Matthias

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Oct 11, 2008

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Monday, April 28, 2008

Die Katze

Von Friedrich Franz von Unruh

Als im Laden beratschlagt wurde, wem wohl die hellgrauen Handschuhe, die dort liegen geblieben waren, gehören mochten, erinnerte sich eine Kundin, dass eine ältere, freundlich aussehende Frau sie noch eben in der Hand gehabt hatte. „Eine freundliche? Dann ist es Frau Dorland gewesen," erklärte die blonde Drogistin und beauftragte ihren Lehrling, den vergessenen Gegenstand nach Geschäftsschluss zu ihr zu bringen. Das verwunderte mich. Denn man sollte doch meinen, dass unter den Kundinnen genug freundliche waren, um nicht dieses Prädikat einer einzelnen zuzuerteilen und gar derart bestimmt, dass sie den Lehrling gleich hinschickte. Meine Neugierde war geweckt, und ich ergriff die Gelegenheit, die sich bald darauf bot, die so sonderlich Ausgezeichnete kennen zu lernen.

In einer Neusiedlung, wo man mit den Straßen, Läden und Ämtern erst vertraut werden muss, kommt man leicht ins Gespräch. So ergab es sich auch mit Frau Dorland. Ich traf sie öfters und wurde Zeuge der gewinnbringenden Herzlichkeit, mit der sie jedem entgegenkam und auf die kleinen und größeren Sorgen der Neuzugezogenen einging.

Es war ein geringer Anlass, der mich ihr näher und schließlich freundschaftlich nahe brachte. Sie sah mich, als ich zum Briefkasten an die Gartentür ging und meine blaugraue Perserkatze nach ihrer Gewohnheit mit erhobenem Schwanz hinter mir herspazierte. Der Anblick schien sie zu erheitern. Sie trat herzu und folgte ohne weiteres meiner Aufforderung, in den Garten hereinzukommen, wo sie mit sichtlicher Sachkenntnis die Rassekatze betrachtete, ohne sich freilich zu voreiligen, von der Perserin leicht als unziemlich empfundene Vertraulichkeiten verleiten zu lassen. Nachdem wir eine Weile geplaudert hatten, lud sie mich ein, gelegentlich auch bei ihr einzukehren, und so entwickelte sich ein gutnachbarliches Verhältnis.

Da sie meine Perserin freundlich mit einbezog, kam mir der Gedanke, als wieder einmal ein Wurf junger Kätzchen erschienen war, ihr eines davon zum Geschenk zu machen. Es war ein Kater, und von den Geschwistern, die überleben durften, das hübscheste. Dass er nicht rasserein war und trotz ähnlichem Aussehen die stolze Zurückhaltung der Mutter vermissen ließ, glich er wohl durch eine vom Vater vererbte freche Natürlichkeit aus. Mit seiner Munterkeit, seiner arglosen Neugier und seiner verspielten Grazie war er so bestrickend, dass ich schon plante, ihn kurzerhand mitzubringen, und etwaigen Bedenken wegen Zerkratzen von Möbeln und Sesselbezügen, Zerreißen von Vorhängen und dergleichen, am wirksamsten durch den Anblick des reizenden Tieres begegnen wollte, wobei eine Anleitung, wie jungen Katern solche Unarten abzugewöhnen seien, nicht fehlen sollte. Zum Glück unterließ ich die Überraschung. Frau Dorland würdigte zwar meine Absicht, erklärte mir aber, dass ein Kindheitserlebnis ihr für immer den Wunsch nach eigenem Besitz einer Katze verleidet habe.

„Als Kind," sagte sie, „war ich richtig verliebt in Katzen. Wo ich nur eine sah, lockte ich sie, nahm sie auf den Arm, streichelte über ihr warmes Fell, war glücklich, wenn sie zu schnurren begann, und ihr leises Miau versetzte mich in Entzücken. Kein anderes Tier übte die gleiche Bezauberung auf mich aus. Ihre Geschmeidigkeit, ihr kluger, forschender Blick, ihre Anschmiegsamkeit, aber auch ihre bedachte Vorsicht, mit der sie dem Menschen begegnen, zogen mich an. Damals wünschte ich mir nichts sehnlicher als eine Katze. Doch die Eltern waren dagegen. Ein Hund allenfalls, aber doch keine Katze! Angeblich haarten sie, waren diebisch, verdarben die Möbel, gehorchten nicht und waren überhaupt unberechenbar. Ein Hund war anhänglich, eine Katze nicht! Sie war ein Raubtier, das Mäuse fing, tückisch quälte und auffraß, den Singvögeln nachstellte, kurz ein böses, verabscheuenswertes Geschöpf. Das alles konnte mich aber nicht beirren. Ich war die geborene Katzennärrin, und sie schienen das auch zu spüren. Fast immer kamen sie auf mein schmeichelndes Rufen zutraulich an. Ich bestürmte meine Eltern mit Bitten, bis dann ein großer Kater in mein Klein-Mädchen-Dasein eine nie mehr vergessene Wendung brachte."

