bild von einer Großstadtidylle ab.

Wir verabredeten uns nach der Arbeit im Cafe Gnosa, in das ich meine Schwester in der Vergangenheit mehrere Male zum Frühstück eingeladen hatte.
Dieses Cafe war ein guter Ansatz, ihr mein zukünftiges Leben noch einmal näher zu bringen.
Aus Angst vor Vergewaltigung und Überfall, musste ich sie allerdings vom Parkplatz vor dem Haushaltswarengeschäft  am Ende der Langen Reihe abholen und unter Geleitschutz
In meine schwule Stammkneipe lotsen.

Nach einem vollwertigen Gemüseauflauf und einem Kännchen Tee machten wir uns wieder auf, um mit dem Auto zum nahe gelegenen Hansaplatz zu fahren.
Kurz vor dem Hauptbahnhof bogen wir in die Baumeisterstraße ein, um recht nah an die verwunschenste Ecke Sankt Georgs heranzukommen.
Schon in Höhe des Penny Marktes, überholte uns eine Polizei nervösem Martinshorn. Wenig später folgte ein Krankenwagen.
„ Das ist ja grausam hier. Bestimmt wurde gerade wieder jemand abgestochen"  schrie Karin mir aufgeregt ins Ohr.
Im selben Moment torkelte eine Drogensüchtige auf die Straße und stolperte direkt gegen die Fahrertür.
Mir einem hysterischen Aufschrei drückte meine Schwester die Türverriegelung herunter.
„ Wo führst du mich nur hin. Hier ist es ja lebensgefährlich"
Es war schwer, sie am Umkehren zu hindern, doch konnte ich sie noch überzeugen, bis zum Ende der Straße zu tuckern, wo sich ein Wendeplatz befand.
Zwischen Altglascontainern und dem öffentlichen Pissoir hatten es sich eine Gruppe Penner gemütlich gemacht und prosteten sich mit Bierdosen zu.
Im Hintergrund konnte man ein besonders heruntergekommenes Exemplar von ihnen beim Urinieren an der Pinkelrinne beobachten.

Langsam wurde mir klar, dass es eigentlich nicht so eine gute Idee war, Karin hierher gebracht zu haben.
„ Wie kannst du hier nur freiwillig hinziehen wollen. In Hamm ist es doch so schön. Du hast da alles, was du brauchst. Hier wirst du in wenigen Wochen ausgeraubt oder totgeschlagen sein. Ich kann dich wirklich nicht verstehen. Und denk nur an die vielen süßen Kaninchen an der U-Bahn. Das alles willst du gegen dieses Elend eintauschen?"

Ohne einen Blick auf den wunderschönen Brunnen geworfen zu haben, machten wir uns wieder auf den Weg.
Die inzwischen verstärkte Polizeibesatzung des Streifenwagens war gerade damit beschäftigt, einen Südländer in Handschellen abzuführen.
Laut schimpfend wehrte sich der bärtige, junge Mann, während Karin und ich uns wieder auf den Heimweg machten. Mit  kreidebleichem Gesicht atmete sie mehrmals tief durch, während sich ihre zitternden Hände noch verkrampft am Lenkrad festklammerten.
Vor meiner Spießer-Wohnung wurde ich abgesetzt.
„Oh, wie schön ist es doch hier in Hamm. Das alles willst du aufgeben? „ nervte meine Blutsverwandte dermaßen, dass ich tatsächlich froh war, wieder zu Hause zu sein.
Der Grund hierfür war aber der, dass ich endlich meine Ruhe hatte.

Ich dachte im Bett noch einmal über den erlebten Abend nach. Es war wirklich eine Anhäufung schlimmer Eindrücke auf sie hereingeprasselt.
Komischerweise waren mir all diese Dinge vorher nie aufgefallen. Wie durch eine rosarote Brille, hatte ich sie ausgeblendet.
So schön, wie mir der Hansaplatz vorkam, war er anscheinend doch nicht.
Dennoch stand mein Entschluss fest: St. Georg sollte meine neue Heimat werden.
Die Lange Reihe, mit den schwulen Cafes war auch noch um klassen besser, als der schäbige Hansaplatz.
Es war der gute Teil, in dem sogar Götz George, Carsten Spengemann und andere Prominente lebten. Die wurden schließlich auch nicht überfallen. Jedenfalls konnte ich mich nicht an eine
Schlag-Zeile auf der Bild-Zeitung erinnern, die sich diesem Thema sicherlich angenommen hätte.

