Sibylle Fünfstück

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Jun 21, 2008

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Gender: Female
Status: In a Relationship
Age: 27
Sign: Leo

City: Berlin
State: Berlin
Country: DE

Signup Date: 10/16/06

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Friday, May 02, 2008

Offizielles Entschuldigungsschreiben

Das Licht des Tages brennt ein Loch in den Boden. Ein Mann steht unter dem Loch und sieht nach oben. Dort, über ihm, wird er einer Frau gewahr, die ihre Gesichtszüge zu einem Ausdruck des Eifers versammelt hat und mit einer Geschwindigkeit, die der des Lichtes ähnelt, in die Tasten ihrer Tastatur schlägt. Neben ihr steht ein Mann mit gekrümmter Nase. Er schreibt etwas auf einen Zettel, und weil der Rücken der Frau nicht als Unterlage geeignet scheint, hat er einen kleinen Elefanten aus Thailand entführt, der bereitwillig seinen sehnigen Rücken zur Verfügung stellt. Der Mann beendet soeben seine Bemerkungen, als der Elefant den Rüssel schwingt, den Zettel erfasst und zu einer kleinen Kugel formt. Die Frau fühlt sich gestört und wirft einen Spatz nach dem Elefanten. Dieser erschrickt fürchterlich und lässt die Zettelkugel fallen. Die Zettelkugel wird vom Loch im Boden geschluckt und fällt dem Mann, der unter dem Loch steht, vor die Füße. Er entfaltet den Zettel und liest:

 

Lieber, geneigter Leser,

 

hiermit muss ich (und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nur hin und wieder die Unwahrheit spreche) der werten Frau F. zeitweise von ihrer Tätigkeit als Blog-Schreiberin abraten. Sie sieht ein paar Tagen etwas blass aus und verschmäht (und das gibt mir mehr noch zu denken als die Blässe) sogar frischgebackenen Käsekuchen. Ich fürchte (und eigentlich bin ich nicht leicht zu erschrecken), dass Frau F. an einer rätselhaften Seuche leidet, die von einem erschreckenden Einerlei aus Übermüdung, einem ungesunden Arbeitspensum und dem einen und leider auch dem anderen körperlichen Gebrechen einhergeht. Ich bitte, von Aufmunterungen der eigennützigen Art abzusehen.

 

In Bälde unterziehe ich meine Patientin einem Programm, das allein auf ihre Erholung abzielt, und bis dahin verbleibe ich mit den Grüßen eines wohlerzogenen alter egos.

 

Ihr Lord Manningham

10:48 AM - 6 Comments - 6 Kudos - Add Comment

Monday, April 07, 2008

Flughafenromantik

Sie eilt, um rechtzeitig dort zu sein, wo man sie erwartet. Sie findet, dass die Zeit ein bisschen schummelt, hier und da Minuten auslässt, um sie zu spät dem Flughafen zu übergeben. Der Busfahrer abonniert die "Zeit" und manchmal liest er auch darin. So geschieht es an jeder zweiten Bushaltestelle, dass man ihn erinnern muss, weiterzufahren. Er nimmt den Fahrgästen nicht krumm und darüber hinaus reagiert er nicht einmal auf sie. Ein Bündnis wird geschmiedet und der Busfahrer in Alt-Moabit abgesetzt. Weil nun niemand mehr hinter dem Steuer sitzt, nimmt sich die Frau ein Taxi.

 

Der Taxifahrer erzählt von einem Mann, der sich unlängst beim Einsteigen ins Taxi die Hose aufgerissen hat. Er habe seltsame Dinge über das Flugverhalten der Hummel erzählt und auf einem Nikotinpflaster gekaut. Die Frau hört dem Taxifahrer eine halbe Stunde lang zu und schlägt dann vor, loszufahren. Wussten Sie, dass Hummeln entsprechend ihrer Anatomie eigentlich gar nicht fliegen können, fragt der Taxifahrer und hält sich dabei den Riss seiner Hose zusammen. Die Frau steigt aus und geht die 20 Kilometer zu Fuß.

 

Der Flug hat eine Stunde Verspätung. Die Frau sucht eines der Flughafen-Bistros auf und kauft sich einen Kaffee und einen Bagel. Sie setzt sich auf eine der Wartebänke, taucht den Kaffee in den Bagel ein, wundert sich, als der Bagel auf den Schoß fließt, und nickt ein. Eine Stunde später ist sie wieder wach. Der Flug hat eine weitere Stunde Verspätung. Die Frau kauft sich im selben Bistro eine Cola und einen Donut. Man freut sich, sie wiederzusehen. Die Frau setzt sich auf die selbst Bank zurück. Ein Mann sitzt dort. Er saß schon vor einer Stunde neben ihr. Sie nennt den Mann Joachim und die Bank Dietmar.