Sie hatte leichthin erzählt und setze sich nun, auch mich auffordernd, mir gegenüber. Es war mir schon aufgefallen, dass sie von nahem viel jünger aussah. Nun merkte ich auch, warum. Es kam, weil die Fältchen in ihrem Gesicht, von den Augenwinkeln ausgehend, nicht wie Runen des Alters, sondern wie Spuren einer unablässigen Strahlung wirkten. Sie hatte mir ihr Gesicht zugewandt, während sie, von Erinnerung belebt, weitersprach.

„Wir wohnten," sagte sie, „in einem großen Haus. Es gehörte zu einem Riesenquadrat von Häusern, in deren Mitte ein weiter, mit Bäumen bestandener Garten lag, der durch hohe Mauern unterteilt worden war. Rasenflächen wurden von Blumenbeeten umsäumt, und Fliedersträucher wuchsen ringsum. Für Katzen war es ein Paradies. Die Vögel konnten sie sich, auf den Mauern flanierend, bequem aus dem Laubwerk langen, und Mäuse gab es in Stallungen und Remisen genug. Die Katzen gediehen auch prächtig. Freilich stieß mich die Jagdleidenschaft, die sie zeigten, ab, doch blieb ich mit allen gut Freund. Nur eine, ein weißer Kater, entzog sich jeder Anbiederung. Es war keine Hauskatze, sondern eine verwilderte, die hier vagabundierte, auf den Heuböden überwinterte und kein schlechtes Auskommen fand.

Wie es oft geht, dass uns eben das, was man nicht bekommt, reizt, so war es auch hier. Keine Zutraulichkeit der anderen konnte mich darüber trösten, dass die eine nicht beiging. Tauchte sie auf, war ich ganz und gar fasziniert. Ich bewunderte ihren Stolz, ihre kraftvolle Anmut. Ich schätzte an ihr gerade das, was sie trieb, sich mir fernzuhalten. Ihre Selbständigkeit, die Zurückhaltung  gegenüber den Menschen, ihr Eigensinn, so verschieden von hündischer Unterwürfigkeit, steigerten nur meine Zuneigung und machten sie mir zum Ideal eines selbstbewussten Geschöpfs. Andererseits konnte ich es doch nicht lassen, immer wieder eine Annäherung zu versuchen. Sie warf mir dann von der Mauer herab einen kurzen, aufmerksamen Blick zu und setzte ihren Reviergang fort oder ließ sich auch wohl auf ihr Hinterteil nieder und leckte sich, ohne mich weiterhin zu beobachten, hochmütig die Pfote.

Jahrelang mühte ich mich umsonst. Aber dann kam ein Herbsttag, sonnig, doch etwas kalt, und ich wollte schon wieder zurück ins Haus, da entdeckte ich auf der Mauer zwischen den kahler gewordenen Ästen den Kater. Er saß zusammengeduckt und schien mich nicht zu bemerken. Auf mein lockendes Zureden lief er nicht fort, sondern wandte den Kopf, kam zögernd herab und mit tastenden Schritten langsam auf mich zu. Mir klopfte das Herz. Ich wagte kaum, den Augen zu trauen. Was ich so lang ersehnt hatte, wurde wahr. Er beschnupperte meine Hand, ließ sich streicheln und ohne Sträuben auf meinen Arm nehmen. Jetzt sah ich, wie verändert er war. Der sonst schneeweiße Pelz war struppig, verschmutzt, und ein Zucken wie ein plötzliches Frösteln lief durch sein Fell. War er krank? Wie wollte ich ihn dann pflegen, bis sein Fell wieder glänzend und weich war! Wie wollte ich für ihn sorgen! Ihn zärtlich an mich gedrückt, lief ich die Treppe hinauf zur Mutter. „Darf ich ihn behalten?" fragte ich und sprudelte ihr mein Glück heraus. „Pfui," rief sie, „das hässliche Tier! Der steht ja vor Schmutz. Womöglich hat er auch Ungeziefer." Doch als sie begriff, dass ich eisern gewillt war, meinen Schützling nicht preiszugeben, erlahmte ihr Widerstand. „In Gottes Namen, behalt ihn. So verdreckt aber darf er mir nicht ins Haus. Erst muss er gewaschen werden!" Das war mir nicht recht. Denn ich zweifelte, ob Katzen das mögen. Es war jedoch die Bedingung, und hinterher, dachte ich, soll er reichlich entschädigt werden. Keiner sollte ihn dann mehr kränken, keiner ihm mehr etwas zuleide tun. Zunächst einmal brachte ich ihm zu fressen. Milch, etwas Fleisch und Reis, und er schlang es heißhungrig hinunter. Ich kraulte ihn, und er litt es geduldig.

