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Tourtagebuch 2007
Originalversion aus Moloko Plus Nr. 32 (aber ohne die schönen Bilder und das schöne Layout). Moloko Plus hier bestellen: www.moloko-plus.de
Geschrieben von Rene (Gitarre / R.) und Babette (Gesang / B.)
23.03.2007 Köln Sonic Ballroom
Rene: Das erste richtige Konzert der Tour. Wir starten direkt um die Ecke, in der Heimatstadt von unserem Bassisten Marcel. Der coole Laden „Sonic Ballroom" wird des öfteren von uns besucht und selbst bei den besten und bekanntesten Bands hat man das Gefühl, dass es hier äusserst schwer ist, das Publikum zu begeistern. Unsere Erwartungen sind also nicht allzu hoch. Ein nettes Konzert in einem netten Laden, mehr wohl nicht, denken wir.
Babette: Ich freue mich!!! Heute geht..s nach Köln, zur Radio Hellfire-Geburtstagsparty, da dürfen wir und die Kidnappers zur Gratulation aufspielen! 16.30, die Frisur sitzt, ich mache mich auf den Weg zum Sonic Ballroom, im Gepäck nur das Schlagzeug. Burn, unser dazugehöriger Trommler kommt aus Bochum angereist, Marcel wohnt direkt beim Ballroom umme Ecke, und Rene, unser Gitarrenheld, fährt von Mönchengladbach mit dem Zug nach Köln - so ist das eben, wenn eine multikulturelle Band zum Gig fährt!
R: Ich freue mich nach vielen Jahren meinen alten Kumpel Holgi wieder zu treffen. Gegen 22:45 werden wir dann feierlich live im Radio und auf der Bühne angesagt. Und was soll man sagen, alle Erwartungen werden in den ersten Sekunden gebrochen. Der Ballroom ist bereits gut gefüllt und es wird ab dem ersten Song gepogt und gefeiert, und das bleibt so, bis zum letzten Song.
B: Zwei Bekannte von uns sind während unseres Auftritts rausgegangen - "...weil es zu voll war...", wie wir später erfahren haben. Na, was will man mehr?!!! Beim vorletzten Lied überlege ich mir mal so, dass ich meine netten hübschen Mitmusikanten gerne mal aus Publikumssicht sehen würde, und so klettere ich dann auf die Theke. Das macht Spass! Die Sicht ist überwältigend! Wohl ein wenig zu überwältigend, denn während ich voller Freude und Enthusiasmus mein "eyeyeyeyeyeyeyey, I wanna have fun..." trällere und auf der zugegebenerweise recht rutschigen Theke meine Beinchen schwinge - schwupps!- ich rutsche auf einem Bierdeckel aus. Das rechte Bein ist schon auf dem Boden angekommen, das linke liegt noch bissken unangenehm verdreht auf der Theke. Aber egal, ich ziehe das linke Bein runter und hüpfe fröhlich zur Bühne. Tut zwar bissken weh, aber egal -so denke ich mir. Wir spielen noch einige Liedchen, ich tanze lachend über die Bühne, alles ist gut - bis dann der Auftritt vorbei ist und ich feststellen muss - nix ist gut. Das Knie tut so dermassen weh, dass ich es nicht einen Milimeter knicken kann. Geschweige denn Treppensteigen oder ähnliches. Also humpel ich den Rest des Abends mit steifem Bein durch die Gegend, zuhause Mobilat draufgeschmiert, Kühlakku drum - alles ist gut. Aber wieder nix, am nächsten Morgen wache ich vor Schmerzen auf, fahre direkt ins Krankenhaus und wundere mich dort erst einmal darüber, wie easy doch der Job der dortigen Krankenschwestern ist! Während ich auf einem Bett zum Röntgenraum durch die Gegend geschoben werde, telefoniert die hübsche Krankenschwester. Wir ecken öfters mit diesem Bett an. Ist ja auch nicht so einfach, mit einer Hand am Handy. Dann werde ich abgestellt, eine andere hübsche Krankenschwester kommt, die mich röntgt - auch mit Handy. Und ich kann zuhören, dass sie doch gerne öfters angerufen werden möchte, wenn sie arbeitet, da hat sie soviel Langeweile. Aha. Ich werde wieder zurück geschoben, bekomme einen Verband. Oh, hatte ich es vergessen zu erwähnen? Die hübsche Verbands-Krankenschwester telefonierte. Die einzige, mit der ich mich unterhalten konnte da kein Handy am Ohr, das war die Ärztin. Na immerhin! Naja, gebrochen war nix, nur sehr verdreht/verstaucht, und der Hinweis "Sie müssen das Bein ruhig halten". Hm. Ja. Natürlich. Aber abends geht..s ja direkt nach Castrop-Rauxel. Und weitere 18 Auftritte stehen an. Naja. Alles wird gut.