 

Dietmar fühlt sich gut an- eine weitere Stunde lang. Joachim hat begonnen, von seiner Matchbox-Sammlung zu erzählen. Eine Frau, die Brunhilde getauft wird, häkelt und spricht von den Kindern in Cuba, die Matchbox nur aus Erzählungen kennen. Die Frau erzählt von ihrem ersten Meerschwein, das kein Wasser trinken wollte. Weil der Donut so köstlich war, kauft sie sich einen weiteren. Man duzt sie jetzt schon und schenkt ihr einen Gratis-Milchshake. Die Frau findet, dass der Kellner sehr müde aussieht, und übernimmt eine Stunde später für einige Minuten seine Arbeit. Als sie zu Dietmar zurückkommt, sitzt ein Sicherheitsmann neben ihr und erzählt von einem Goldhamster.

 

Die Frau wird erneut müde. Das Einspringen als Sicherheitsfrau und das Hören der drei Biografien hat sie etwas mitgenommen. Sie weint heimlich über das Ableben des Goldhamsters und Brunhilde, Joachim und der Sicherheitsmann bauen ihr aus ihren Jacken ein bequemes Kopfkissen und decken sie mit dem Mantel des Bistro-Kellners zu, der ihr noch ein Märchen vorliest.

 

Das Flugzeug hat weitere drei Stunden Verspätung. Die Frau nennt Brunhilde mittlerweile „Mutti". Joachim findet, dass die Frau der „Mutti" zu viel durchgehen lässt. Die Frau beginnt einen Streit mit Joachim und nennt ihn den anstrengendsten Bruder, den sie jemals hatte. Sie beginnt, zu schluchzen und darf eine halbe Stunde lang mit dem Funkgerät des Sicherheitsmannes spielen. Im Bistro macht sie sich einen Kaffee und schmiert sich ein Schmalzbrötchen. Als sie satt ist, dekoriert sie den Tresen des Bistros neu und wird dafür zur Geburtstagsparty des Chefs eingeladen.  

 

Drei Stunden später hat die Frau die Fassade des Terminals neu angestrichen und den Sicherheitsmann davon überzeugt, sich endlich von seiner unbefriedigenden Freundin zu trennen. Sie probiert gerade den gehäkelten Pullover der „Mutti" an, als eine Durchsage den Wartenden bedeutet, dass sogleich ein Flugzeug landen wird. Es wird geschluchzt, Menschen liegen sich in den Armen, tauschen Telefonnummern aus, versprechen sich ewige Liebe und trennen sich widerwillig voneinander. Auch die Frau verabschiedet sich von ihrer neuen Familie und bekommt neben dem Wollpullover eine Matchbox-Sammlung und ein Funkgerät geschenkt.

11:15 AM - 7 Comments - 10 Kudos - Add Comment

Friday, March 28, 2008

Marienkäferpauschale

Steuerberater: Guten Tag Frau S. Auf der Straße hätte ich dich ja nicht erkannt.

 

Ich: Das mag daran liegen, dass ich zum ersten Mal hier bin.

 

Steuerberater: Du hast eine neue Frisur.

 

Ich: Sie aber auch.

 

Steuerberater: Willst du einen Kaffee?

 

Ich: Nein, danke, keinen Kaffee. Wollen Sie mich nicht siezen?

 

Steuerberater: Nein, danke. Hier ist dein Kaffee. Sind das die Auszüge des Elster-Formulars?

 

Ich: Ich hoffe. Es gab da eine Elster, die auf einer Jahreszahl saß.

 

Steuerberater: Sehr brav. Aber du hast vergessen, die Pauschalsätze für Schriftsteller mit der Umsatzsteuer zu verrechnen.

 

Ich: Pauschalschriftsteller?

 

Steuerberater: Die 2,8 Prozent. Oder hast du errechnet, dass die gängigen Sätze günstiger sind?

 

Ich: Meine Familie hatte mal einen Kater, der in einer Mülltonne geboren wurde.

 

Steuerberater: Bitte nimm den Kugelschreiber aus meinem Auge.

 

Ich: Verzeihung.

 

Steuerberater: Und die Rechnungen fehlen. Ich brauche die Originale. Und was ist das hier auf der Ausgabenberechnung?

 

Ich: Ein Marienenkäfer. Sehen Sie, er versucht zu fliegen, kann aber nicht, weil ihm die Hummel ein Bein gestellt hat.

 

Steuerberater: Du kannst keinen Erste-Hilfe-Kurs absetzen. Und auch keine Zahnreinigungen. Unter bestimmten Umständen lässt sich eine Pauschale zu den Punkten 7364b und 3890xy…

 

Ich (gesungen): Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm.  