Inzwischen war das Stubenmädchen gerufen worden. Es wurde beauftragt, den Kater blitzsauber zu reinigen. Das sicherte sie, breit und gutmütig lachend, zu. Sie war ein junges, schaffiges Ding, mit offenem Gesicht, die Tochter eines tüchtigen Feldwebels. Kampf gegen den Schmutz war sozusagen ihr Lebenszweck. Da war sie in ihrem Element. Sie machte auch gleich warmes Wasser, ergriff einen Schemel, trug ihn in den Hof, stellte einen Bottich darauf und füllte das Wasser ein. Dann packte sie den Kater am Nackenfell, tauchte den heftig Widerstrebenden unter, seifte ihn ein und begann, ihn mit der Bürste zu schrubben. Sauberkeit zu erzeugen, darauf verstand sie sich,  da half kein Strampeln und Schreien. Ja, je mehr er sich wehrte, desto kräftiger ging sie in fröhlicher Selbstgewissheit zu Werk. Sie tunkte ihn wieder und wieder. Er schrie und machte hilflose Anstrengungen, herauszuspringen. Doch damit kam er nicht durch. Sie hatte ihn fest am Genick und schrubbte und wusch. Ich stand zitternd dabei. Ich hatte ein Körbchen gerichtet, worin er sich bald von der rauen Behandlung erholen sollte. Jetzt, da sein Fell nass am Körper klebte, erkannte ich erst, wie mager er war. Sein Schreien ging in Wut und Verzweiflung über, und mir ging es durch und durch. Die Minna, so hieß sie, lachte darüber, die Wäsche machte ihr mordsmäßigen Spaß. Plötzlich aber stieß das Tier einen schrillen, grässlichen Schrei aus, streckte sich, wurde stocksteif, und die Augen brachen in einem letzten, grellgrünen Blick. Das Mädchen kreischte laut auf und schleuderte den Kadaver weit von sich aufs Kopfsteinpflaster.

Fragen sie nicht, wie mir zumute war und wie ich die nächsten Stunden verbrachte. Ich war in den Stall gerannt und hatte mich dort in einem dunkeln Verschlag versteckt. Ich war unfähig, etwas zu denken. Mir war nur das Grauenvolle vor Augen und in meinen Ohren der Schrei, der mich heute noch aus dem Schlaf schreckt. Seither lag die tote Katze mir über dem Weg. Sie war zu mir gekommen, hatte Hilfe erhofft, vielleicht nur ein ruhiges Plätzchen zum Sterben. Sie hatte vertraut: die wird mir helfen. Ich aber hatte sie zu Tode gebracht, hatte zugelassen, dass sie bis zur letzten Sekunde gequält worden war. Es gibt nichts Schlimmeres, als Vertrauen, das uns geschenkt wurde, zu verraten. Mit Katzen hatte ich für immer verspielt."

Sie zögerte, fuhr indessen nach einer Pause, die ich nicht störte, fort: „Uns ist später anderes widerfahren. Doch damals, in dem einen Erlebnis, das auf ein wohlbehütetes Kind einbrach, war alles schon vorenthalten. Mich wunderte nicht mehr, dass es so mörderisch auf der Welt zugeht. Wenn das möglich ist, dass auch die beste Absicht so fehlschlägt, dass es für ein Wesen, das man liebt, dem man Gutes, nur Gutes erweisen wollte, so ausgeht, wie erst, wenn ein böser Wille am Werk ist. Wenn ich denke, was man durchgemacht hat, was man selber verfehlt hat aus Unwissen oder Ungeschick, und was jeden Augenblick in der weiten Welt aus Dummheit, aber auch aus gezielter, abgründiger Bosheit geschieht –„, sie senkte ihre klaren Augen in meine: "Wie wenig kann man dagegen setzen, und wie muss man," sagte sie inständig, „sich bemühen."

12:00 AM - 2 Comments - 4 Kudos - Add Comment

Tuesday, February 19, 2008

Tanzen!

"Tanzen!" ruft uns der Schafsmann zu. "Tanzen, immer weiter tanzen, in Bewegung bleiben ..."


Tänzerische Früherziehung. Bewegungsdrang und -freude ausleben, Grundformen erlernen.
Bewegungs- und Ausdrucksfähigkeit entfalten, Motorik entwickeln. Weichen werden gestellt.

Kindertanz. Kreativ oder modern. Basistechniken. Grund- und Ausgangspositionen.
Erste Schrittkombinationen, phantasievolle Bewegungsformen durch Improvisation. Entwicklung des Rhythmusgefühls und der Koordination. Zu früh für Sprünge.