24.03.2007 Castrop-Rauxel - JZ TRAFO
R: Schicker Verband, lecker frittierter Käse und kaltes Hansa im TRAFO, irgendwo auf dem Land. Babette bemüht sich mit einem Bein, was man nicht knicken kann eine gute Show zu machen, es sieht lustig aus. Das Publikum hat Spass und wir auf der Bühne um so mehr. Ich glaube, dass es aus der Sicht des Publikums noch witziger aussieht, wie Babette auf einem Bein diverse selbstkreierte Tänze vorführt.
B: Und um den Abend abzurunden, werden nach dem Auftritt noch ein paar Käseteile in die Friteuse geschmissen - so lässt..s sich doch dann auch richtig gut schlafen!
30.03.2007 Marburg, Trauma
R: Wenn man einen Veranstalter mal als vorbildlich bezeichnen kann, dann mit Sicherheit den Janni aus Marburg. Herzlichst empfangen, kümmert er sich sofort um einfach alles. Wegen einer Terror-oma in der Nachbarschaft, müssen die Konzerte im Trauma leider schon um 23:00 Uhr zu Ende sein, dass heisst Beeilung. Während die 3 O..clock Heroes zu spielen beginnen, starten wir mit Biertrinken und schminken. Die Klänge, die in den gemütlichen Backstageraum nach oben dröhnen klingen äusserst gut. Scheisse, ich wollte noch eine Platte von den 3Uhr Helden haben, ganz vergessen. Und kaum hat man sich schick gemacht, geht’s auch schon auf die Bühne. Der Auftritt ist gut, trotz Babettes immer noch angeschlagenem Knie. Das Publikum scheint Spass zu haben und wir überziehen ein kleines bisschen. Hoffentlich gibt das keine Klage. Nach dem Auftritt wird uns der Merchandise förmlich aus den Fingern gerissen, so muss das sein. Nach ein paar Bierchen und noch was leckerem Essen, fahren wir dann mit dem Taxi in eine so genannte „Künstlerwohnung", die heute Nacht ausschliesslich für uns 4 da ist. 3 grosse Zimmer, eine grosse Küche und ein grosses Badezimmer. Suuper, das ist Rockstarleben! Während Burn und Marcel noch in die Stadt fahren, legen Babette und ich uns schlafen (Weicheier!)
B: Am Frühstückstisch erzählen Burn und Marcel lustige Geschichten, die sie noch nachts in einer Kneipe erlebt haben, zum einen von einem etwas merk- und denkwürdigen "Plattenboss", welcher sich zuerst ein wenig darüber mukierte, dass es eine Band gibt, die laut Eigenaussage "Punkrock zwischen Killerpilze und Tokio Hotel" macht, doch als Burn sich dann als Trommler eben jener Band zu erkennen gibt, da bekommt er direkt eine Visitenkarte in die Hand gedrückt "...wenn ihr mal ..n neues Album machen wollt..." - zwischen Killerpilze und Tokio Hotel??? Und ein Herzchen hat Burn wohl auch noch gebrochen - aber das ist eine andere Geschichte!
R: Irgendwann gegen 5 oder 6 Uhr , ich habe keine Ahnung, am Morgen höre ich merkwürdige Geräusche, direkt vor unserem Fenster, als wenn dort eine Kirmes aufgebaut würde und ständig Stimmen, die immer mehr werden. Als ich dann irgendwann mal realisiere, dass es sich um einen Trödelmarkt, direkt vor unserem Fenster handeln muss, bemerke ich auch die furchtbare Stimme dieser Frau, die redet, wie eine Waldorflehrerin und ständig alles total entspannt und easy findet und ständig sagt: „das kostet 1 Euro…" Die Wände sind so dünn, ich habe das Gefühl, sie steht in unserem Zimmer. Ich will die Frau töten! Waldorf fuck off!