 

Steuerberater: Gut, dann verfahren wir wie letztes Jahr. Ich berichtige alles, rechne die Pauschalvorsteuern zurück und du zahlst dich dumm und dusslig.

 

Ich: Es war mir ein Vergnügen.

3:17 AM - 14 Comments - 16 Kudos - Add Comment

Monday, March 24, 2008

Ostsee-Eier an gepudertem Pudel

Es riecht nach offenen Beinen und Flüssigseife. Und es hat fünf Sterne. Man geht dort hinein, zur Rezeption hin- wenn man denn steigen kann, denn ein parfümierter Pudel liegt dort und kaut am Pantoffel des Hotelboys. Ist deine Mutti da, fragt man ein Mädchen an der Rezeption. Bitte, fragt das Mädchen pikiert, und man bemerkt den Irrtum. Sie schickt einen in die vierte Etage und dort in ein Zimmer, das so schön sein könnte, hätte es keinen Feuermelder. Man hat irgendwo gelesen, dass die nicht reagieren, wenn man raucht, doch man traut sich nicht, denn man hat binnen zwanzig Minuten bereits zweimal aus Versehen an der Notrufstrippe gezogen. Behindertengerecht lebt man nämlich, weil nichts mehr für Gesunde zu haben war.

 

Das ist das Restaurant „Zum Krug", sagt eine Frau in schwarzem Kostüm. Man folgt ihrem Finger, lässt ihn dann an einer Türschwelle liegen und betritt es. Es ist eine Art Museum mit Tischen. Die Karten sind nach Geschlechtern getrennt. Meine ist ein Weibchen, frage ich, die Kellnerin lächelt nicht. Da sind keine Preise drauf, sagt man. Ja, die gibt es nicht auf den Frauenkarten. Dann wäre ich gern ein Mann. Die Kellnerin verzieht nicht die Mine und bringt die Männerkarte. Das ist ja lustig, sagt man. Hier steht, dass ein Fisch 70 Euro kostet. So lustig ist das nicht, sagt die Kellnerin. Den Fisch also.

Das hier ist nicht das Restaurant „Zum Krug"? Nein, das ist noch ein paar Meter weiter weg. Ja schau mal einer an, sagt man.

Die Kellnerin gibt den Fisch an den Zweikellner weiter. Nein, ich werde nichts nehmen, sagt man. Es sei denn, man zwing mich. Dann würde ich eine Suppe bekommen. Eine Suppe will sie dazu, sagt die Kellnerin zum Zweitkellner.

Man denkt, die Kellnerin scherzt und sitzt etwas unschlüssig zwischen Vitrinen und gepuderten Pudeln. Ein Gruß aus der Küche, sagt ein Kellner und stellt etwas vor einen, das wir rohe Eier aussieht. Gruß zurück, sagt man. Sie können das essen, sagt der Kellner. Es ist ein Butterblumenparfait. Angenehm, ich bin Frau X, sagt man.

Man isst und sitzt. Vier weitere Grüße kommen, dann die Suppe. Drei Grüße später gibt es einen Fisch in etwas, das nach Sandkuchen aussieht. Der Kellner nimmt den Sandkuchen wieder mit und man schaut nach dem Ausgang. Sie haben noch meinen Mantel, sagt man dem Kellner. Ja, antwortet er. Man sieht etwas blass aus und isst die drei Gramm Fisch auf zwei Gramm blauen Kartoffeln an Lotuswurzel. Die Rechnung geht auf Zimmer 312, sagt man später. Sie sagten noch vor Minuten, dass Sie auf Zimmer 401 wohnen. Sie Schlawiner sie, sagt man.  

 

Jemand sagt: Geh doch mal in die Sauna. Danach fühlt man sich so wunderbar entspannt.

Man sagt: Ich halte nicht so gern Fremden meinen nackten Hintern hin. Und ich vertrage Hitze nicht.

Jemand erwidert: So heiß muss es nicht sein und niemand sieht dich in der Sauna an, zumal es sehr finster ist.

Man geht also in die Sauna. In einem hellen Raum wird man gebeten, alles abzulegen. Man möchte nicht. Jemand zieht an einem Ende des Bademantels, man selbst am anderen. Man wiegt leider weniger als die dralle Saunawächterin und verliert den Kampf.

Als erstes geht es ins Dampfbad, sagt jemand. Man folgt jemandem und bemerkt, dass man nicht atmen kann. Das geht gleich wieder, sagt jemand. Man möchte jemand den Arm auf dem Rücken verdrehen, doch die Atemnot macht es unmöglich. Dann geht es eben in die Finnische Sauna.