Kreistanz. Die Ordnung gibt Orientierung und Halt, fördert Konzentration und Gemeinschaftssinn. Spannungsabbau in der Bewegung. Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann in unserm Kreis herum, fidebum.

Nach dem Aufwärm- gezieltes Körpertraining, Stabilisierung und Förderung der Koordinationsumsetzung.
Festlegung von Bewegungsabläufen und Choreographien, aus einfachen Schritten werden erweiterte Bewegungsfolgen.
Freiraum in Ausdruck und Bewegung bei korrekter Platzierung des Körpers, sagt der Lehrer. Eigeninitiative.

Jazz und Modern Dance.  Polyrhythmik und Polyzentrik, Multiplikation, Opposition und Parallelismus.
Intuitive Spontaneität und Interaktion durch Improvisation.
Freestyle. Hip-Hop. Breakdance. Akrobatische Höchstleistungen. Powermoves und Styles.
Rock 'n' Roll. Neues Lebensgefühl.
Rebellisches Headbangen. Kopfschmerz.
Provokativ. Radikal. Politisch. Pogo statt Disco.

Gelegentlich Marschieren. Im Gleichschritt. Auch hier zur Musik.
Links, rechts. Uniformiert. Weil wir müssen oder dürfen. Auch ein Tanz, irgendwie.

Erste Schritte beim Gesellschaftstanz. Debütantinnenball. Die Welt liegt uns zu Füssen.
Rück, Platz, Wechselschritt, und weiter geht's im Sauseschritt ...

Zeitsprunginitialisierung beim Time Warp - it's Partytime!
Polonaise oder Samba. Das ist der Rhythmus wo ich mit muss.

Turniertanz. Überlegenheit beweisen. Ehrgeiz stillen.

Gelegentliche Glätte. Der Eistanz erfordert Konzentration und Stehvermögen.
Erschwerte Bedingungen, da meist als Schautanz vorgetragen.
Rittberger, doppelter Axel, gemogelter Lutz ... lächeln.
The show must go on: Stepp- oder Bauchtanz?

Immer weiter tanzen wir ... zwei Schritte vor, einen zur Seite, auch mal zurück,
hin und wieder im Kreis, hier und da eine Pirouette ...
... und fragen gelegentlich, wohin das alles führen soll.

Führen? Oder geführt werden? Hauptsache vertrauen. Weiter tanzen.

Paartanz. Zuneigung. Trost. Menschliche Wärme. Erotische Erfahrungen.
Walzer. Schnelle Drehungen gegen den Uhrzeigersinn.
Tango. Haltung. Posen. Leidenschaft. Vertikaler Ausdruck eines horizontalen Verlangens.
Spannendes Spiel von erotischer Nähe und Distanz.

Autsch! Dem Partner auf den Fuß getreten? Lächeln, weiter tanzen.
Blues, Bolero, Boogie-Woogie, Cha-Cha-Cha, Foxtrott, Jive, Mambo, Paso Doble, Polka, Quickstep, Rumba, Salsa, Swing, Twist, ...
Wie hätten wir es denn gerne? Zu jeder Befindlichkeit findet sich ein passender Tanz.

Wir wählen die Musik, oder die Musik wählt uns. Geht in die Beine und treibt uns an.
Auf der Suche nach Glücksgefühlen. Trance. Extase. Zusammengehörigkeit.

So tanzen wir uns bis zum Abschlussball.
Wake me up before you Gogo!
Kick.



2:31 AM - 7 Comments - 8 Kudos - Add Comment

Tuesday, February 05, 2008

Ansichtssache

Etre ouvert sur le monde, c'est comprendre les différences de points de vue.
Offen für die Welt zu sein bedeutet unterschiedliche Standpunkte zu verstehen.



bon   -   mauvais   -   mauvais   -   bon
gut   -   schlecht   -   schlecht   -   gut



vilain   -   mignon   -   mignon   -   vilain
garstig   -   niedlich   -   niedlich   -   garstig



folie   -   génie   -   génie   -   folie
Wahnsinn   -   Genie   -   Genie   -   Wahnsinn



parfait   -   imparfait   -   imparfait   -   parfait
perfekt   -   unvollkommen   -   unvollkommen   -   perfekt



populaire   -   tendance   -   tendance   -   populaire
volkstümlich   -   trend   -   trend   -   volkstümlich



espoir   -   déception   -   déception   -   espoir
Hoffnung   -   Enttäuschung   -   Enttäuschung   -   Hoffnung



espérer   -   redouter   -   redouter   -   espérer
hoffen   -   fürchten   -   fürchten   -   hoffen





Chacun a son point de vue sur le monde. Quel est le vôtre?
Jeder hat seine eigene Betrachtungsweise der Welt.
Welche ist deine?