31.03.2007 Göttingen, Juzi
B: Erstmal machen wir Rast bei unseren Veranstaltern, Anja und Matus, und schauen uns deren neuen Erdenbewohner Julius an. Und Gastgeschenke bringen wir natürlich auch mit! Wunderschöne VAGEENAS-Strampler! Ach nee, was sieht Julius doch süüüss aus mit dieser VAGEENAS-Fashion!
R: Anja erklärt uns, während wir Schnittchen essen, was ein „Windelgeschenk" ist, und wie das mit dem Windelgeschenk bei ihrem Baby war.…. Dann Juzi, kenne ich noch von wo ich 18 war: Innenstadtverbot und volltrunken am Lagerfeuer vorm Juzi gepennt – PUNKROCK!!! Erste Band, der polnische Geheimtipp SemmjetzPisch – verdammt, 10 mal nachgefragt und ich kann den Namen immer noch nicht… beginnt um 23:00 und der Laden ist immer noch äusserst leer, auch als wir gegen 23:45 uhr auf die Bühne gehen sieht das nicht wesentlich anders aus. Wir geben alles und das Publikum auch. Das Sms schreibende Handymädchen vor der Bühne wird von uns thematisiert und auch sonst hat man eher den Eindruck, als wenn 90 % der Anwesenden gerade erst aus dem Bett gekommen sind. Die restlichen 10 haben sehr viel Spass. Aber die Situation ist schon sehr merkwürdig… Wir fordern mehr Abstand zur Bühne, nicht so heftiges Mitwippen, da sich Instrumente verstimmen könnten und nicht zu lautes Geklatsche aus der hinteren Reihe. Und nach einiger Zeit regen sich endlich mal ein paar Leute. Ein paar wenige sind beleidigt, so auch der Gästebucheintrager. Die anderen verstehen Spass. Nach dem Konzert bekommen wir das Lob: „die Band mit den besten Ansagen". Geht doch. Auf den Juzi Treppen, das übliche Bild: „schenk mir Button, schenk mir T-Shirt, schenk mir Bier….. schenk mir Hirn…" Und dann war da noch die Horrornacht. Die erste Nacht mit Burn in einem Zimmer. Ich sage Euch: Die Hölle! Wenn ein Dinosaurier schnarcht, dann erhöht man die Lautstärke um das 30- fache und man hat in etwa den Lärm und Nervpegel von Burns Schnarchgeräuschen. Meine Fresse. 3 Leute quälen sich mit Ohrenstöpseln und Kissen auf dem Kopf durch die Nacht. Einer schläft tief und fest.
05.04.2007 Berlin, Tommy Haus
B: Wir spielen heute zusammen mit Funeral March aus Dortmund, und eigentlich wollten wir uns auf der Autobahn treffen und in einer (Mini-)Kolonne nach Berlin fahren.
Also rufe ich, wie noch am Abend zuvor abgemacht, auf Flo..s Handy an - nix passiert. Aber er hat ja auch heute Geburtstag, also sei..s ihm verziehen, dass er nichts hört. Und auch nicht schlimm, denn, was entdecken wir plötzlich auf der Autobahn: den weissen Dumbell-Bus, mit dem die Funerals unterwegs sind! Wir überholen mal locker und Rene verkündet quer über die Autobahn durch unser neues schickes Megaphon, dass der Dumbell-Bus doch bitte an der nächsten Ausfahrt rausfahren soll. Gesagt - getan? Wir kommen ein paar Stunden später im Tommyhaus an, von den Dortmundern noch keine Spur. Nicht, dass sie an der Ausfahrt -welche auch immer?!- auf uns warten? Aber nein, kurze Zeit später kommen sie an.
R: Leider haut das alles nicht so hin mit dem Treffen, aber plötzlich entdecken wir den Bus von Funeral-March auf der Autobahn. Flugs überholt, ich hole unser neues Megaphone raus – Sirene und dann die Durchsage quer über die Autobahn, dass sie bitte die nächste rausfahren sollen.