Dorthin geht es dann auch. Man würde sich gern an den gaffenden Männern stören, doch irgendetwas brennt in den Augen. Das ist der Aufguss, erklärt jemand. Man schlägt nach ihm, trifft jedoch einen nackten alten Mann. Seine Frau ist nicht sicher, wer angefangen hat und droht mit der Trennung.

Man läuft an den beiden vorbei und betritt die Finnische Sauna. Bevor man sich übergeben kann, zieht einen jemand nach draußen. Schnell kalt abduschen, sagt er und stellt einen in eine Kabine. Er zieht an einer Schnur und ein Eimer mit Eiswasser entleert sich über einem. Man lacht und weint zugleich. Im Ruheraum liegen Menschen, die besonders entspannt aussehen. Man selbst kämpft alternierend gegen die Ohnmacht und Aggressionsentladungen.

Man friert so sehr, dass man sich auf eine zweite Saunarunde einlässt. Mittlerweile fühlt sich so gedemütigt von der Situation, dass man das Handtuch im Ruheraum vergisst. Siehste, geht doch, sagt jemand. Und jetzt gehen wir in die Biosauna. Die ist nicht so warm und kuschelig dunkel.

Die Biosauna ist nicht kälter als die Finnische Sauna. Nacktes und welkes Fleisch sitzt so dicht beieinander, dass man nicht sicher ist, wem welcher Schweiß gehört. Eine Frau stöhnt unermüdlich und kratzt sich den Rücken an einer Holzverkleidung. Ein Kind sing eine verstörendes Lies. Ein Mann kämpft gegen eine Erektion an. Zum Glück ist es dunkel, denkt man.

Lichter gehen an. Es ist so hell, dass man eine Minute braucht, um wieder etwas erkennen zu können. Man erkennt viel; viel mehr, als man möchte. Man lacht hysterisch. Es sind nur noch 10 Minuten, sagt jemand. Man lacht etwas lauter.

Zehn Minuten später wird man wieder mit Eiswasser begossen. Bist du jetzt nicht auch sehr schläfrig und entspannt, fragt jemand. Man friert, hat Hunger, muss aufs Klo und fühlt sich dem Wahnsinn nah. Jemand weint, als ein Aufgusslöffel auf den Hinterkopf trifft.

 

Man fühlt sich weichgeschleudert und duscht im Sitzen. Anschließend putzt man sich im Sitzen die Zähne. Man glaubt, Behindertenzimmer sehr zu mögen, und schläft ein.

9:12 AM - 14 Comments - 14 Kudos - Add Comment

Monday, March 17, 2008

Erste-Hilfe-Arroganz

Tag 100 der Verlagssuche; Tag 67 der Warterei auf Brief von Mann

 

 

14:00

 

Ich stehe in einem kleinen Raum und stolpere über meine Arroganz. Ein Mann hilft mir hoch. Er redet auf mich ein und sieht mir beim Sprechen auf den Hals. Er sagt, dass ich wie jemand aussehe, der einen Führerschein braucht. Ich nicke und klopfe mir den Hochmut aus dem Mantel. Der Mann sagt, dass ich zunächst einen Erste-Hilfe-Kurs machen muss. Ich lache gequält und sage, dass ich keine drei Stunden dafür investieren will. Der Mann lacht gegen meinen Hals und meint, dass es so schlimm nun auch nicht ist. Schließlich gehe der Kurs nicht drei, sondern acht Stunden. Ich atme durch und setze den Stift an. Sie bemalen mich ja, sagt der Mann, und ich entschuldige mich und gehe nach Hause.

 

15:00

 

Ich habe Angst, gleich ausgeraubt zu werden. Zwei zerbeulte Männer stehen im Edeka hinter mir und reiben sich die Hände. Ich möchte laut fragen, ob jemand einen Erste-Hilfe-Kurs belegt hat, als sich die Männer als Wachpersonal zu erkennen geben. Die haben noch mal Glück gehabt, denke ich, und gehe zum zweiten Mal nach Hause. Der Briefkasten ist leer. Zum Glück hat der Mann nicht geschrieben, sonst wäre ich jetzt glücklich.

 

17:00

 

Ich schreibe einen Artikel und baue absichtlich Fehler ein, damit mir endlich jemand schreibt. Minuten später ist der Artikel samt Fehlern online. Ich schäme mich und versuche, zu schlafen. Die Realität erlaubt keinen Verschnaufer, und ich überlege, ins Meditationszentrum zu gehen. Ich gehe. Kurz bevor das Meditationszentrum erreicht ist, fällt mir ein, dass ich Gäste bekomme. Ich weiß nicht mehr, wohin ich sie bekomme, und gehe in ein Café. Du setzt zu viele Kommas in deinen Texten, sagt die Kassiererin, und ich drohe ihr damit, sie aus meinem Blog zu werfen. Sie gibt mir einen Kaffee aus.