11:07 PM - 3 Comments - 4 Kudos - Add Comment

Monday, December 31, 2007

Vom Alltagsgrau zum Morgenrot

Es ist Samstagvormittag, mein Körper schmerzt und die Augen brennen.

Wie so oft hat mich die schwere Erkältung im wohlverdienten Urlaub ereilt, nach einigen Wochen - oder waren es doch Monate? - kräftezehrender Arbeit im Betrieb, in denen der stete Tropfen seine Spuren in der Befindlichkeit hinterlassen und sich das Gefühl von der Sinnlosigkeit des eigenen Tuns immer tiefer im Bewusstsein eingegraben hat.

Die Frustration löste zunächst Nervosität und Unruhe aus, in der Folge kam es als Reaktion zu Konfrontationen und Aggression, um dann schließlich Resignation und Rückzug einzuleiten.

Eine kleine Pause sollte Ruhe und Rekonvaleszenz bringen, ich reichte der Erschöpfung den kleinen Finger und sie bemächtigte sich gierig des gesamten Körpers.

Nach einer durchschwitzten und mit Albträumen durchzogenen Nacht gehe ich ans Fenster. Als ich die Läden öffne überflutet mich ein Schwall klarer kalter Morgenluft; geblendet von dem strahlend blauen Himmel schrecke ich einen kleinen Schritt zurück.

Vorsichtig trete ich wieder vor und halte kurz inne. Beinahe stockt mir der Atem beim ersten Zug der die Lunge erreicht. Die kühle Luft verzweigt sich in meine Adern und breitet sich wie ein erfrischendes Lauffeuer wohlig bis in die letzten Winkel meines Seins aus. Auf die belebende Frische bin ich nicht vorbereitet.

Langsam löst sich die Anspannung und ich wage weitere Atemzüge, zunächst flach, dann tiefer, wie ein Schwimmer, der sich gierig in weiten Kraulbewegungen den Weg durch die Wellen in Richtung Sonnenaufgang erschließt, auch wenn er weiß, dass wenn er den Wendepunkt verpasst irgendwann die Kraft nicht mehr ausreichen wird um den Weg zum rettenden Ufer zurückzulegen.

Erstaunt beobachte ich wie meine Schultern sich straffen und der Rücken sich aufrichtet, mein Kopf hebt sich, ein Lächeln umspielt meine Mundwinkel und ein verloren geglaubter Glanz kehrt in meine Augen zurück.

Allmählich lichtet sich der Nebel und der milchige Schleier der die Landschaft zu einer hellbraunen Silhouette verfärbte löst sich gemächlich auf. Er gibt den Blick frei auf Täler und Hänge und auf eine betörende Weite deren unscharfer Horizont in einem bunten Farbenspiel zerfließt.

Eine Kirchturmglocke läutet die Mittagszeit ein.

Ja, es ist wohl wieder einmal soweit. Zeit für Verabschiedungen und schmerzhafte Trennungen, aber auch Zeit für Aufbruch und einen lustvollen Neubeginn voller Hoffnungen.

Wohin die Reise führen wird? Ich kann es noch nicht sagen.
Aber ich spüre, dass der Augenblick gut gewählt ist.
Jetzt, wo das Feuer am heißesten brennt.

12:15 PM - 6 Comments - 6 Kudos - Add Comment

Friday, October 19, 2007

Fruchtbare Forschungen

Patricia Agostino wurde die Tage für ihre Forschungen mit dem Ig-Nobelpreis geehrt, weil sie den im fernen Ausland arbeitenden Hamstermännchen ein entspanntes Wochenende bei der daheim darbenden Gemahlinen in Aussicht stellte: Viagra hilft den sympathischen Nagern nach einer erzwungenen Zeitverschiebung gegen Jetlag!

 

Ob sich die schrillblauen Pillen für diese Anwendung am Markt durchsetzen werden bleibt jedoch fraglich, da Ermüdungserscheinungen anderer Art bei den erigierten Kurzbeinern nach der Heimkehr zu erwarten sind.

Weitere Untersuchungen haben zudem ergeben, dass die Potenzpille bei Hamsterweibchen Übelkeit verursacht. Gelegentlich offenbar selbst dann, wenn sie die blutdruckstimulierende Substanz selber einnehmen.


Als eine gefahrlosere Methode der Attraktivitätssteigerung bei der Partnersuche hat sich bei den possierlichen Tierchen daher seit einigen Jahren das Spritzen von Testosteron durchgesetzt, welches zu einer tieferen Stimme verhelfen soll.