Super Organisation im Tommy-Haus. Der Laden füllt sich und neben Prominenz „Mario Irrek" wird von Burn noch ein ganz berühmter Mensch entdeckt: „der Keyboarder von Rammstein ist hier!" … als er mir den vermeintlichen Keyboarder zeigt, stelle ich fest, dass es sich dabei um Frank von „Bite the Bullet" handelt. Wir lachen uns schlapp!!! Funeral March beginnen und das Publikum ist noch etwas träge. Die Band spielt super, super Sound! Unser Auftritt wird gut, die anwesenden haben viel Spass und feiern uns, wir feiern mit! Ein sehr gutes Publikum! Danach geht’s noch für ein paar Bier in die Kneipe nebenan. Burn hat heute ein Einzelzimmer……
06.04.2007 Berlin, Holiday
R: Jaaa! Urlaub! Nach gutem Frühstück im Tommy Haus machen wir uns auf zu unserem Freund und grössten Fan Manuel, der in Berlin wohnt und uns seine Wohnung für die nächste Nacht angeboten hat. Schäbbigstes Frühstück beim türkischen Bäcker, bah, danach Spinatbörek nebenan bei der Konkurrenz, genauso schlecht. Berlin halt. Flughafen und Ghetto-besichtigung im Edelstadtteil Neu-Köln. Nach etwas Erholung fahren wir gegen Abend durch Berlin und bekommen von Manuel eine kleine Geschichtsstunde aufs Auge (Ohr?) gedrückt… Bestes Abendessen ever im „Tiki Heart", danach Berliner Bier im „Wild at Heart". Nette Musik von 4 Cowboys und eine gemütliche Sitzecke und nette Menschen (Hallo Miri!) Später gehen wir noch ins benachbarte „JAIL", vorher treffen wir Texas Terri für ein paar Fotos, Falken für einen kleinen Konzertbericht und mit Zip Schlitzer gehen wir dann ins JAIL. Auch ein super Laden mit total nettem Besitzer! Irgendwann am frühen morgen fallen wir ins Bett. Super Tag!
07.04.2007 Chemnitz, Bunker
B: Am nächsten Tag geht es auf nach Chemnitz, aber nicht, ohne vorher wieder beim Tiki Heart einzukehren und ordentlich zu frühstücken!
R: Der Weg von Berlin nach Chemnitz ist doch weiter als gedacht. 3 Stunden später fahren wir vor dem „Bunker" vor. FRONTKICK sind schon vor Ort und teilen uns alles Wissenswerte mit, nämlich, dass Veranstalter Mario in Urlaub ist. Wow! Keiner im Bunker hat Plan von irgendwas, ausser der Soundmensch vom Mischen, das passt. Zum Glück ist Gitarrist Martin von FRONTKICK schon seit 3 Stunden im Bunker und hat so ziemlich alles gecheckt, was wir brauchen, zum Beispiel Boxen… Super, dass wir 3 Tage vorher noch mit Mario gemailt haben und er jetzt auf einmal unangekündigt im Urlaub ist… Man könnte spekulieren, dass die Werbung ähnlich schlecht gelaufen ist, wie der Rest der Planung und deshalb auch nur so wenige Besucher kommen, es könnte aber auch an der Gegenveranstaltung im „Subway to Peter" liegen, welches wohl mit dem Bunker eigentlich gemeinsame Sache macht. Hierzu ein Zitat von Mario ohne Wertung: „Ihr spielt am Wochenende im Bunker, weil da mehr Leute reinpassen, im Subway to Peter sind Konzerte immer in der Woche!" Dass man sich evtl. als Band verarscht vorkommt, wenn man dann feststellt, dass im „Subway to Peter" am gleichen Tag dann dennoch ein Punkkonzert ist, ist vielleicht nachzuvollziehen.
Das vegane Essen im STP war auf jeden Fall zur Abwechslung mal sehr gut. Der Auftritt von FRONTKICK weiss zu gefallen, aber das Publikum kommt so gar nicht in die Gänge. Bei uns scheinen sie dann ein paar Bierchen mehr aus zu haben und der Auftritt geht okay. Die Gage wird uns vom Thekenmädchen, die von nichts etwas weiss ausgezahlt und es reicht tatsächlich um das Frühstück am nächsten morgen zu bezahlen… oder so in etwa… Danke Mario. Und ich weiss, dass wenn „so richtige Punks" das hier lesen, sie uns für Rockstars halten. Eben.