 

18:00

 

Das vollautomatische Klo ist defekt. Wann immer ich mich setze, geht nicht nur die Lüftung, sondern zudem eine Sirene an. Es klingt ein wenig wie eine Feuerübung. Das finden auch die Nachbarn. Sie bilden kleine Grüppchen vor dem Haus; zweimal stündlich. Ich überlege, umzuziehen, als es klingelt.

 

19:00

 

Die Gäste sind da. Ich gebe ihnen ein bisschen Dosensuppe zu trinken und setzte sie auf mein Sofa. Sie schauen einen Film, und ich sitze zwischen ihnen und verletze meine Zunge am Dosensuppendeckel. Einer der Gäste gießt mir Rotwein ein. Ich bedanke mich für das Geschenk und sehe, dass es mein Wein ist, den er verteilt. Es ist das letzte Überbleibsel von dem Mann, der so ungern Briefe schreibt.

 

20:00

 

Ich zünde die Wohnung an, eine Sirene ertönt. Ich geselle mich zu dem Grüppchen vor dem Haus. Wir wärmen uns die Hände an den brennenden Balken, die nach unten fallen. Die erfundene Freundin steht neben mir. Schreib mal was Lustigeres, sagt sie. Lakonische Texte kommen immer nur auf Platz drei der Charts. Ich verspreche, mir mehr Mühe zu geben und schubse die Freundin gegen einen der brennenden Balken.

10:15 AM - 12 Comments - 14 Kudos - Add Comment

Tuesday, March 11, 2008

Intervallbisse eines Trojaners

Tag 94 der Verlagssuche; Tag 61 der Warterei auf Post von Mann

 

 

10 Uhr

Ich sitze in einem Café und eigentlich ist es schon 12 Uhr. Ich bestelle einen Kaffee und bekomme einen Tee. Der Kellner findet, dass ich nicht so schreien soll. Ein Mann setzt sich zu mir. Er sieht, dass ich etwas schreibe und sagt, dass er mir in die Brustwarze beißen will. Ich reagiere nicht und er singt ein Kinderlied. Als ich zurück nach Hause gehe, verfolgt mich eine Frau, die fortwährend an meinem Mantel zieht. Dabei trage ich nicht einmal einen.

 

11 Uhr

Ich frage mich, woran mich die Verrückten der Stadt erkennen. Vermutlich reisen sie sogar für mich an. Ich lache hysterisch. Der Briefkasten ist leer, und ich lache erneut. Zum Glück bin ich Pessimistin, sonst wäre ich jetzt vermutlich traurig.

 

12 Uhr

Zonealarm sagt, dass ich einen Trojaner habe, dabei mag ich gar keine Opern. Auch Opel nicht, weshalb ich mich noch immer nicht bei der Fahrschule angemeldet habe. Zum Glück streikt die BVG, sonst wäre ich so gut drauf, dass ich meine Steuer machen würde. Manchmal spiele ich mit dem Gedanken, die Rechnungen zu sortieren. Der Trojaner hält mich davon ab. Wir sind schon per du.

 

14 Uhr

Der Begleiter behauptet, dass ich in Intervallen uriniere. Er könne drei Zimmer weit hören. Ich frage ihn, ob er nie Angst hat, dass seine Harnröhre platzt. Er lacht. Ich nicht.

 

16 Uhr

Ich möchte eine Packung Zigaretten kaufen. Das sage ich dem Verkäufer im Späti. Er sagt, dass ich nicht rauchen sollte. Ich sehe ihn an und wiederhole meine Bitte. Er fragt, ob ich nicht lieber Kaugummi will. Ich zeige auf die Packung Zigaretten und bekomme einen Schluckauf. Der Mann will mir noch immer keine Zigarette verkaufen. Die Verrückten suchen sich sogar einen Job in meiner Nähe.

 

17 Uhr

Ich rauche etwas Kamillentee. Danach schmerzt mein Kopf. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich bunte Punkte. Im dritten Level habe ich sie alle abgeschossen und ich bekomme Superkräfte. Die wirken drei Stunden lang und heißen Paracetamol. Ich nenne sie auch Pari, und Pari hilft mir bei der Korrektur des zweiten Kapitels. Danach ist mir nach Ablenkung. Ich suche nach dem Mann, der in meine Brustwarze beißen will, doch er scheint nach Hause gegangen zu sein. Vermutlich wohnt er in der Nachbarwohnung.