Als lästige Nebenwirkung erweist sich lediglich der Umstand, dass hohe Testosteronwerte den IQ nach unten drücken. Nachdem sich dies in den einschlägigen Frauenrunden herumgesprochen hat bevorzugen die Weibchen kurzschwänzige Partner mit piepsiger Stimme wenn der Geschlechtsakt nicht nur dem Vergnügen sondern der Zeugung eines viel versprechenden Nachwuchses dienen soll.


Apropos: Der weit verbreitete Irrglaube, dass die Nagetierwelt mit überdurchschnittlicher Intelligenz gesegnet sei, konnte nun entkräftet werden. Ratten können nicht zwischen rückwärts gesprochenem Japanisch und rückwärts gesprochenem Holländisch unterscheiden! Die Bestätigung dieser bereits lange in ihnen verborgenen Vermutung verdanken wir Juan Manuel Toro, Josep B. Trobalon und Núria Sebastián-Gallés, welche ebenfalls einen Ig-Nobelpreis erhielten.


Neben der Ehrung bei der Ig-Nobel-Zeremonie - die Preisträger werden mit unzähligen Papierfliegern beworfen - dürfen die Forscher sich über einen weiteren Umstand freuen: Nobelpreisträger leben im Durchschnitt anderthalb Jahre länger als die Wissenschaftler, die nur in die engere Wahl kommen. Dies geht aus einer Studie der mittelenglischen Universität Warwick hervor.


Um sich die gestiegene Lebenserwartung – im statistisch unbereinigten Durchschnitt 77,2 Jahre – zu versüßen wird sich der ein oder andere Wissenschaftler die neue Partnerpackung des Erektionswunders mit seinem globetrottenden Vierbeiner teilen.

Sollte die verlängerte Manneskraft noch nicht ausreichen um das Herz der jungen Geliebten zu erobern, so ergibt sich ein weiterer positiver Verwendungszweck der Familienpackung: Stramme Stängel bringt das Wundermittel auch bei Schnittblumen hervor, deren Spannkraft sich bereits bei geringen Dosierungen um eine Woche verlängert.

5:53 PM - 1 Comments - 0 Kudos - Add Comment

Thursday, October 11, 2007

Neulich im smart Center

Sehr geehrter Herr Senf,

 

natürlich weiß ich es zu schätzen, dass sie eine reizende Rezeptionistin und einen wunderbaren Kaffee bei der Anmeldung bereithalten.

Ich muss jedoch gestehen, dass meine Prioritäten beim Besuch eines smart Centers woanders liegen.

Nach einer Stunde Wartezeit kenne ich die Produktpalette von Mercedes auswendig und die Wirkung des koffeinhaltigen Getränkes lässt langsam nach.

Zudem ermüdet der Anblick von sich zeitlupenartig bewegenden Anzugträgern.


Ein bisschen neidisch war ich auf die anderen Wartenden in der Lounge, die offensichtlich bereits häufiger ihre Einrichtung besucht hatten und mit Literatur beachtlichen Umfangs in den formschönen Sesselgarnituren versanken.


Ist es eigentlich tatsächlich so, dass sie für die Befüllung der Bonbonschalen eine eigene Fachkraft beschäftigen? Es ist für den Besucher insofern praktisch, weil man immer genau weiß wann wieder eine Viertel Wartestunde rum ist.


Bereits nach einer guten Stunde war ich dran und sie schlugen eine Besichtigung des Fahrzeugs vor.

Mein Respekt wuchs ins Unermessliche und ich weiß immer noch nicht, wie sie von außen die Tragweite des durch die Falschbetankung entstandenen Schadens ermitteln konnten.

 

Erstaunt zeigte ich mich jedoch nach unserer anschließenden Rückkehr zu ihrem Arbeitsplatz über ihren mehrfachen Hinweis, dass wir nach meiner Falschtankbefüllung erst einmal schauen müssen was da zu tun sei.

Bei meinen vorangegangenen Gesprächen mit verschiedenen anderen Automobilkennern habe ich spontane und umfassende Informationen diesbezüglich innerhalb weniger Sekunden erhalten.

 

Auch mein Hinweis, dass ich ungern den ganzen Motor tauschen lassen würde schien sie bestenfalls zu motivieren nach Alternativen Ausschau zu halten, die einen vergleichbaren Aufwand beinhalten könnten.

 

Tankausbau, Spülung, Filterwechsel ... mit säuselnd vorgetragenen Worten und geschickt platzierten Kunstpausen brachten sie mir behutsam die kostspieligen Einzelschritte der geplanten Instandsetzungsmaßnahme näher.

Einen sauberen Treffer landeten sie bei mir mit dem Hinweis, dass der Tank ja anschließend auch noch wieder neu befüllt werden müsse, und dazu sei es notwendig, dass jemand den entsprechenden Diesel besorgt.