08.04.2007 Dresden, Chemiefabrik
R: Die Nacht war super! Wir haben noch mit FRONTKICK gefeiert und die Band zählt auf jeden Fall zu den nettesten Menschen, mit denen man so rumziehen kann. Morgens gibt es noch Frühstück im „Subway to Peter" für einen Spezialpreis und das Frühstück ist mal wirklich der Hammer.
B: Am Nachmittag machen wir uns dann auf nach Dresden, aber nicht, ohne vorher mal kurz zum riesengrossen weltspektakulären Marxx-Kopf zu fahren. Und davor gestellt und Photo geknipst. Das macht man so. Wir sind etwas zu früh in Dresden, und Marcel, Rene und Burn haben dank dem Marxxkopp Blut geleckt, allen Dreien dürstet es nach Kultur. Dresdener Kultur! Auf zur Stadtbesichtigung! Ich bin müde auf Grund mangelnde Schlafmöglichkeit vergangene Nacht im Gemeinschaftsschlafgemach...- und mir ist kalt. In Dresden sind es bestimmt minus 50 Grad. Also bleibe ich gemütlich im Auto liegen. Ruhe.
R: Dresden - irgendwelche Gebäude, die danach schreien fotografiert zu werden. Ich gebe ja zu, dass die Gebäude dort wirklich schön aussehen, aber ich leider keinen Schimmer hab, um was es sich hier handelt. Ich moderiere dennoch… Ostersonntag in Dresden, zwischen Zwinger, Oper und Frauenkirche, nur Touristen in den schicksten Anzügen, dazwischen wir, was bei einigen Touristen zu Irritationen führt. Wir drehen Videoclips und haben Spass. Dann geht es zur Chemiefabrik. Und wieder mal sind wir die Rockstars, nur weil gegen die Vereinbarung weder Bass noch Gitarrenbox vorhanden sind und nach etlichem Hin- und her, doch endlich eine Box aufgetrieben werden kann.
B: Überraschungen gibt es noch ein paar an diesem Abend! Beispielsweise der wirklich supercoole Flyer, auf dem wir abgebildet sind! Und ganz gross angekündigt! Und darunter, in bedeutend kleiner Schrift, Mala Surte, die Band, mit der wir spielen werden. Und dann sagt Veranstalter Andy uns, dass wir als erste Band spielen, weil doch sehr viele Leute für Mala Suerte kommen werden. Sprich es wird ein Abend mit vielen netten tanzenden Skinheads und ein paar wenigen verirrten Punkern. Und - Überraschung: die Chemiefabrik füllt sich zusehends mit vielen gutgelaunten bunthaarigen Menschen!
R: Es kommen immer mehr Leute zu uns, die es nicht verstehen können, dass wir die erste Band des Abends sind. Das ist ein wirklich grosses Lob. Wir verweisen immer an den Veranstalter… Das Publikum singt unsere Songs mit und feiert, als wenn es kein Morgen gibt, genial!!! Selbst nach der 2. Zugabe wollen sie uns einfach nicht gehen lassen, der Laden kocht. 1000 Dank, an alle die da waren, ihr ward das beste Publikum!!!
B: Wir lassen uns an unserem schönen Merchandisestand noch etwas (viel!!) abfeiern und machen uns dann auf den Weg, an der Tanke noch lecker Teilchen geholt, ab damit in den Magen, und - in Bochum bei strahlendem Sonnenschein aufgewacht!
20.04.2007 Mannheim, JUZ
R: Wetter hervorragend. In Köln 1,5 stunden auf Burn gewartet weil er im Stau stand und dann auf die Bahn, 3 stunden später angekommen. Der Auftritt wird aufgrund fehlender P.A. eine ziemliche Katastrophe, lediglich die Gesänge kommen über Lautsprecher. Spät nachts überfällt mich der Pommeshunger, ich kann nichts auftreiben. Übernachtung im Heizungskeller, der gegen 9 uhr morgens Wüstentemperaturen erreicht hat. Frühstück am nächsten Tag in der Sonne und die ortsansässige Kirmes wird besucht, die gerade aufgebaut wird, zwecks Fotoshooting.