 

20 Uhr

Pari wirkt nicht mehr und ich telefoniere mit einer Freundin. Sie sagt, dass sie mich blöd findet. Mir fällt auf, dass ich die falsche Freundin erfunden habe und wähle erneut. Leider hat die richtige Freundin gerade Schluckauf und so gehe ich schlafen.  Eigentlich ist es nämlich schon 2 Uhr.

3:33 AM - 13 Comments - 14 Kudos - Add Comment

Monday, March 03, 2008

Salzige Füße an Weinschorle

Tag 86 der Verlagssuche; Tag 53 der Warterei auf Post von Mann

 

10:00

Es ist Sonntag und ich bin bereits seit einer halben Stunde wach. Es hat sich ein Logikfehler eingeschlichen, denke ich, und tatsächlich; es ist erst Samstag. Die Katze leckt an meinem linken Fuß, sie hat Elektrolytmangel, sagt der Tierarzt.

 

11:00

Der Verkäufer im Späti grinst mich an. Er schaut mir wie immer nicht ins Gesicht. Diesmal merke ich auch, wieso. Ich trage ein T-Shirt, auf dem eine nackte Frau zu sehen ist. Ich dachte bisher, es handle sich um etwas Abstraktes. Die hat spitze Brüste, sagt der Verkäufer, und ich verspreche darüber nachzudenken, ihm das T-Shirt zu schenken.

 

13:00

Der Begleiter sitzt im Wohnzimmer herum und macht mir ein Müsli. Heute wie auch sonst benutzt er für mein Müsli eine halb gegorene Melone. Ich möchte nicht undankbar erscheinen und esse die Melone. Auf der Toilette denke ich darüber nach, meine frisch erworbene Lektorin anzurufen, vergesse es dann jedoch gleich wieder. Beim Verlassen der Toilette heult die Lüftung auf. Sie rumpelt noch Stunden später. Manchmal gibt es Ratten in restaurierten Altbauten, sagt der Begleiter.

 

15:00

Der Begleiter und ich sind im Fitnessstudio. Ich gebe gern vor, dass es sich eigentlich um ein Meditationszentrum handelt. Das Meditationszentrum besitzt ein neues Gerät. Ich wüsste gern, was sich damit anfangen lässt (AKTIV! würde die Lektorin jetzt ausrufen), doch ich traue mich nicht, jemanden zu fragen. Wenn man fragt, muss man sich draufsetzen. In der Umkleidekabine des Meditationszentrums halte ich mir die Augen zu. Die Frauen um mich herum finden das affektiert und reden über mich. Ich bin zu schüchtern für eine beleidigende Begründung meines Verhaltens und ziehe mich bei den Männern um.

 

18:00

Ich sehe mir zum vierten Mal den Beinahe-Absturz eines Flugzeugs beim Anflug auf den Hamburger Flughafen an. Ich fühle mich beschwichtigt und rufe die Lektorin an. Sie wohnt andersherum. Bei ihr ist es noch ganz früh am Tag und so halte ich sie von der Dusche ab. Dennoch sprechen wir zwei Stunden miteinander. Danach weine ich ein bisschen.

 

20:00

So affektiert finde ich dich gar nicht, sagt eine Freundin am Telefon. Eigentlich bist du sogar sehr nett, geradezu menschlich. Ich habe die Freundin erfunden, dennoch geht es mir besser. Ich trinke eine Weinschorle und bin unverzüglich angetrunken. Trotzdem brauche ich sieben Stunden, um einzuschlafen. Versuchs mal im Liegen, sagt die Freundin gegen 4 Uhr morgens. Ich danke ihr für den Ratschlag und schlafe ein.

4:51 AM - 12 Comments - 12 Kudos - Add Comment

Thursday, February 28, 2008

Ich mit betontem I

Die Frau heißt jetzt ICH. Das ist ein kurzer, schöner Name und es ist ein I drin. Insofern werden sich die Katzen freuen.

 

Tag 82 der Verlagssuche; Tag 49 der Warterei auf Post von Mann

 

09.00 Uhr

Ich bin jedenfalls noch immer nicht betrunken. Und ich bin viel zu früh wach. Ich habe einen pelzigen Belag im Mund, womöglich sind das die Reste vom Schokokuchen, den ich 5 Uhr nachts gegessen habe. Meine Zunge ist also pelzig und die Haare scheinen blonder als gestern zu sein. Ich wüsste gern, was ich noch so alles im Schlaf gemacht habe.

 

10.00 Uhr

Der Späti hat keine Batterien. Jetzt muss ich ohne Musik herumlaufen. Zum Glück muss ich das doch nicht, weil ich selten herumlaufe. Meistens sitze oder liege ich.