Bei der Wohnungssuche ging ich nun anders vor, als noch vor zwei Jahren.
Ich nahm mir einen Mittwoch frei, was kein Problem war, da unsere Dienststelle an diesem Tag ohnehin für den Kundenverkehr geschlossen war.
Nachdem ich ausgeschlafen und ein kleines Telefonpläuschchen mit Juan gehalten hatte,
legte ich mich in die Badewanne und träumte von meinem neuen Lebensabschnitt.
Ich vermisste meinen Freund, denn die Wohnung, die ich suchte, sollte doch eigentlich ein Heim für uns beide werden. Ein Kükennest für uns zwei sozusagen.
Es war ein weiter Versuch, Juan davon zu überzeugen, wieder zurück nach Deutschland zu kommen. Meine Sehnsucht nach ihm, seinem hübschen Körper und drolligen Seele war nach wie vor sehr stark.

Mir war klar, dass sich meine Miete von inzwischen 240 Euro auf jeden Fall bei gleicher Größe von fünfzig Quadratmetern, sicherlich verdoppeln würde.
Was soll's. Es war an der Zeit, erwachsen zu werden.. Zur Not müsste ich halt ein wenig an Ausgaben für CDs und Konzerte sparen.
Nachdem ich mich abgetrocknet und zu Musik von The Sounds positiv in den Tag gestartet war, zog ich mir mein rotes Lieblings-Shirt und eine schwarze Hose an, um mich auf Wohnungssuche zu begeben.
Ich holte mein blaues Fahrrad aus dem Keller und radelte entlang der U-Bahn-Gleise
durch Grünanlagen in die City.
Es war unwahrscheinlich befreiend. Mein Gefühl signalisierte mir, dass es diesmal klappen wird mit der Wohnungssuche.
Ich schloss mein Rad am Marktplatz in der Mitte der Langen Reihe an und bestellte mir einen Kaffee mit Schokoladen-Crossaint beim Bäcker auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Die Sonne lachte vom Himmel.
Da saß ich nun in meiner neuen Heimat. Mitten im Getümmel von Großstadtmenschen.
Zwei Schwule gingen Hand in Hand an mir vorbei und guckten mir frech auf die Hose.
Wenige Meter weiter drehte sich der Jüngere der beiden um, und lachte mich an.
Ich fühlte mich wohl. Hier war ich richtig. Nicht ohne Grund trägt dieser Stadtteil ja auch den Namen Sankt Gayorg.
Es gab keine spießigen alten Menschen, die ihre zotteligen Hunde spazieren führten und sich darum scherten, was in anderen Wohnungen passierte.
Ich blickte noch einmal in den Immobilienteil es Hamburger Abendblattes, doch wieder war nicht ein Angebot dabei, was für mich in Frage kam.
Mir war klar, dass die Mühe, ein neues Heim über Internet-Portale oder Annoncen zu finden, so gut wie vertan war.
Ich wäre nicht Lucas Timm, wenn ich nicht schon lange einen neuen Plan gehabt hätte.
Mit einem Zettel und Stift bewaffnet machte ich mich auf den Weg, mir alle Häuser in den in Frage kommenden Straßen anzusehen, die für mich als neue Anschrift in Betracht kamen.
Es waren sehr viele. Allein in der Koppel, der ruhigen Parallelstraße zur Langen Reihe, schrieb ich zwanzig Hausnummern auf mein zerknittertes Blatt Papier.
Hinzu kamen dreißig weitere Adressen in der Gurlittstraße und Danziger Straße.

Ich machte mir zu den meisten Einträgen kurze Notizen, damit ich auch später noch wusste,
um welche Gebäude es sich handelte.
Natürlich waren mir die Hinterhöfe und Wohnstätten zum Innenhof lieber, doch war mir klar, dass ich eigentlich nehmen müsste, was ich kriegen kann.
Hier ging ja alles unter der Hand weg.

Im Einwohnermeldeamt waren die Anschriften der Grundeigentümer nur zwei Mausklicks von mir entfernt.
Ich setzte einen netten Brief auf, in dem ich die verschiedenen Gesellschaften und Privatbesitzer freundlich darum bat, sich doch bei mir zu melden, wenn eine Wohnung in ihrem Haus frei werden würde.
Natürlich ließ ich jeden einzelnen von ihnen glauben, dass ich speziell an ihrem Haus interessiert war.
Rund fünfzig Briefe wurden frankiert, handschriftlich adressiert und in den Briefkasten geworfen.
Nun musste ich nur noch warten und aussuchen – dachte ich.
Nach fünf Tagen hatte ich zwölf Briefe im Kasten. Allerdings waren es meine eigenen, die nicht zugestellt werden konnten, da die Empfänger nicht zu ermitteln waren.
Nicht einmal auf das Behördenverzeichnis war Verlass.