04.05.2007 Suhl – Waldfrieden
R: WO??? Ja genau, Suhl, Waldfrieden, und so siehts auch aus. Ein Ferienort für Familien und Omas, dennoch ein Haufen Punks, der hier regelmässig seine Open Air Konzerte feiert. Und unsere Bandwohnung ist ein kleines Containerhäuschen.
B: Ein richtiges Ferienhäuschen! Nur für uns! Welch Luxus! Nunja, das Ferienhäuschen hat zwar weder Toilette noch ein Waschbecken, aber wir sind ja auch Punker! Nee, ernsthaft, ist wirklich richtig nett dort, und ein Gemeinschaftsbad/WC gib es direkt 50m weiter.
R: Kalt is, und Babette muss sich warmtanzen. Marcel und ich werden durch den Verstärkerwind gewärmt (ähem…). Die Stimmung ist gut und das Ambiente ist einfach zu hart… Waldfrieden halt. Das Konzert in Berga am nächsten Tag fällt leider aus, also nach Hause.
19.05.2007 Darmstadt, Öttinger Villa
B: Von der Öttinger Villa haben wir schon viel Nettes gehört, und es bewahrheitet sich auch, ein echt superschöner Laden, eben eine alte Villa, inmitten von einem grossen Park!
R: Im Keller scheint eine Technoparty stattzufinden, draussen gibt’s Punkerlagerfeuer mit Akkustikgitarre und wir erfahren beim Essen von einer Schnecke, die 3 Arschlöcher hat. Nachts gibt’s noch Chilli und Eis und am nächsten Morgen Frühstück in der Sonne.
25/05/07 Erfurt, ajz
B: Ich bin glücklich, als ich Karin, die imaginäre Stimme unseres Navis, den wunderschönen Satz sagen höre: "Sie haben ihr Ziel erreicht." Zum Glück, in mehrfacher Hinsicht, denn kaum angekommen, bricht ein wirklich ungeheures Unwetter los, mit allem Drum und Dran, sprich Gewitter und Blitze und kübelweise Wasser vom Himmel. Wir machen es uns im Backstageraum gemütlich, unterhalten uns nett mit den Negatives aus Norwegen und sind dann aber doch erleichtert, dass das Unwetter wieder von dannen zieht, da zu dem Zeitpunkt ca.10 Besucher im AJZ sind, und ich, obwohl ansich ein durchaus positiv denkender Mensch, die Menschen, die uns eigentlich gerne sehen wollten, davonschwimmen sehe.
R: Aber, das AJZ füllt sich erstaunlicherweise immer mehr. Ich schlage mir dem Magen mit einigen der etwa 100 Schnitzel und dem Besten aus dem reichhaltigem Buffet voll. Besten Dank für das spitzen Essen! Dann unser Konzert: Superklasse, geiles Publikum, super Stimmung! Nacht bei Bäppi in Eisenach mit Hausmaus geschlafen.
26.05.2007 Halle, VL
R: Ich bin leider krank geworden und liege Tagsüber im Pennraum. Der Veranstalter ist mal wieder nicht da und auch die vereinbarte Gage wird nicht ansatzweise gezahlt, ansonsten: „oi! oi! oi! Oberkörper froi!" „Titten raus!" und „Ausziehen!" Zum Glück gibt es dazu noch ein paar Bühnensitzer, die auf der 3qm grossen Bühne für weitere Stimmung sorgen. Sorry, noch mal, dass ich Dir auf die Hand getreten bin, das tut mir sehr, sehr leid. Wirklich! Ganz ehrlich. Konzertraum etwa 50 Grad und
glücklicherweise hat die „VL" dann für den nächsten morgen um 9 Uhr einen Handwerker für den Nebenraum unseres Pennplatzes bestellt, der Steine abklopft. Dann wär die Sache ja jetzt rund.
27.05.2007 Leipzig, Fischladen
R: Grösstes Grufti Treffen Europas heute in Town. Glücklicherweise ein Nazikonzert 100meter vom Fischladen entfernt und etwa 7 Polizeifahrzeuge bewachen die Strasse. Der Fischladen fasst maximal 50 Leute, es sind über 100 da. Der Laden platzt aus allen Nähten, die Bierbedienung steht auf der Theke und der ganze Fischladen feiert unglaublich!!! Wahnsinn!