Während ich versuchte mir bildlich vorzustellen wie die charmante Rezeptionistin die schweren 20l-Kanister von der Freien Tankstelle am Ernst-Reuter-Platz zum Salzufer hinter sich herschleift nutzten sie meine kurze Sprachlosigkeit um die wohl eher rhetorisch gemeinte Frage hinterher zuschieben "Oder haben Sie einen Kanister und wollen die Befüllung selber vornehmen?" Ich bemerkte ein leichtes Schmunzeln in ihren Augenwinkeln.

Ich schluckte möglichst unauffällig und lehnte dankend ab, beschloss von nun an zu schweigen um sie nicht zu weiteren Geistesblitzen anzuregen.

 

Gegen 20.00 Uhr war nach nur 1 1/2 Stunden alles aufgenommen und geschätzt, und ich hatte zwischendrin genug Zeit gehabt meiner verständnisvollen Begleitung für das abendliche Konzert abzusagen. Für zukünftige Verabredungen steht sie nun leider aus nicht näher spezifizierten Gründen nicht mehr zur Verfügung; Robyn wird ihre nächste Deutschlandtournee vermutlich auch erst 2013 antreten.

 

 

P.S. Nachdem meine Chefin heute ein längeres Gespräch mit ihrem Vorgesetzten geführt hat waren alle sehr freundlich zu mir und die Abholung funktionierte rasend schnell, vielen Dank.

Die Befüllung des Tanks mit 5 Liter Diesel hat lediglich 25 Euro gekostet (einschl. Kraftstoff!), ich werde mich noch mal mit der zauberhaften Rezeptionistin in Verbindung setzen und ihr nahe legen eine Gehaltserhöhung zu verlangen, die Schinderei muss einfach besser entlohnt werden.

 

Als sehr großzügig habe ich die Geste empfunden den Akt des Umweltplakette-grün-Aufklebens nicht in Rechnung zu stellen, wo dies doch sonst mit mindesten 8,31 Euro zu Buche schlägt.

 

P.P.S. Mit der Rezeptionistin würde ich gerne mal wieder einen Kaffee trinken gehen, können sie mir einen Tipp geben, wie ich sie erreichen kann ohne ihre Arbeitstätte noch einmal betreten zu müssen?

 

12:09 AM - 4 Comments - 4 Kudos - Add Comment

Sunday, October 07, 2007

schöne neue myspace-welt

Sie alle sind weiblich, jung, verdammt attraktiv, ungebunden und ... haben mich gesucht und gefunden!

Naomi ist 23, kommt aus Ghana und beschwört mich, ich solle mich von dem Altersunterschied nicht stören lassen, Alter sei nur eine Zahl und eine Gnade Gottes. Liebe hingegen käme vom Herzen.
Ich stimme ihr zu, beschließe aber dennoch die Anfrage an meinen Sohn weiterzuleiten.

Mary, ebenfalls aus Ghana, befindet sich mit ihren 25 Lenzen im letzten Studienjahr und wohnt mit ihrem älteren Bruder noch bei Muttern.
Sie schwimmt und liest viel. Ich erinnere mich an meine flüchtige Beziehung mit einer rassigen Italienerin, deren Mutter immer etwas von Pasta - oder war es basta - und Bambini faselte und vor dessen Bruder ich noch heute auf der Flucht bin ... die Nachricht wird augenblicklich gelöscht!

Rose, 31 Jahre alt aus Phoenix/Arizona, Single ohne Kinder, Katzenaugen und pechschwarzes Haar, ist 5'7ft tall 152lbs - ist das eine Längen- oder Breitengrad-Angabe? - und auch neu bei myspace. Sie hat erkannt, dass Gott uns auf unerklärlichen Pfaden wandeln lässt. Ich wundere mich mit ihr, dass Gott sie ausgerechnet zu mir geschickt hat und denke lange darüber nach ob ich es wirklich als Kompliment auffassen kann am Ende eines mysteriösen Weges zu stehen.
Sie ist zurzeit sehr traurig, weil irgend so ein Rüpel sie schlecht behandelt und ihr das Herz gebrochen hat. Sie verspricht mir wieder glücklich zu sein, wenn ich sie glücklich mache. Ok, das leuchtet ein.
Da steht noch etwas von "bis zu ihrem Lebensende". Na gut, dafür, dass dies die erste Kontaktaufnahme ist geht sie ganz schön ran, aber sie scheint zu wissen was sie will, das ist ja auch mal was. Ehrlich und fürsorglich soll ich sein, na das werd ich doch wohl hinbekommen. Dafür darf ich dann alle Freuden und Sorgen mit ihr teilen. Na, wenn die wüsste worauf sie sich da einlässt! Aber bitte, ihre Entscheidung.