 

11.00 Uhr

Ich erzähle meiner Mutter vom Telefon über rätselhafte Schmerzen in der Gegend des Bauchnabels. Sie sagt, dass ich ihr damit den Tag verdorben habe, und ich entschuldige mich. Sollte ich an den Schmerzen sterben, werde ich meinen Tod an einem Montag übermitteln lassen. Sie mag Montage eh nicht. Nach dem Telefonat putze ich endlich die Zähne. Mir wird übel von der teuren Zahncreme und ich trinke einen Red Bull.

 

12.00 Uhr

Eine schlaksige Frau freut sich, mich zu sehen und meint, dass ich bezaubernd aussehe. Sie habe endlich das Ding zu Ende bekommen und ich gratuliere. Ich kann mich nicht erinnern, die Frau schon einmal gesehen zu haben.

 

14.00 Uhr

Ich weiß nicht, was ich zwei Stunden lang gemacht habe. Frau D. vom Sp.-Verlag fragt, wo die fehlenden Artikel sind. Ich gebe an, sie bei einem Festplattenunfall verloren zu haben und verspreche, bald neue Texte nachzuliefern. Danach gehe ich erstmal schlafen. Ich schlafe nur zehn Minuten, anschließend trete ich auf die Katze, die in der Sonne gedöst hat. Mir fällt ein, dass ich zum Frauenarzt muss. Ich fühle mich sogleich unrettbar verplant und verstehe nicht, wie es Menschen machen, die nebenher auch noch arbeiten gehen müssen.

 

17.00 Uhr

Ich bin vom Frauenarzt zurück. Habe im Warteraum die Gala gelesen und musste aufstoßen. In der Apotheke habe ich die Apothekenrundschau mitgenommen. Ich will sie durchsehen, um Themen für Artikel zusammen zu bekommen, vergesse es aber gleich wieder. Schaue mir die Aufzeichnung von „Nichts als die Wahrheit" an. Eine Familie wird gespalten, nachdem die Befragte angibt, ihre Schwiegertochter nicht zu mögen.

 

18.00 Uhr

Bis ich schlafen gehe, werde ich Computer spielen. Ich habe lange nicht mehr Need for Speed gespielt und erinnere mich beim Starten des Rechners, wieso. Er ist zu lahm und so spiele ich sieben Stunden Solitär.

3:16 AM - 14 Comments - 6 Kudos - Add Comment

Monday, February 25, 2008

Liebesbekümmerte Katzenbisse ohne Prozente

15.00 Uhr

Die Frau möchte eine Flasche Wein aufmachen und versucht sich am Korken. Der Mann nimmt ihr die Flasche aus der Hand und spricht, dass es erst 15 Uhr ist. Das ist der Frau egal, sie tritt in die Richtung seines Schienbeins, verfehlt es knapp und trifft das Knie. Der Mann sackt zusammen und beißt der Frau in den Fuß. Die Flasche Wein fällt auf den Boden und verfehlt nur knapp den Kopf des Mannes. Die Frau wird wütend, denn jetzt muss sie nach unten in den Späti, um neuen Wein zu kaufen, die Frühi's sind nämlich zu weit weg. Der Mann hält die Frau zurück und spricht, dass Andere auch warten können. Die Frau weist darauf hin, dass andere halbe Schriftsteller aber auch schon 14 Uhr betrunken sind.

15.30 Uhr:

Die Frau schaut zum dritten Mal an diesem Tag in den Briefkasten. Es könnte ein dicker Brief drin sein oder ein dünnerer von einem Mann. Es ist nichts drin. Einmal hatte sie eine Toastscheibe im Briefkasten. Sie hat die Scheibe nicht gegessen.

15.45 Uhr:

Die Frau überlegt, wie zuträglich ein chronisches Liebesbekümmernis ist, das sich mit ständiger Warterei paart. Sie findet, dass sie zu den am stärksten benachteiligten Menschen dieses Planeten zählt und endlich betrunken sein sollte. Sie ist so angespannt, dass ihr Kiefer knackt. Die Katze hört das Knacken und beißt ihr in die Unterlippe. Seitdem sie ihren Lieblingsball verloren hat, beißt sie gern irgendwo hin, wo kein Lieblingsball ist.

16.00 Uhr:

Die Frau schreibt einen Liebesbrief, den sie nicht abschickt. Danach lutscht sie auf einer Zitronenscheibe. Die Mutter ruft an und will wissen, ob sie zu Besuch kommt. Die Frau sagt, dass sie nicht will und legt das Telefon in die Waschmaschine.