Tatsächlich erhielt ich drei weitere Zuschriften, in denen mir Vermieten mitteilten, dass die Wohnungen im Haus entweder viel zu groß für mich waren, oder aber als Gewerbeflächen dienten.
Dazu gab es ein FAX einer Genossenschaft, die mir freundlich schrieb, dass ich auf Warteliste für zwei Gebäude gesetzt wurde.
Dieses Schreiben machte mich schon einmal sehr glücklich, da ich von meiner Freundin Muriel, die ebenfalls ein einem Objekt der Vereinigung wohnte erfuhr, dass normalerweise seid Jahren Aufnahmestopp für neue Mitglieder bestand.
Die beiden Wohnblocks in der Koppel waren wunderschön. Nach der Arbeit machte ich mich auf den Weg vom Hauptbahnhof in die ruhige Einbahnstraße, die nur zwei Minuten vom Schauspielhaus an der Kirchenallee begann.
Die Altbauhäuser ließen keine Wünsche offen.
Ich studierte die Namen an den Klingelschildern und malte mir aus, welche Geschichten und Charaktere sich wohl dahinter verbargen.
Der Name Nolte ließ mich als erstes auf den nächsten Todesfall hoffen, denn vor wenigen Wochen war die Frau gleichen Namens in meiner Lindenstraßen-Serie verblichen.
Ich checkte die vermeintlichen zukünftigen Nachbarn im Einwohnermelderegister.
Entgegen meiner Erwartungen, sah es nicht so schwul aus, wie ich es mir in St Georg erhofft hatte. Nur eine Männer-WG konnte ich ermitteln.
Meine Vorfreude ließ mich schon wieder zum Träumen verleiten.
Um mir eine große Enttäuschung zu ersparen, legte ich mein Schreiben wieder in die rote Pappmappe zu den Adressen der Vermieter.
Auch die nächsten Wochen vergingen, ohne dass sich freundliche Eigentümer bei mir meldeten.
Eine Wohnung an der Langen Reihe wurde mir dann doch angeboten. Das hässlichste Haus
an einer Kreuzung lockte mich mit einer zwanzig Quadratmeterwohnung zu 480 Euro Kaltmiete.
Tatsächlich spielte ich mit dem Gedanken vorerst dort einzuziehen, bis ich etwas anderes finden würde, doch siegte die Vernunft.
Nach fast einem Jahr schickte ich ein weiteres FAX an die Wohnungsgenossenschaft, die mich auf die Warteliste gesetzt hatte, um an meine Existenz zu erinnern.
Ein freundlicher Mann rief mich noch am selben Tag zurück.
„ Guten Tag, Herr Timm. Es ist ja wirklich beeindruckend, wie sehr sie sich darum bemühen, Mitglied bei uns zu werden. Noch ist nichts frei, aber so wie es aussieht, tut sich da in nächster Zeit etwas. Ich kann allerdings noch nichts Genaueres sagen."

Hätte der sicherlich schwule Sexgott am anderen Ende der Leitung vor mir gestanden, hätte ich ihn geküsst und umarmt, doch so blieb es bei einem tief aus dem Herzen kommenden
Dank.

Bereits eine Woche später bekam ich Post, in der mir eine spezielle Wohnung angeboten wurde.
Sie befand sich im Erdgeschoss eines Hinterhauses in der Koppel.
Ich konnte mein Glück kaum fassen.
Eine halbe Stunde später stand ich vor dem Gebäude, das so greifbar nah war, mein neues zu Hause zu werden.
Die Quadratmeterzahl gefiel mir als Schwanzlutscher jedenfalls schon recht gut: 69! Ein Zeichen des Himmels. Dazu betrug die Miete 540 Euro warm.
Dies war zwar ein wenig mehr, als ich ausgeben wollte, doch bei der Größe ein traumhaftes Schnäppchen.
Für die Genossenschaftsanteile von 3000 Euro musste ich meinen Vater anhauen.
Obwohl er nie für seine Kinder da war, wenn man ihn brauchte, signalisierte auch er grünes Licht, mir die Kohle im Fall der Fälle zu leihen.
Zur Besichtigung war ich mit dem Hausmeister, einem netten Familienvater an einem frühen Freitagnachmittag verabredet.
Es war ein tolles Gefühl, die bereits leer geräumte, renovierte Wohnung zu betreten.
Die hohen Zimmerdecken und der Stuck in der Küche, ließen keinen Wunsch offen.
Zu meinem Glück war das Badezimmer knallgrün gefliest. Obendrein gab es neben der drei Zimmer auch noch zwei Abstellräume.