06.06.2007 Siegen, Vortex Club
B: Wir spielen mit "Tante Norbert" zusammen, laut Eigenaussage "Live Rock aus Siegen". Nunja. Aber die anwesenden Leute mögen anscheinend Rock aus Siegen, denn der Konzertraum ist ganz gut gefüllt. Und dann beginnt unser Auftritt. Wir fangen mal an, es sind noch so 10 Leute im Konzertraum. Es werden dann irgendwann doch noch so 15-20 Leute. Aber wo sind denn die anderen Leute hin? Die vorhin vor dem Laden sassen?
R: Ich sags mal so: Hauptsache der Iro stand perfekt und man war um 22 uhr knüppeldicht. Ist ja auch schön draussen.
B: Zu unserer grossen Verwunderung wird uns nach unserem Auftritt gesagt, dass wir klasse waren und hoffentlich mal wieder nach Siegen kommen werden. Ähnlich wie bei Dagobert Duck Dollarzeichen in seinen Augen des öfteren zu entdecken sind, sind es bei mir just in diesem Moment Fragezeichen
09.06.2007 München, Glockenbachwerkstatt
R: Endlich noch mal München, wir freuen uns sehr. 10 Stunden Autobahn schlaucht. Aber dann dafür wirklich nur nette Leute, angefangen von Olli & Katz, wo wir später auch pennen werden, bishin zu ein paar Gumbabies und überhaupt, super Konzert, wieder viel zu heiss auf der Bühne, Seife, Schweiss und Bier in den Augen, so muss das sein!
B: Ich werde am nächsten Morgen im Schlaraffenland wach, denn Katz und Oli haben ein fürstliches Frühstück vorbereitet. Mit -natürlich! - Brez..n! Und so machen wir uns ein wenig später gut gestärkt und nicht minder gut gelaunt auf die Heimfahrt - Bayern, mia kemma zrugg!!
16.06.2007 Wiesbaden, Kulturpalast
B: Nun ist es also wirklich soweit. Unser letzter Tourtag ist gekommen. Finde ich ja schon schade, es hat echt sooo viel Spass gemacht, die ganzen Konzerte zu spielen! Und ab jetzt heisst es dann erstmal im schimmeligen Proberaum einschliessen. Was mir vom Kulturpalast gut in Erinnerung geblieben ist, der sehr vorbildliche Veranstalter dort. Aber nunja, die Zeiten ändern sich - zum Glück aber nicht das Essen, denn das ist so lecker wie beim letzten Mal! Vom Veranstalter keine Spur. Wir erfahren, dass er einfach mal von jetzt auf gleich nach Ibiza geflogen ist. Und somit den anderen Mitarbeitern im Kulturpalast ein ziemliches Chaos hinterlassen hat.
R: Aber gut, das scheint mitlerweile ja schon Standard zu sein, dass Veranstalter am Tag des Konzertes verreist sind. Auch wenn das Publikum heute wirklich sehr lahm ist, können wir einiges an Lob verbuchen. Viele nette Leute auch in Wiebaden und noch einige Biere an der Theke.
B: Am nächsten Morgen erweist sich Marcel zu meiner grossen Überraschung noch als wirklich sehr talentierter Klavierspieler. Und da liegt natürlich der Gedanke nahe, dass wir auf der neuen Platte ja auch mal einen Klavierpart einbauen können. Zumindest liegt bei mir dieser Gedanke sehr nahe. Wahrscheinlich im Gegensatz zu den Gedankengängen meiner Mitmusikanten ...also spart schonmal euer Geld und freut euch auf die neue VAGEENAS-Platte!
Und abschliessend jetzt hier nochmal ein wirklich ganz gaaanz gaaaaanz dickes suuuperliebes herzliches "DANKESCHÖÖÖÖÖN!!!" an ALLE, die mit uns gefeiert haben und soviel Spass bei unseren Konzerten hatten, an alle zuverlässigen Veranstalter, alle fähigen Mischer, alle guten Köche und auch an alle Anderen, die sich einfach nur darüber freuen, dass es die VAGEENAS gibt - ihr seid es schuld, dass ich kleine Tränchen vergiesse, weil unsere Tour vorbei ist - Freudentränchen!!!!!!!
R: Auch ich sage (in komprimierter Form): Dankeschön! Hat echt Spass gemacht!
11:01 AM
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