16.40 Uhr:

Die Frau schaut sich im Internet Bilder von Weinflaschen an. Danach holt sie das Telefon aus der Waschmaschine, ruft bei Diogenes an und lässt anonyme Beleidigungen los. Man ist an so etwas gewöhnt und legt dem Anrufer ans Herz, einen anderen Beruf zu ergreifen.

17.00 Uhr:

Die Frau überlegt, Bäckerin zu werden. Sie findet die Idee dann doch abwegig, fühlt sich noch etwas liebesbekümmerter, schreibt einen weiteren Liebesbrief und schläft über diesem ein. Sie wird von ihrer Katze geweckt, die nun auch in ihre Oberlippe gebissen hat. Die Katze erhält eine Ohrfeige.

17.20 Uhr:

Die Frau trinkt eine kleine Flasche mit Aroma. Es schmeckt ein bisschen wie Alkohol.

18.00 Uhr:

Der Frau fällt ein, dass sie niemalsnie einen solchen Blog schreiben wollte. Sie findet das Schreiben über das Schreiben so sexy wie Hustenauswurf. Sie fühlt sich noch etwas schlechter und trinkt eine zweite Flasche Aroma. Sie liest über einen Schriftsteller, der kleine Kinder schlagen will, wenn er auf Lektorenantwort wartet. Der Frau geht es etwas besser.

18.40 Uhr

Der Mann sagt, dass die Frau doch endlich einen Führerschein machen könnte, das wäre doch eine sinnvolle Ablenkung. Die Frau weint so laut, dass der Mann von seinem Vorschlag, sie in die Fahrschule zu begleiten, ablässt. Die Frau weint noch immer und beklagt ihre Lebenssituation. Der Mann hält sich die Ohren zu und singt ein Kinderlied.

19.00 Uhr

Die Frau liegt betrunken unter ihrem Wäscheschrank. Dabei findet sie den Spielball der Katze. Der Mann spricht, dass es doch gerade erst 17 Uhr vorbei ist, wieso sei es im Blog schon 19 Uhr? Die Frau nimmt den Spielball und stopft ihm den Mann in eines der Nasenlöcher.

19.05 Uhr

Ende

8:24 AM - 12 Comments - 15 Kudos - Add Comment

Thursday, February 21, 2008

Löffelchenstellung im Fitnessstudio

Der Holger tunkt seine Schrippe gern in Milch. Die Mandy meint, dass das nicht geht, so habe schon mal ein Blog angefangen. Was die Mandy nicht weiß: Sie hat ganz andere Probleme. Die Mandy hat nämlich eine neue Frisur und der Holger mochte die alte viel lieber. Das sagt er ihr aber nicht, weil es dann was hinter die Löffel gibt.

 

Heidi Klumm hat auch eine neue Frisur. Die sieht wie die Frisur von Mandy aus, nur klebt da nicht so viel süßer Brei drin. Die Heidi mag nämlich keinen süßen Brei, weil sie dann nicht mehr zu Beckmann dürfte. Sie müsste die deutsche Sprache lernen, und das wäre dann nicht mehr so lustig.

 

Lustig ist auch der Holger. Bald ist nämlich Frühling und der Holger hat den Frühling sehr gern. Eigentlich hat der Holger vieles sehr gern. Nur die neue Frisur von Mandy nicht; schade, dass er sie nicht von der Freundesliste streichen kann. Und er ist nicht so gern in Blogs, die in Kindersprache geschrieben sind, aber ihn fragt ja keiner. Aber es hätte ihn schlimmer treffen können. Er könnte auch in der Kastanienallee wohnen. Dort gibt kein Mac Fit und er müsste immer zu Swiss Training gehen.

 

Bei Swiss gibt es Kombucha-Tee und Männer, die auch gern tunken. Man munkelt, es handelt sich um ein Schwulen-Fitnessstudio. Die Mandy stört das wenig, weil die Männer so adrett sind. Dem Holger wird manchmal ganz komisch, wenn er unter der Dusche steht. Deswegen ist er jetzt wieder bei Mac Fit. Da haben die Geräte keine Schnecken, aber man darf noch ungedehnt in die Sauna.

 

Sauna macht fettige Haare, sagt die Mandy immer und ist erleichtert, denn so hat noch nie ein Blog aufgehört. Und mal wieder weiß sie etwas nicht, denn der Blog hört nicht mit der Sauna auf. Der Holger quatscht ihr nämlich ins Abschiedswort. Er wünscht dem Herr M. aus München stellvertretend und nachträglich alles Liebe zum Geburtstag. Und er entschuldigt sich für Frau S. Zum Glück versteckt es sich leichter hinter einem alter ego.

4:12 AM - 13 Comments - 6 Kudos - Add Comment


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