Angetan genoss ich den Geruch frischer Farbe und erkundigte mich bei dem freundlichen Hausmeister nach den vorherigen Mietern.
„Ach, Frau Nolte" er machte eine kleine Pause, die mich erschrecken ließ.
„ Die ist zu ihrem Freund in der Nähe der Musikhalle gezogen"
Zum Glück gab es keinen Todesfall. Vielleicht hätte ich ein Problem damit gehabt, in die Räume zu ziehen, in der eine Leiche gelegen hat.
Beim Verlassen der Wohnung entdeckte ich Aufbruchspuren an der Tür. Das gesamte Holz war zerkratzt.
„ Hier wird wohl oft eingebrochen, oder" entwich es mir vorsichtig, während ich an die Worte meiner Schwester dachte.
„ Solange ich hier arbeite, ist nichts dergleichen passiert „ beruhigte mich der Hausmeister, der von hinten weitaus interessanter aussah, als von vorne.
Seine grüne Latzhose war aber auch so was von unsexy.
Immerhin hatte er niedliche Rehaugen, die sicherlich das Herz einer jeden Frau erobern könnten.
„Hier gab es vor Jahren mal Drogensüchtige. Die sind immer laut mit einem Motorrad durch den Innenhof gefahren. Andauernd wurde die Polizei gerufen. Irgendwann hat sich einer von beiden den goldenen Schuss gesetzt. Die Wohnung wurde aufgebrochen, damit man die Leiche herausholen konnte."
Mir lief ein Schauer über den Rücken. Also doch. Ein Toter in einem der Zimmer, in denen ich und Juan uns in Zukunft lieben würden.
So schlimm war es dann doch nicht. Immerhin lag dies alles anscheinend schon Jahre zurück
Warum meine Schwester auch immer Recht haben musste. Ich ärgerte mich über das schlechte Omen, dass sie mir mit auf den Weg gegeben hatte.

In den kommenden Wochen durchlief ich eine Achterbahn der Gefühle.
Immer, wenn ich dachte, heute bieten sie mir den Vertrag an, kamen neue Ausflüchte.
Erst hieß es, es würde noch Mitbewerber geben. Anschließend wurde eine Schufa-Auskunft benötigt. Am nächsten Tag wusste man wiederum nicht, wer ich war.
Es war eine harte Zeit, doch war ich optimistisch und hatte die ganze Zeit das Gefühl, sie hätten sich eh schon lange für den ledigen Beamten aus Hamburg-Hamm entschieden.
Am 10. November 2004 hatte ich den Schlüssel zu meiner neuen Wohnung in der Hand.
Es war ein unglaublich tolles Gefühl.
Wieder vermisste ich Juan sehr. Bei all den Strapazen und Träumen der letzten Wochen war er in meinen Gedanken immer dabei, doch wollte ich so sehr auch sein Gesicht sehen und seine Reaktionen darin ablesen.

„Dein Ständer sieht wirklich grauenhaft aus. Damit wirst du auch in Zukunft jeden Besucher verschrecken. Außerdem ist der viel zu schwer. Trenn dich doch mal von dem schrecklichen Ding" wetterte Marlies gegen meinen einsten Stolz: Den Harveys Krawattenständer, der vor Jahren mein erstes, eigenes Möbelstück war.
Natürlich war er beim Umzug in die neue Wohnung nicht gerade das Highlight, um vom zweiten Stock hinunter zum gemieteten Kleinlaster getragen zu werden.
Auch Marco und Nina hatten keine große Lust, das Stahl-Gebilde mit den Spitzen Ecken
in meine neue Traumwohnung zu schaffen.
„Also hierbleiben kann es ja nun auch nicht. Nachher gibt's dafür dann auch Pizza" versuchte ich die Meute um mich herum bei Laune zu halten.
Wenig Später waren alle Gegenstände verstaut.
Nur Muriel, die eine Kiste mit Klamotten und Kleinkram trug, passte nicht richtig auf.
Der Boden des Kartons öffnete sich, sodass der gesamte Inhalt, inklusive diverser Pornofilme
mit lautem Klirren auf dem Gehweg der Spießerstraße verteilt wurde.
Zum Glück brauchte ich mich vor meinen Freunden nicht schämen, immerhin wussten sie, wem sie da beim Umzug halfen.
Erschrocken prüfte ich, ob die Cover mit den geilen Peter North-Bildern den Sturz unversehrt überstanden hatten.
Leider bemerkte Nina kurz vor Abfahrt, dass Sie auf dem schmalen Grünstreifen neben der Parkbucht in einen Hundehaufen getreten war.
Leichtr angeekelt überprüften wir alle unsere Schuhsohlen.
Sechs der zehn Helfer traf das selbe Missgeschick. Sie alle hatten Dreck unter den Füßen.
Auch ein paar Kartons waren mit braunen Schlieren versehen.
Wenn das kein Glück bringen würde, freute ich mich.
Nachdem alle ihre Schuhe mit Taschentüchern oder Gras gesäubert hatten, ging es los nach Sankt Georg.
Meine neue Heimat erschien mir an diesem strahlenden Sonnentag fast wie im Märchen.
Ich konnte es kaum glauben.  Mal wieder hatte sich ein großer Traum von mir erfüllt.
Mir war bewusst, dass ich mich nicht über mein Leben beklagen konnte.