Camila, 27, von einer kleineren amerikanischen Überseeinsel, ohne Foto, erklärt mir, dass sie mir schreibt weil ich bin wer ich bin, und dass alle anderen Männer nur scharf auf ihren Körper sind. Sie will mit mir die wahre Liebe leben, nur inneren Werte zählen wirklich.
Mehr verrät sie allerdings nicht. Aufgrund der zahlreichen weiteren vorliegenden Angebote rutscht sie aus meiner engeren Auswahl.

Vivian, 29, Lanham / Maryland, teilt mir recht kurz und bündig mit, dass sie in mir den richtigen Mann gefunden hat, aber trotzdem gerne noch ein wenig mehr über mich erfahren möchte, ich soll mich melden.
Eine Frau nach meinem Geschmack, nicht lange schnacken, gleich zur Sache kommen Baby.

Sherry, 27 aus New York irritiert mich etwas mit ihrer Behauptung, ich hätte ein zauberhaftes Lächeln. Dabei habe ich lange nach einem Foto von mir gesucht bei dem die Mundwinkel nicht allzu weit nach unten hängen - leider ohne fündig zu werden. Aber vielleicht kennt sie sonst nur noch grimmiger dreinschauende Gestalten, die Arme.
Mein fesselndes Profil hat sie sprachlos gemacht und daher möchte sie gerne mit mir chatten, denn Kommunikation bringe uns näher. Ich male mir das gemeinsame Leben mit einer Stummen aus und komme zu dem Ergebnis, dass dies durchaus Vorteile mit sich bringen könnte.

Elle, 28, irgendwo aus Amerika, ist davon überzeugt, dass wir viel Spaß miteinander haben können, wir werden lustige und aufregende Dinge tun und gemeinsame Phantasien teilen und ausleben, sie sei sehr flexibel und wir sollten da mal offen drüber reden. Tolle Idee, null problemo.

Anna, 29, Chicago, findet, ich sähe phantastisch aus, sie sei eine offenherzige, humorvolle und unkomplizierte Frau. Sie liebt die Gesellschaft netter Menschen und schätzt gute Gespräche - und so ist sie zwangsläufig bei meinem Profil gelandet. Natürlich ist sie begeistert. Na also, geht doch.

 

Verflixt ... das Telefon klingelt!

Der Anrufbeantworter springt an und meine Mutter möchte wissen ob es mir gut geht und ich solle doch Tante Johanna im Krankenhaus anrufen, sie würde sich bestimmt sehr freuen.

Mein Blick streift das digitale Zählwerk des Aufnahmeautomaten.
17 weitere Störenfriede haben bereits versucht in mein Universum einzudringen.

Martin verlangt, dass ich endlich zum Essen vorbeikomme und mir seine 13 Filme vom letzten Kenya-Urlaub anschaue, er würde sich auch nicht wieder an Königsberger Klopsen versuchen;
Tine möchte wissen, weshalb ich meine aussichtslosen Annäherungsversuche seit mehreren Tagen eingestellt habe und stellt in Aussicht, dass da vielleicht doch noch was geht;
mein Chef erkundigt sich mit zunächst säuselnder Stimme ob ich nicht vielleicht doch noch mal gedenken würde bei der Arbeit zu erscheinen - um kurz darauf die Tonlage drastisch zu verändern und wilde Beschimpfungen nebst Drohungen loszubrüllen die von meinem Chip seltsam verzerrt werden; ...

Die Kopfwende zum Schreibtisch verspricht ebenfalls wenig Erbauliches, ein Stapel Post ohne parfümierte Schreiben.
Die Deutsche Rentenversicherung beklagt, dass ich auf ihre letzte Anfrage zur Klärung meines Versicherungsverlaufes nicht geantwortet habe.
Sie mutmaßt, dass ich bisher keine Zeit gefunden habe oder vor dem Aufwand, den das Ausfüllen der übersandten Fragebögen zweifellos mit sich bringt, zurückschrecke. Vielleicht sei ich aber auch derzeit nicht an einer Kontenklärung interessiert, weil mein persönlicher Rentenbeginn noch weit in der Zukunft liegt?

Kurzentschlossen reiße ich den Stecker des lästigen Aufzeichnungsgerätes aus seiner Dose und schalte die Rufumleitung zu der Telefonnummer des katholischen Pferdefriedhofs,
hänge das "Bitte nicht stören"-Schild, das ich bei meinem letzten Urlaub auf Malle vor 12 Jahren entwendet habe an den verstaubten Knauf meiner Wohnungstür,
und ergänze den Keine-Werbung-Aufkleber an meinem Briefkasten mit detaillierten Angaben, was mit der übrigen Post zu geschehen hat.

Anschließend buche ich bei Opodo die Rundreise ins Glück: Rose, Amber, Sherry, Vivian, Anna, Diana, Elle, ... ja ihr Süßen, ich komme!

 

4:39 PM - 12 Comments - 13 Kudos - Add Comment


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