Sechzehn Tage nach Vertragsabschluss und zwei Tage nach Mietbeginn verabschiedete ich kurz nach zwanzig Uhr meine unwahrscheinlich hilfsbereiten Freunde an der Haustür meiner ersten Erwachsenen-Wohnung!
Ohne sie und ihre Tatkräftige Unterstützung hätte ich das alles nicht geschafft.
Zwischen Umzugskartons und CD-Stapeln setzte ich mich auf mein grünes Ledersofa,
blickte in den alten, angestrahlten Baum vor meinem Wohnzimmerfenster und gönnte mir einen Schluck auf der Sektflasche, die noch vom Umtrunk übrig geblieben war.
Zu meinem Glück fehlte mir jetzt nur noch Juan, um mein Schlafzimmer einzuweihen.
Es sollte nur noch wenige Tage dauern, bis er für vier Wochen zu Besuch kommen würde.
Am liebsten hätte ich ihm gar nicht gesagt, dass ich bereits umgezogen war.
Wie blöd würde er wohl gucken, wenn ich ihn auf einmal zu einer anderen Anschrift führen würde.
Auf seinen Beistand in den letzten Wochen hätte ich jedoch auch nicht verzichten wollen.
Er war immer für mich da, wenn ich schlecht drauf war, weil mal wieder eine Kleinigkeit schief lief. Er freute sich mit mir du war gespannt auf unser neues zu Hause.
Fünf Tage, zwanzig Stunden und dreißig Minuten später stand Juan in meinem neuen Flur.
Auf den ersten Blick wirkte alles schon eingerichtet. Richtig gemütlich auf den ersten Blick.
Entsetzen würde sich erst breit machen, wenn man die Türen von Schränken und Abstellkammern öffnete. Ganz zu schweigen von meinem Kellerraum.
Ich war so stolz auf mein neues zu Hause und ich bin mir sicher, mein Freund war es auch.
Leidenschaftlich weihten wir mein neues Schlafzimmer ein.
Arm in Arm lagen wir in Löffelchen-Position hintereinander.
Während ich mein Grinsen über Juans gleichmäßiges Atmen anfangs nicht unterdrücken konnte, schlichen sich Gedanken in meinen Kopf, die ich die letzten Wochen fast verdrängt hatte.
Wie sollte ich mir diese Wohnung, die immerhin mehr als doppelt so teuer, wie meine alte Bleibe war, in Zukunft leisten können?
Würde ich mich wirklich so einschränken können, wie  mein neues Leben es erforderte?
Immerhin hatte ich ja auch noch die dreitausend Euro, die mein Vater mir geliehen hatte, zurück zu zahlen.
Plötzlich war ich mir nicht mehr sicher, ob es wirklich eine so tolle Idee gewesen war,
ins neue Schickimicki-Viertel zu ziehen.
Doch Träume sind dazu da, sie umzusetzen. Nichts anderes versuchte ich.
Zur Not würde ich mir halt einen Nebenjob suchen müssen.
Entspannt schlief ich neben meinem Traummann in meinem Traumhaus ein.

Bekanntermaßen erfüllt sich der Traum, den man in der ersten Nacht im neuen Heim hat.
Leider erinnerte ich mich nach dem Aufwachen nicht, wohin mich die nächtliche Reise geführt hatte.
Eine pralle Erektion, nur wenige Zentimeter über meinem verschlafenen Gesicht, hatte alle Erinnerungen komplett davon geblasen.

Fotos wie immer im Ordner ---> heute Kapitel 44









1:07 AM - 6 Comments - 12 Kudos -